Schepersfeld: Wartehäuschen werden aufgehübscht

 

WESEL Von der Idee, sämtliche Buswartehäuschen aus Beton abzubauen und gegen gläserne Exemplare auszutauschen, hat man sich im Rathaus verabschiedet. Wie mehrfach berichtet, sind nämlich die Scheiben an fast allen gläsernen Haltestellen – vor allem in den Außenbezirken und in Schepersfeld – von Unbekannten zerstört worden.

Um besagte Betonhäuschen aufzuhübschen, hat Wesel Marketing die Aktion „Schöner warten in Wesel“gestartet. Ab sofort können sich Künstler, Schulklassen und alle, die Freude daran haben, ein Häuschen künstlerisch zu gestalten, bei Wesel Marketing unter Telefon 02812032606 melden (Frau Zwickel). Die Kosten für die Farben übernimmt die Stadt.

Das erste von 23 grauen beziehungsweise mit Graffiti übersäten Unterständen präsentiert sich seit gestern als gemütliche Wohnküche mit Blick auf den Pazifik. Für das ungewöhnliche Kunstwerk an der Straße Am Schepersfeld verantwortlich zeichnen sich Marie-Paule Neu vom Fusternberg und deren Töchter Samantha, Malaika und Tatjana, die entweder ihr (Kunstpädagogik) Studium abgeschlossen haben, Kunst studieren oder Design studieren wollen.

Marie Paul-Neu, Kunstlehrerin am Duden-Gymnasium, erzählt, dass dies der Blick in die Küche des Hauses sei, in dem sie und ihre Familie einst als Entwicklungshelfer in Charito gelebt haben. „Ich könnte mir gut vorstellen, ein oder zwei Häuschen mit KDG-Schülerinnen zu gestalten“, sagt sie.

Quelle: Rheinische Post - 26.09.2014 - C2 - Wesel
 

Fachausschuss diskutierte, wie man gläserne Wartehäuschen vor Vandalismus schützen könnte.

WESEL Was tun, wenn gedankenlose Zeitgenossen aus Jux und Tollerei gläserne Wartehäuschen zerstören? Mit dieser Frage hat sich jetzt der Weseler Stadtentwicklungsausschuss befasst und letztlich keine befriedigende Antwort gefunden.

Die während der Diskussion geäußerte Idee, besagte Häuschen einfach an eine andere Stelle zu versetzen, an der keine Gefahr droht, kann nicht in die Tat umgesetzt werden, weil die Unterstände mit Fördergeldern aus Düsseldorf finanziert wurden und bei einer Standortverlagerung die Mittel zurückgezahlt werden müssten. Problematisch, so die Verwaltung, sei es auch, Plexiglas statt normalem Glas zu nehmen, weil dieses schnell unansehnlich wird und auch leicht zu verkratzen ist. Ein entsprechender Vorschlag kam von Frank Schulten (CDU).

Um die oft mit Graffiti beschmierten Wartehäuschen aus Beton aufzuhübschen, will Marie Paule-Neu, Kunstpädagogin am Konrad-Duden-Gymnasium, zusammen mit ihren ebenfalls künstlerisch begabten Töchtern demnächst die Haltestelle am Quadenweg in Schepersfeld künstlerisch umgestalten.

Ludger Hovest (SPD) bat die Verwaltung um Alternativ-Vorschläge zu den gläsernen Wartehäuschen. „Glas ist eine Luxusversion. Vielleicht reichen ja auch nur Unterstände. Die sind günstig und haben den gleichen Effekt.“

Von dem Ausmaß des angerichteten Schadens (Kosten zwischen Mai 2013 und Juni 2014 für insgesamt 13 Reparaturen: 14224,05 Euro) erschüttert zeigte sich nicht zuletzt Ulrich Gorris von den Grünen. „Das ist absolut frustrierend und unglaublich. Vertrauen und das Wohlfühlgefühl werden mit Füßen getreten. Kann man die Häuschen besser beaufsichtigen? Können solche Täter ermittelt werden?“, fragte er. Die Täter zu erwischen, sei praktisch unmöglich, ließ die Verwaltung die Ausschussmitglieder wissen.

