Schule als Lebenselixier

 

NRZ, 07.06.2016 Wesel

Dr. Heinzgerd Schott geht als Leiter des Konrad-Duden-Gymnasiums in den Ruhestand. Nachfolgerin wird die bisherige Stellvertreterin Karen Schneider. Schott hat eine Menge Pläne für den Ruhestand


„Der Charme des Abschieds liegt in der Lust auf Neues“ – diesen Leitspruch hat Dr. Heinzgerd Schott auf die Einladung zu seiner Abschiedsfeier drucken lassen, und für den 64-Jährigen ist er doch so viel mehr als nur ein Spruch. Denn der Satz spiegelt genau das Gefühl wider, mit der der Leiter des Konrad-Duden-Gymnasiums in seinen neuen Lebensabschnitt starten möchte. 52 Jahre lang hat Schule Schotts Leben geprägt – ob als Schüler, Lehrer oder in den vergangenen 15 Jahren als Leiter des Feldmarker Gymnasiums. Eine tolle Zeit, auf die der Gindericher gern zurückblickt. Mit Beginn der Sommerferien aber ist nun endgültig Schulschluss für Heinzgerd Schott. Er geht in den Ruhestand, und er freut sich darauf.

Denn Lust auf Neues habe er definitiv, sagt der Pädagoge. Und Lust drauf, wieder Herr seiner Zeit zu sein. Reisen möchte er, nach Südamerika vielleicht. „Aber auch in Deutschland und Europa gibt es so vieles, das ich noch nicht gesehen habe oder noch einmal sehen möchte.“ Zypern. Oder Spanien. Oder die Alpen – Schott kann sich kaum entscheiden. Muss er ja auch nicht. Vielleicht schaut er sich einfach diese drei und noch viele andere Ziele an. Flexibel ist er ja bald, und unabhängig von Ferienterminen.

Mehr Zeit für Sport möchte der zukünftige Rentner ebenfalls finden. Egal, ob wandern, radfahren oder Volleyball. „Ich brauche Bewegung“, sagt er. Und darauf, sich seiner Leidenschaft für Oldtimer mehr widmen zu können, freut er sich ebenfalls. „Schrauben oder damit fahren, diese Fahrzeuge sind für mich ein Erlebnis.“ Nicht zuletzt möchte sich Heinzgerd Schott ehrenamtlich engagieren – ob politisch in der Gindericher CDU oder im Vorstand der Lebenshilfe Unterer Niederrhein, in dem er sich künftig einbringen möchte.

In ein Loch fallen werde er also definitiv nicht nach seiner Pensionierung, ist der 64-Jährige sicher. Ein wenig fehlen wird ihm die Schule aber sicher dennoch, denn sie sei für ihn immer mehr gewesen als nur ein Arbeitsplatz, sagt Schott ganz deutlich. Der tägliche Umgang mit vielen ganz unterschiedlichen Menschen habe ihn immer fasziniert, sei für ihn ein „Lebenselixier“, formuliert er. „Die Arbeit hat mein Wohlbefinden positiv beeinflusst.“ Nur zweimal in all den Jahren habe er jeweils eine Woche lang aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, erinnert sich Heinzgerd Schott. „Das ist einerseits ein unheimliches Glück, dass ich von größeren Krankheiten verschont wurde, zeigt aber auch, wie gut es mir hier ging.“ Denn wer gestresst sei oder sich an seinem Arbeitspatz nicht wohl fühlt, der wird öfter krank, ist der Schulleiter überzeugt.

Fähigkeiten und Fertigkeiten

Schule zu einem Ort zu machen, an dem es nicht nur um Fächer und Noten geht, das war Heinzgerd Schott in seiner Arbeit immer wichtig. „Es geht auch um Fähigkeiten und Fertigkeiten“, ist er überzeugt. Seien es soziale Kompetenzen oder auch Erfolgserlebnisse in Zirkusprojekten, beim Sport oder in der Musik. „Die Kinder und Jugendlichen sollen an der Schule wertvolle Erfahrungen machen.“ Wie etwa im Artaban-Musical das die fünften Klassen jedes Jahr vor Weihnachten aufführen. „Wenn die Kinder, die noch recht neu an der Schule sind, dort auf der Bühne stehen und Selbstbewusstsein tanken, dann sind sie am KDG angekommen.“

Viele Schüler hat Heinzgerd Schott kommen und gehen sehen, traurige Dinge erlebt, aber auch viel Schönes. Besonders toll findet er es, ehemaligen Schülern Jahre später noch einmal zu begegnen. „Wenn jemand, der vielleicht uneinsichtig und schwierig war, nun selbst Kinder in der Pubertät hat und die Gardinenpredigt von damals jetzt nachvollziehen kann, dann weiß ich, dass doch etwas angekommen ist.“

Die Rahmenbedingungen für seine Arbeit als Schulleiter seien in den vergangenen Jahren immer wieder andere geworden, blickt Heinzgerd Schott zurück und nennt die Einführung des Ganztags im Schuljahr 2009/2010 als Beispiel. Zudem sei das Verhältnis von Lehrern und Schülern ein ganz anderes geworden. Weg von Autorität hin zu Persönlichkeit. Nur so könne ein Pädagoge Kinder und Jugendliche heutzutage erreichen, ist der 64-Jährige überzeugt. „Gesellschaft ändert sich, und damit auch Schule.“

Dass seiner Nachfolgerin das gelingen wird, davon ist der Gindericher überzeugt. Die bisherige stellvertretende Schulleiterin Karen Schneider übernimmt zum neuen Schuljahr. „Und wenn irgendwelche Fragen entstehen, kann sie ja anrufen“, sagt Schott. „Ich bin ja nicht weg.“


Gabi Kowalczik Quelle

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