Im KDG Krimi aufgetischt

 

In der Mensa des Konrad-Duden-Gymnasiums servierte der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 ein Krimi-Dinner. 40 Gäste ließen sich ein Drei-Gänge-Menue munden und klärten dabei den Mord an einem Hotelbesitzer auf.

VON MAITE WESELY in RP vom 7.12.2009

WESEL Der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 des Konrad-Duden-Gymnasiums hat in den vergangenen Monaten akribisch an einem Krimi-Dinner gefeilt. Die Idee, dass Gäste im Rahmen eines Menüs einen Mord aufklären, hatte Lehrerin Christine Walkenhorst. Am Freitagabend wurde das Stück erstmals aufgeführt - in der Mensa des KDG. Und darum ging's: Der geizige Richard Gier, Chef des pfälzischen Hotels Gier, der seine Angestellten schikaniert und seine Familie vernachlässigt, wird während eines Fernsehtermins an seinem Stehpult erschossen. Sein Haus nimmt am Wettbewerb "Deutschlands bestes Hotel" teil. Nach dem Tod des ungeliebten Patrons übernimmt der Sohn die Leitung.

Miniköche servieren Pilzsuppe

Während die 40 Gäste des Abends, darunter Lehrer, Eltern und einige Schüler, schon darüber diskutieren, wer Richard Gier umgebracht hat, servieren die Weseler Miniköche das vom "Hauskoch" Ulrich Lütke zubereitete Menü, das mit einem leckeren Pilzrahmsüppchen startet.

Im Anschluss spekuliert der Kameramann Alex, der die Aufnahmen zur Sendung "Deutschlands bestes Hotel" machte, über den Mörder. Ihm fällt auf, dass seine Aufnahmen möglicherweise einen Beweis liefern könnten. Sein Assistent beschäftigte sich intensiv mit dem Filmmaterial. Wenig später ist er tot. Die Nachricht verkündet Kellner Heinz. Beim Toten wird eine Silberkette gefunden. Mittlerweile lassen sich die Zuschauer den Hauptgang - mit Frischkäse gefüllte Rinderrouladen mit Bohnen im Speckmantel und Schmorkartof­feln - munden und spekuliert da­bei, wer von den Akteuren als Täter in Frage kommt. KDG-Lehrerin Christine Benning-Cebula bei­spielsweise spekuliert zusammen mit ihrer Tischnachbarin „dass im ersten Gespräch zwischen Giers Frau Sylvia und einem ehemaligen Freund eine uneheliche Tochter und eine Kette erwähnt wurden. Vielleicht kommt die Tochter als Täterin in Frage." Noch einmal kommt Kameramann Alex zu Wort und erklärte dem Publikum die Umstände und wer nun alles als Mörder in Frage kommt. Die Teil­nehmer des Krimi-Dinners schrei­ben ihre Vermutungen auf einen Zettel und warten gespannt auf die Auflösung. Des Rätsels Lösung prä­sentiert Alex beim Blutorangendes­sert: „Es war das Hausmädchen Hanna, die uneheliche Tochter von Sylvia, die den ungeliebten Richard Gier und den Assistenten umge­bracht hat." 18 Gäste haben den richtigen Riecher. Tosender Beifall.

INFO: Wein und Roman

Zu den 18 Gästen, die auf die richtige Täterin getippt hatten, gehörte Jan-Simon Schlei. Er bekam einen Pfälzer Dornfelder und das Hörbuch "Mord im Weinkeller -Trockener Abgang". Sein Name war von Ute Fechner, der Vorsitzenden des Mensavereins, aus einer Lostrommel gezogen worden.

Bilder im Fotoalbum

 

Der Literatur-Kurs des Konrad-Duden-Gymnasiums tischte mit Hilfe der Mini-Köche Leckeres auf. Dazu gab's Gänsehaut

Julia Schulters in NRZ vom 7.12.2009

Wesel. Der erste Schuss fiel bei Champignoncremesuppe und Weißbrot. Es verwunderte nicht, dass manchem Gast das Pilzsüppchen vor Schreck im Halse stecken blieb. Es gab erstarrte Gesichter, weinende Hausmädchen und klirrendes Geschirr. Wer am Freitagabend in der Mensa des Konrad-Duden-Gymnasiums Platz nahm, brauchte starke Nerven: Zwei Morde, ein halbes Dutzend Verdächtige und der Täter mitten unter den Angestellten - Spannung pur beim Krimidinner im Speisesaal.

Man nehme eine spannende Geschichte, würze sie mit pfiffigen Dialogen und serviere dazu   ein mörderisch gutes Abendessen. Das war das Rezept. Heraus kam nicht nur ein Leckerbissen für eingefleischte Tatort-Fans, den der Literaturkurs des Konrad-Duden-Gymnasiums seinen Gästen auftischte. Schaurig schöne Kerzenleuchter, Sargdeckel-Brötchen mit Schwert-Zahnstocher und fruchtiges Blut-orangen-Mousse sorgten für ein Krimidinner, bei dem Roulade und Mordfall gleichermaßen aufgerollt wurden.

"Wir wollten eine thematische Verbindung zwischen Essen und Literatur schaffen", sagte Lehrerin Christine Walkenhorst, die gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Kurses das Krimi-Stück auf die Beine gestellt hatte. Seit den Sommerferien habe das Autorenteam an dem Drehbuch gearbeitet und die Rollen einstudiert. "Es war wirklich beeindruckend zu sehen, mit wie viel Engagement und Liebe zum Detail die Schüler trotz Klausurstress an die Sache herangegangen sind", lobte sie die Zwölftklässler.

Die Gäste durften rätseln

Die bewiesen ein außergewöhnlich gutes Spürnäschen für kurzweilige Abendunterhaltung. Während Hauskoch Ulrich Lütke gemeinsam mit den Weseler Miniköchen allerlei blutig ausschauende Leckereien auf die Teller platzierte, sorgten die Jungautoren und Schauspieler für kribbelnde Gänsehaut und ordentliche Schreckmomente bei den Gästen. Zwei kaltblütige Morde zwischen Vorspeise und Hauptgang, grausige Leichenfunde im schummrig beleuchteten Saal und die Aufklärung der beiden Fälle bei Nachtisch und Absacker: Das gefiel den rund 40 Besuchern, die an den edel gedeckten Tischen pünktlich zur Tatzeit Platz nahmen und am Ende detektivisch miträtseln durften, wer den Hotelchef so grausam hinterrücks erschossen hatte.

Die Gäste entpuppten sich als echte Krimikenner. Rainer Erdmann aus Wesel notierte zwischenzeitlich die Indizien und kombinierte messerscharf: "Hausmädchen Hannah ist die Mörderin." Auch Maik Schanzmann entdeckte den Kommissar in sich und ermittelte fleißig mit: "Spannender als der Tatort im Fernsehen", so der Weseler, der auf eine baldige Fortsetzung hofft.

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