Betroffen von den Vandalismusschäden seien vor allem Außenbezirke (Bislich, Büderich), wo die soziale Kontrolle fehle. „Dann sollten wir die Bevölkerung verstärkt auffordern, die Augen aufzuhalten“, meinte Gorris. Und Frank Schulten bemerkte ernüchtert: „Wenn alles nichts nützt, dann müssen wir künftig bruchfeste Häuschen wählen, bei denen man nichts kaputtmachen kann."

Quelle: Rheinische Post Wesel - 20.09.2014 - C5 - Hintergrund & Meinung
 

Wesel. Wartehäuschen an den Bushaltestellen bereiten der Verwaltung immer wieder Sorgen. Diejenigen aus Beton sind zwar fast unverwüstlich, werden aber verschmiert und verschmutzt, mitunter gar als Toilette missbraucht. Außerdem werden sie häufig als Angsträume empfunden, weil sie von außen nicht einsehbar sind.

Deshalb hat die Verwaltung auch seit 2010 mit Zuschüssen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) nach und nach 17 verglaste Wartehallen aufgestellt – hell, freundlich, einsehbar. Aber auch immer wieder Gegenstand der Zerstörung. 13 Mal hat es seitdem recht kostspielige Vandalismusschäden gegeben, Schwerpunkt sind die Wartehäuschen in Bislich Auf dem Mars und Schüttwich. „Sie stehen nicht unter sozialer Kontrolle“, erläutert Reiner Schürmann von der Verwaltung das Problem, die Häuschen stehen im Grünen, weitab von Gebäuden.

„Jede Wartehalle kostet rund 5000 Euro“, erklärt er. „Ich gehe nicht davon aus, dass Bislicher das tun. Die Täter fahren gezielt Haltestellen an, die schlecht einsehbar sind.“ Ohnehin betrifft das Problem fast alle 17 Standorte der modernen Häuschen im Stadtgebiet.

„Eine Reparatur kostet uns im Schnitt 1100 Euro“, ergänzt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, die mit Blick auf häufige Beschädigungen sagt: „Stopp, wir haben zu viel Vandalismus!“ Derzeit ist der gläserne Unterstand in Büderich am Elvericher Weg demoliert. Nach einer Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss sollen hier neue Wege begangen werden. Schürmann: „Wir wollen andere Materialien ausprobieren.“ Die Scheiben könnten durch Plexiglas oder Kunststoff ersetzt werden. Plexiglas hat den Nachteil, dass es leicht zerkratzt werden kann und mit der Zeit unansehnlich wird. Und auch Kunststoff lässt sich zerstören, wenn jemand es unbedingt will.

Am Elvericher Weg kann die Stadt einen solchen Versuch starten. Andere Standorte sind bis zu 80 Prozent vom VRR bezuschusst worden. „Wir müssen überprüfen, ob die Stadt den Zuschuss zurückzahlen muss, wenn wir das Material austauschen“, erläutert Schürmann.

Was aber tun mit den 23 Betonwartehallen, die auch Ulrike Westkamp als „nicht schön“ bezeichnet? Es ginge nicht, alle Betonhäuschen auszutauschen, ergänzt die Bürgermeisterin. Deshalb geht die Stadt in Zusammenarbeit mit WeselMarketing jetzt neue Wege: Nach und nach sollen immer mehr Häuschen künstlerisch gestaltet werden. „Schöner Warten in Wesel“, nennt Westkamp den Versuch, kostengünstig die wenig attraktiven Unterstellmöglichkeiten optisch aufzupeppen. „Viele Künstler suchen Projektionsflächen“, ist sie sich sicher und natürlich erfreut, dass Künstlerin Marie-Paule Neu mit ihren drei Töchtern Malaika, Samantha und Tatjana auch gleich den ersten Betonklotz an der Quadenwegschule mit Farbe und Pinsel in Angriff genommen hat. „Das wird eine philippinische Fischerhütte“, erklärt Neu. Den Raum mit ursprünglich grauen Betonwänden verwandeln die Malkünstler eine braun-gelbe „Bambushütte“ mit drei großen Fenstern, die den Blick aufs blaue Meer und den Himmel freigeben. So entsteht für den Wartenden um ihn drumherum ein Gefühl von Weite und Freiheit – statt wie zuvor von Enge.

Quelle: WAZ - Lokal - 26.09.2014

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