„Planen im Lockdown nur noch von Woche zu Woche“

RP; 11.01.2021
Wesel. Karen Schneider, seit 2016 Schulleiterin des Weseler Konrad-Duden-Gymnasiums, spricht über die Auswirkungen von Corona für ihre Schule. Am Montag, 11. Januar, beginnt für alle Schüler der Distanzunterricht.


Lockdown-Verlängerung und Verschärfung der Corona-Maßnahmen bis zum 31. Januar betreffen vor allem auch die Schulen. Die bleiben nach dem Ferienende nun noch mindestens drei weitere Wochen geschlossen. So auch das Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel, das ab Montag, 11. Januar, ausschließlich Distanzunterricht anbieten kann. Schulleiterin Karen Schneider sieht das KDG in dieser Hinsicht aber gut vorbereitet.

Frau Schneider, Distanzunterricht bis mindestens zum 31. Januar, das kommt nicht wirklich überraschend, oder?


INFO
KDG nutzt Microsoft Teams

Online-Unterricht: Das Konrad-Duden-Gymnasium setzt auf die von Microsoft entwickelte Plattform „Teams“. Dieser Dienst wurde im März 2017 weltweit gestartet. Dort findet über „Meetings“, eins von vielen Features der Plattform, auch der Online-Unterricht statt.


Schneider: Auf keinen Fall. Als der verschärfte Lockdown beschlossen wurde, mussten wir damit rechnen, dass dies auch die Schulen betrifft. Darauf sind wir aber auch eingestellt, können von einem auf den anderen Tag von Präsenz- auf Digitalunterricht umstellen.

Ist dies aus Ihrer Sicht denn auch die richtige Maßnahme?

Schneider: Absolut. Schon aus gesundheitlichen Gründen ist das die richtige Entscheidung. Schon als wir uns in der Woche vor den Weihnachtsferien dazu entschieden haben, den Schulbetrieb digital stattfinden zu lassen, hatten wir nahezu die komplette Elternschaft hinter uns. Das war auch schon beim Elternsprechtag so, den wir ja ebenfalls digital abgehalten haben. In der aktuellen Situation sind diese Maßnahmen einfach notwendig.

Zahlt es sich jetzt aus, dass das KDG schon ab dem ersten Lockdown im Frühjahr intensiv daran gearbeitet hat, Alternativen zum Präsenzunterricht anzubieten?

Schneider: So ist es. Mit der Plattform Teams setzen wir da ein erprobtes und funktionierendes Tool ein, das zudem noch ständig verbessert wird. Die Arbeit hiermit klappt aber auch nur deshalb so gut, weil das Engagement unserer Lehrer sehr groß ist. Man darf nicht vergessen, dass sämtliche Kollegen den Unterricht vom eigenen Zuhause aus mit ihren privaten Geräten bestreiten. Hinzu kommt, dass wir über Lehrer verfügen, die im Bereich des digitalen Unterrichts besonders fit sind und die uns in Workshops geschult haben, so dass wir auch außerhalb des Präsenzunterrichtes hochwertigen Unterricht anbieten können. Insgesamt lässt sich sagen, dass wir wirklich gut aufgestellt sind.

Worauf dürfen sich ihre Schüler, bezogen auf den Unterrichtsumfang, ab Montag einstellen?

Schneider: Für die fünften und sechsten Klassen finden täglich verkürzte Stunden statt, was wir schon aus konditionellen Gründen für erforderlich halten. Ab der siebten Klasse gibt es den voll umfänglichen Unterricht, wie er auf dem Stundenplan ausgewiesen ist.

Der Digitalunterricht, da gibt es wohl kaum zwei Meinungen, kann den Präsenzunterricht nicht gleichwertig ersetzen. Wie sehr leiden die schulischen Leistungen, wenn Unterricht über einen längeren Zeitraum nur auf Distanz stattfindet?

Schneider: Natürlich gibt es thematische und inhaltliche Verluste. Beim Wechselunterricht, wenn sich ein Teil der Kinder in der Schule und der andere Zuhause befindet, wäre der Qualitätsverlust noch höher. Und es gibt noch weitere Faktoren, von denen dies abhängig ist.

Welche?

Schneider: Es hängt vom einzelnen Lerntyp ab, aber auch von den Lehrern und wie sie sich beim digitalen Unterricht aufstellen. Es gibt da viele Möglichkeiten, die man nutzen kann. Und nicht zuletzt hängt es auch vom Fach ab. Naturwissenschaften, so unsere Erfahrung, lassen sich da etwas einfacher unterrichten als andere Fächer. Inwieweit sich die Leistungen der Schüler verändert haben, das werden wir wohl aber erst mit ein wenig Abstand beantworten können.

Vor allem seitens der Opposition der Landesregierung gibt es immer wieder Anregungen, wie das Schulministerium auf die Corona-Krise reagieren müsste. Das geht vom Verzicht der Halbjahreszeugnisse bis hin zur Senkung der Anforderungen für das Abitur. Was halten Sie davon?

Schneider: Man kann sicher über alles diskutieren. Ich denke, dass ein Halbjahreszeugnis trotz der Einschränkungen durchaus aussagekräftig ist. Und nach heutigem Stand halte ich es auch für möglich, das Abitur normal durchzuführen. Gleichwohl muss man sagen, dass es für die Abiturienten des vergangenen Jahres zwar nicht einfach war und sie auf einiges verzichten mussten, doch die eigentlich Leidtragenden sind die aktuellen Abiturienten.

Es ist zwar sicher ein Blick in die Glaskugel, aber glauben Sie daran, dass es ab dem 1. Februar wieder mit Präsenzunterricht weitergeht?

Schneider: Das wäre natürlich schön. Aber letztlich wird das von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängen. Wir hoffen zumindest darauf, dass die Politik ihr Versprechen, bei Lockerungen zuerst die Schulen zu berücksichtigen, hält. Ich muss allerdings zugeben, dass ich derzeit nicht an einen normalen Schulbetrieb ab dem 1. Februar glaube. Ich habe aber auch mittlerweile gelernt, nur von Woche zu Woche zu denken und zu planen.

Sie sind seit 2016 Schulleiterin am Konrad-Duden-Gymnasium. Ist die Corona-Krise mit all ihren Folgen die bisher größte Herausforderung Ihrer Amtszeit?

Schneider: In dieser Dimension ist das sicher so. Ich denke da an den immensen Zeitaufwand, wenn wir einen positiven Corona-Fall hatten, was ja einige Male vorkam. Das reichte von der Kontaktnachverfolgung über Testungen in der Schule bis hin zum ständigen Austausch mit dem Gesundheitsamt. Auf der anderen Seite hat sich die Schule digital enorm weiterentwickelt. Die Arbeit ist vielfältiger geworden. Es ist eine Menge Kommunikation erforderlich, aber ich denke, ich komme gut damit zurecht.



Quelle: RP

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