Gut organisierte Rückkehr zum Unterricht

RP; 23.04.2020


Wesel. Der erste Schultag in der Corona-Krise nach sechs Wochen ist in Wesel ohne nennenswerte Probleme abgelaufen. „Die Stimmung ist überall gut, die Organisation seitens der Schulen hat prima funktioniert“, sagt Schuldezernent Rainer Benien.

Auch wenn natürlich niemand weiß, ob es wirklich richtig ist, Schulen in Zeiten der Corona-Pandemie teilweise wieder zu öffnen, so ist der erste Tag an den weiterführenden Schulen in Wesel problemlos über die Bühne gegangen. Das jedenfalls hat Wesels Schuldezernent Rainer Benien auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. „Die Stimmung ist überall gut, die Organisation seitens der Schulen hat prima funktioniert. Die Schüler sind sehr diszipliniert und halten sich an die Regeln“, betont der Beigeordnete.

Schüler und Lehrer waren gleichermaßen froh, sich nach knapp sechswöchiger Pause, in der sie über digitale Plattformen wie Schulclouds, Lernapps und Videoseminare Konakt gehalten hatten, wiederzusehen. Nur zu gerne hätten sich vor allem die Mädchen zur Begrüßung in die Arme genommen. Doch dass das nicht ging, war allen klar.

Desinfektionsmittel in den Fluren und Schulfoyers, Flüssigseife in den Toiletten, Absperrmarkierungen auf den Böden und zahlreiche Hinweiszettel, wie man sich in Zeiten von Corna richtig verhält: Die Schulen haben sich in Zusammenarbeit mit der Stadt als Schullträger vorbildlich auf die eingeschränkte Wiederaufnahme des Unterrichts eingestellt. Das hat unsere Redaktion beim Besuch mehrerer Schulen festgestellt.

Für Dorotheé Brauner war der 23. April ein ganz besonders schöner Tag. Seit der zweiten März-Woche hat die Leiterin des Andreas-Vesalius-Gymnasiums ihre Schüler nicht mehr gesehen. Nun aber haben sich um kurz vor 8 Uhr 56 Abiturienten auf dem Schulhof versammelt, um wenige Minuten später in Kleingruppen in die Schule zu gehen. Die andere knapp 40 werden ab kurz vor 11 Uhr begrüßt.

„Es ist ein guter Tag für uns alle. Ich hoffe, dass ihr eure Fragen zu den Lerninhalten für eure Abiprüfungen mit euren Lehrern von Angesicht zu Angesicht klären könnt.“ Einen Mundschutz trägt sie nicht. Den, den ihr die Schwiegermutter genäht hat, ist viel zu groß. Der von Sebastian Hense, ihrem Stellvertreter, passt hingegen. Als er das Wort an die Schüler richtet, um ihnen die wichtigsten Verhaltensmaßnahmen zu vermitteln, nimmt er ihn ab. So ist er besser zu verstehen. Natürlich hält er ausreichend Abstand – so wie alle auf dem Schulhof. „Am Montag ist Mundschutz allerdings Pflicht“, sagt Brauner. Vor allem auf den Gängen, wenn man sich bewegt, sei der Mundschutz nötig.

Alles ist im AVG bestens vorbereitet. Die Schüler gehen in ausreichendem Abstand ins das Gebäude, desinfizieren ihre Hände (Hense: „Nur mit dem Ellbogen den Hebel runterdrücken“) und begeben sich dann in die Klassen. Dort sitzen nur zehn, zwölf Schüler. „Ich freue mich riesig, euch zu sehen“, sagt Chemielehrer Norbert Platte. „Ich möchte mit euch die Fragen durchgehen, die ihr mir zugeschickt habt.“ Ein Stück Unterrichtsalltag ist zurück im AVG. Auch wenn alle wissen, dass es eine Ansteckungsgefahr nicht ausgeschlossen werden kann.

Zur gleichen Zeit im Konrad-Duden-Gymnasium spricht Schulleiterin Karen Schneider im Kooperations-Leistungskurs Deutsch über literarische Frauenfiguren, die die Schüler in den vergangenen Jahren im Unterricht kennengelernt haben. „Wir vertiefen hier den Stoff fürs Abi“, sagt sie. Nach gut zwei Stunden gibt’s eine große Pause. Die 23 Jugendlichen und jungen Erwachsenen – 18 KDGler und fünf AVGler – stehen oder sitzen beieinander und haben sich viel zu erzählen. „Man hat sich ja fast fünfeinhalb Wochen lang nicht gesehen – nur digital getroffen. Ich fand es süß, dass einige sogar Ostergeschenke ausgetauscht haben“, sagt Schneider. Mundschutzmasken hat niemand mehr auf. „Als die gesehen haben, wie viel Platz hier in der Mensa ist und dass jeder an einem eigenen Tisch sitzt, haben sie sie abgenommen.“ Die Schulleiterin übrigens auch. Wie man sich richtig verhält, das hat die Schule den Eltern und Schülern am Abend vorher schriftlich und in Form eines Videos mitgeteilt. Schneider: „Da ging es um Verhaltensregeln im Gebäude: Im Video haben Lehrer Schüler gespielt.“

Nicht nur die Abiturienten, die im Mai ihre Abschlussprüfungen schreiben werden, sondern auch die Zehntklässler hat die Gesamtschule am Lauerhaas am Donnerstag willkommen geheißen. Das siebenköpfe Leitungsteam um Schulleiter Dirk Timmermann steht am Morgen Spalier – natürlich in gehörigem Abstand. Danach beginnt nicht sofort der Unterricht, sondern ein Projekt. Die Verhaltensregeln haben alles schon per Mail erhalten. „Wir haben zunächst die zurückliegende Zeit pädagogisch aufgearbeitet und die Schüler gefragt, wie das häusliche Lernen war, welchen Einfluss Corona auf die Familien hatten. Der zweite Teil des Tages war dann Unterricht“, sagt Timmermann. Die 140 Zehntklässler, die in Mathe, Deutsch und Englisch geprüft werden, werden in kleineren Lerngruppen unterrichtet. „Fachlehrer und Co-Lehrer, die den Unterricht gemeinsam vorbereitet haben, unterrichten jeweils eine halbe Klasse“, so Timmermann. Ihm sei wichtig, dass alle Kinder die Chance bekommen, sich in allen Fächern zu verbessern und eine Rückmeldung zum Homeschooling bekommen.


Quelle: RP

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