Ingenieur trug den Speisvogel

 
 

Heute vor 63 Jahren, am 16. Februar 1945, ging Wesel im Bombenhagel unter. Dr. Ernst Trapp verließ die Stadt, kehrte 1947 zurück und packte beim Wiederaufbau als Maurer mit an. Sein Sohn Max nennt die Backstein-Architektur der 50er Jahre eine Besonderheit, die Wesel bis heute prägt.

VON GERD HEIMING in RP vom 16. Februar 2008

WESEL Nach dem Krieg war gutes Werkzeug knapp. Und so geschah es, dass der Maurer-Lehrling Ernst Trapp eine schief geratene Mauer wieder einreißen musste, weil der Polier sie mal mit der einen und mal mit der anderen Seite eines abge­brochenen Zollstocks vermessen hatte. Eine andere Anekdote aus der Erinnerung des heute 72-jährigen Dr. Ernst Trapp handelt von Paula und Pauline. Das waren zwei Scha­fe, die sein Vetter Ernst Kampen auf einem Grundstück im Schillviertel hütete. Eines Tages fiel eins der Tie­re in einen Bombentrichter und verendete. „Das gab eine große Strafe und einen guten Braten", er­zählt Dr. Ernst Trapp. Die von seinem Urgroßvater Friedrich Carl Trapp 1872 gegrün­dete Firma ist untrennbar mit dem Wiederaufbau Wesels verbunden. Sie zog den Block am Viehtor zwi­schen Korbmacherstraße und Schmidtstraße hoch, schuf an der Esplanade gegenüber dem heuti­gen Saturn-Gebäude Wohnungen für Betriebsangehörige und errich­tete im Laufe der Jahre Gebäude, die das Gesicht der Stadt zum Teil bis heute prägen: Evangelisches Krankenhaus, Gnadenkirche, Magis-Haus (heute Mensing), die Fir­mensitze von Siemens und Delog und das ehemalige Rathaus („Ze­che Ewald" genannt).

Bäckerei Hollender zuerst fertig

„Das erste Haus, das wieder stand, war die Bäckerei Hollender auf der Hohen Straße zwischen Ber­liner Tor und Blauem Hahn", erin­nert sich Dr. Ernst Trapp. Er selbst hat auf der Gantesweiler Straße ge­genüber dem Heubergbad und an der Esplanade mit angepackt und den „Speisvogel" auf der Schulter getragen, einen rechteckigen Be­hälter, der trapezförmig zulief.

Die Familie Trapp wurde 1945 auf der Schillstraße ausgebombt und ging nach Höxter an der Weser. „Von dort kam meine Großmutter", sagt Dr. Trapp. 1947 kehrte er mit Eltern und Geschwistern in die Hei­matstadt zurück. Er lernte zunächst Maurer (natürlich bei Trapp) und machte dann in Hamburg eine Banklehre. Anschließend studierte er Wirtschaftsingenieurwesen in Berlin. Dr. Trapp übernahm im Fa­milienbetrieb die kaufmännische Leitung und das Auslandsgeschäft, wirkte in fernen Ländern (Peru, Afrika, Nahost) aber auch als Bau­leiter bei großen Projekten mit.

Sein Sohn Max (44) würde es be­grüßen, wenn die Backstein-Archi­tektur der 50er Jahre wieder sichtbar gemacht würde. „Ein so ge­schlossenes Gesamtbild wie in We­sel findet sich selten, das ist ein Alleinstellungs-Merkmal", sagt er und verweist auf das Goldstraßen-Ensemble. „Eine Gestaltungssat­zung könnte helfen, Schlimmes zu verhindern", sagt Trapp.

Als Geschäftsführer der Projekt­entwicklung Trapp Real Estate be­grüßt er es, dass für den Großen Markt eine andere, nämlich die his­torisierende Architektur in Anleh­nung an die Rekonstruktion der Rathaus-Fassade im Gespräch ist und viel Beifall findet.

 

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