777 Pfirsichkerne sollen Wesel blühen lassen

RP, 15.09.2018

Wesel. Das Konrad-Duden-Gymnasium hat sich eine sympathische Aktion zum Stadtgeburtstag einfallen lassen: Die Weseler sollen Pfirsichbäume pflanzen.

Von Klaus Nikolei

Mit einer ungewöhnlichen Aktion im Rahmen des 777. Stadtgeburtstages möchten Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und während der Kulturnacht am Samstag, 15. September, Hunderte Pfirsichkerne an Interessenten verteilen. Marie-Paule Neu, Kunsterzieherin am KDG, ruft dazu auf, „Wesel gemeinsam in einen blühenden Pfirsichhain zu verwandeln.

Die Pfirsiche, deren Kerne zum Einpflanzen angeboten werden, würden in Wesel traditionell sehr gut wachsen, verspricht Marie-Paule Neu. „Sie gehen gut an, wenn der Kern auf einem für die Wintersonne unerreichbarem Plätzchen zwei bis drei Zentimeter tief in der feuchten Erde liegt – beispielsweise unter Pflanzen.“ Denn bevor der Kern keimt, brauch er einige Tage Kälte. Im Sommer dann erwartete seine bescheidene Krone Sonne. „Das Pfirsichbäumchen ist eher ein großer Strauch, der wegen seiner geringen Größe gut in jeden Vor- und Kleingarten passt. Zurückschneiden unterstützt seine Fruchtbarkeit“, weiß die aus Luxemburg stammende Kunstpädagogin.

Die Idee zu dieser Aktion kam den Schülern während des Kunstunterrichtes, in dem die Vermüllung der Welt ein großes Thema war. „Obwohl Plastik erst seit 1950 industriell gefertigt wird, überschwemmt es definitiv den Globus“, sagt Marie-Paule Neu. Ein paar im Unterricht gefertigte Recycling-Skulpturen dienten den Schülern als Reflektion. Und so fanden die Jugendlichen heraus, dass Abfall nicht gleich Abfall ist. „Das lebendige regenerative Konzert der Natur ist unschlagbar“, schwärmt die Kunsterzieherin. „Jede Frucht liefert Samen, daraus entstehen neue Pflanzen und Früchte. Ein unendlicher Lebenszyklus ohne Abfall.“

Wie nützlich ein Pfirsich-Strauch für den Umweltschutz sein kann, haben die Schüler in den Kunstkursen herausgearbeitet. Er blüht nicht nur wunderbar rosa, sondern lockt Bienen und Insekten an. „Wenn dann die grünen Blätter Kohlenstoffdioxid für uns in Sauerstoff umwandeln, atmen wir auf – Bäume sind Klimaschützer“, schwärmt Marie-Paule Neu. Weiterer Vorteil: Im Sommer kann ein Bäumchen bis zu 20 Kilo Obst tragen. Faulende Früchte, Laub und Holz liefern Humus sowie Nahrung für Insekten – unter der Zyklus beginnt von vorne.

Das Umweltprojekt ist nach Überzeugung des Duden-Gymnasiums Prozesskunst im Sinne des Erweiterten Kunstbegriffes von Joseph Beuys, also Soziale Plastik. „Es ist“, so formuliert es Marie-Paule Neu, „zuerst Konzeptkunst, dann eine Installation auf dem Großen Markt und eine Aktion oder Performance der Schüler, die auf eine Partizipation des Publikums hinausläuft.“ Die Jugendlichen würden lernen, zu kommunizieren, zu reflektieren und zu handeln. „In kleinen Kunstwerken haben wir die vielen nützlichen Aspekte des Pfirsichs aufgearbeitet. Diese können die Besucher zusätzlich zu ihrem Kern mitnehmen als Stütze für den Keimling oder als Erinnerung.“

Wer die Aktion mit einer kleinen Spende unterstützen möchte, kann das am Samstag tun. Das Geld fließt dann in die Kunstkasse der Schule, um künftige Projekte finanzieren zu können.


Quelle: RP

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