Rückkehr zu G9: Gymnasien offen

RP/NRZ, 09.06.2017, Wesel
Die beiden Weseler Schulen würden eine Elternbefragung begrüßen.

Die von der neuen Landesregierung angekündigte Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren wird in den hiesigen Gymnasien offen und mit Gelassenheit aufgenommen: Sowohl das Konrad-Duden- als auch das Andreas-Vesalius-Gymnasium könnten sich vorstellen, G 9 anzubieten - obwohl beide Schulen betonen, dass es wenig Kritik aus der Elternschaft an der aktuellen Organisation des Schulalltages gebe. Ob die Schulen zur längeren Schulzeit zurückkehren, hängt auch von den Wünschen der Familien ab, erklären die Schulleiterinnen Dorothee Brauner (AVG) und Karen Schneider (KDG) übereinstimmend. Wichtig für sie: Beide Schulen wollen sich über einen gemeinsamen Weg abstimmen.

Dass die Gymnasien sich nach den bisherigen Planungen entweder für G 9 oder für G 8 entscheiden sollen und es kein Nebeneinander beider Formen an einer Schule geben soll, begrüßen beide Rektorinnen. "Es ist super, dass wir nicht Beides anbieten müssen", sagt Karen Schneider. Welche Variante die Weseler Gymnasien künftig anbieten wollen, sollten aus ihrer Sicht in erster Linie die Eltern entscheiden - und zwar die Mütter und Väter der heutigen Grundschulkinder, denn sie sind von der Änderung, die zum Schuljahr 2019/20 in Kraft treten soll, schließlich betroffen. Karen Schneiders Idee: "Die Stadt könnte eine Umfrage durchführen, um herauszufinden, was gewünscht ist."

Unter den Eltern ihrer Schüler, da ist sie sich sicher, gibt es kein großes Interesse, die Schulzeit wieder zu verlängern. Denn das Konrad-Duden-Gymnasium hat 2010 aufgrund des so genannten "Turbo-Abis" auf den verbindlichen Ganztag umgestellt und ist damit gut gefahren. "Das war die richtige Entscheidung". Das bedeutet aber auch, dass sich die Stundentafel am KDG im Falle einer Rückkehr zu G 9 nicht wesentlich verändern würde. Dennoch, betont Karen Schneider, sei sie offen für G 9. Wichtig sei ihr das gemeinsame Vorgehen der Weseler Gymnasien, damit keine Konkurrenzsituation entsteht.

Diese Absprache begrüßt auch Dorothee Brauner vom AVG. Sie kann sich vorstellen, dass die Schulen zum Abitur nach 13 Jahren zurückkehren. Dabei, sagt auch die AVG-Direktorin, müssten aber Eltern und Lehrer nach ihrer Meinung gefragt werden. Obwohl die Umsetzung von G 8 am AVG gut gelungen sei, glaubt sie, dass die Mehrzahl der Schüler von einer längeren Schulzeit profitieren würde. "Mehr Zeit zum Lernen ist immer eine gute Sache". Ob sich in diesem Fall für die Schüler der Sekundarstufe 1 mehr Freiräume am Nachmittag ergeben, lasse sich noch nicht voraussagen. "Das hängt davon ab, wie viele Stunden wir in Zukunft unterrichten werden." Dazu benötige man weitere Informationen über die Stundentafel und das Fächerangebot. Derzeit haben die Schüler des AVG bis zu zwei Tage pro Woche Unterricht am Nachmittag, zum Teil sind dies aber auch Förderangebote.

Die mögliche Rückkehr zu G 9 wird auch Thema bei der heutigen Bezirksdirektorenkonferenz mit Schulleitern aus der Region sein. Die Entscheidung darüber, welchen Weg die Weseler Gymnasien gehen wollen, wird aber voraussichtlich erst nach den Sommerferien fallen.

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