Demokratie ist teuer

 
 

 
Ein Besuch bei der EU in Brüssel

Der Sowi-Kurs der Jahrgangsstufe 12 bei Frau Kleischmidt hatte eine Exkursion in Europas Hauptstadt Brüssel organisiert. Es war eine gemeinsame Veranstaltung mit dem LK vom AVG, in dem der größere Teil allerdings aus Schülern vom KDG bestand. Ziel war es, bereits im Unterricht behandelte Themen, die auch für das Zentralabitur relevant sein werden, zu vertiefen und die Gebäude der verschiedenen Institutionen kennen zu lernen und zu besichtigen.

Nach Anreise und Mittagessen in der Unterkunft am Montag stand direkt der erste Programmpunkt im Europäischen Parlament an. Der Referent sprach über den Aufbau und die Arbeit des Parlamentes, seine Aufgaben und die Verteilung von Geldern. Anschließend stellte sich uns vor allem eine Frage: Ist es wirklich notwendig, mehrere Millionen Euro für zum Beispiel den monatlichen Umzug des Parlaments nach Straßburg zu investieren? Darüber hinaus erfuhren wir, dass im Parlament alle 23 Amtssprachen der 27 Mitgliedsstaaten vertreten sind und alle Dokumente, sowie alle Sitzungen von 250 Dolmetschern übersetzt werden müssen, was selbstverständlich eine Menge Geld kostet. Der Ministerrat muss sogar auf ein neues Gebäude ausweichen, um alle Amtssprachen vertreten zu können. Ist das die Wahrung aller europäischen Identitäten wert?

Trotz der enormen Kosten kommt nach der Ablehnung des Vertrags von Lissabon von der irischen Bevölkerung allerdings die Frage auf, ob diese Wahrung der einzelnen europäischen Identitäten nicht doch von hoher Bedeutung ist und die Individualität der einzelnen Länder die Identität Europas auszeichnet. 

Auch bei dem darauffolgenden Vortrag von Detlev Boeing kamen ähnliche Fragen auf. Unter dem Titel „Die Erweiterungspolitik der Europäischen Union“ bekamen wir viele interessante Informationen zu der Aufnahmefähigkeit der EU, zu den Bedingungen an die Kandidatenländer und eine detaillierte Erörterung zum Beitritt der Türkei.

Am nächsten Morgen bekamen wir mit Witz und Charme die Interessen des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses von Heinrich Bultmann näher gebracht, was uns allen sehr gut gefallen hat. In der NRW-Vertretung, die sich neben den anderen 15 regionalen Vertretungen mitten in Brüssel befindet, erhielten wir einen Eindruck von den regionalen Interessen, die ein Bundesland wie NRW haben kann und vor allem inwiefern die Vertretung Einfluss auf die europäische Gesetzgebung und andere Entscheidungen hat, da sie lediglich eine beratende Funktion erfüllt und offiziell über kein Mitspracherecht verfügt.

Insgesamt sind wir zu dem Fazit „Demokratie ist teuer“ gekommen, denn die EU muss einen hohen Preis zahlen, um die Stoßkraft der EU in allen Aspekten zu bewahren, so wie um die Annäherung von Bewerberländern an europäische Standards zu gewährleisten. Im Endeffekt ziehen allerdings alle Länder einen sozialen sowie einen wirtschaftlichen Vorteil aus dieser Vereinigung. Außerdem trägt die Politik der EU zur Friedenserhaltung in Europa bei.

Am letzten Tag unseres Besuches haben wir eine Stadtbesichtigung gemacht, nachdem wir zuvor den Ministerrat besichtigt hatten.

Zusätzlich hat diese Veranstaltung eine besondere Relevanz für die Europawahlen in diesem Jahr, da wir zum ersten Mal an diesen Wahlen teilnehmen dürfen. Aus diesem Grunde wird unser Sowi-Kurs in den kommenden Wochen einen Informationstag zu diesem Thema organisieren, der für alle Schüler zugänglich sein wird. Ziel ist es, das politische Wissen in der Schülerschaft zu verbessern und grundlegende Informationen zur derzeitigen Lage in Europa und in einzelnen Ländern, wie zum Beispiel in Tschechien auf Grund der politisch veränderten Lage und Unstimmigkeiten in Bezug auf die Zustimmung des Vertrags von Lissabon, zu geben.

Darüber hinaus wird unser Sowi-Kurs an einer Quizshow zum Thema EU-Wahlen in Düsseldorf am 4. Mai teilnehmen. Unter prominenter Moderation werden Politiker Fragen zum Thema Europa beantworten und außerdem bekommen wir als Publikum die Möglichkeit, uns zu beteiligen.
Lena Kuhmann

 

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