Zum Einkaufen und Feiern zieht's Jugendliche raus aus Wesel

NRZ, 04.02.2020


WESEL. Viele Weseler Schüler sind unzufrieden mit den Freizeitangeboten in ihrer Stadt. Ihr großer Wunsch: Eine Disco und mehr Einkaufsmöglichkeiten.

I Sommer am Auesee chillen, im Winter privat bei Freunden treffen – auf diese einfache Formel lässt sich der Jahresplaner für junge Leute bis 18 in Wesel bringen. Das halten Matthias, Samuel, Lennart, Charlotte, Ann-Kathrin, Caroline, Malte und Hendrik, allesamt Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums, wohl wie viele andere Jugendliche in Wesel.

Ähnlich sieht’s bei der Antwort nach der Frage aus, was sie am meisten vermissen. „Einen Club, eine Disco – das wäre unser großer Wunsch“, sagt Samuel Tilahun. „Vielleicht auch zwei….“, grinst Lennart Bergkemper. Zum Feiern geht’s für die 16 bis 18-Jährigen deshalb eher ins Umland – Favorit ist die Promenade am Centro in Oberhausen.

„Für die Erwachsenen gibt es in Wesel einfach viel mehr Möglichkeiten“, findet Malte Philippen. „Wer über 18 ist, für den wird’s leichter“, bestätigt Caroline Friedrich, „für die unter 18-Jährigen gibt es nicht viel. Und im Winter wird es richtig schwierig.“

Centro ist die Einkaufs-Alternative

Da könne auch die Innenstadt nicht punkten. „In der City gibt es fast nichts für uns“, findet Hendrik Boland, „weder Restaurants oder Cafés noch Einkaufsmöglichkeiten.“ Die Alternative heißt Centro. Lennart war am Montag noch da. „Wenn du was brauchst, findest du es dort.“ Was Matthias Bur allerdings etwas relativiert: „Wir sind da auch etwas verwöhnt vom Centro.“Weitere Alternativen bieten Bocholt und Moers. Doch zurück in die Heimat, zurück nach Wesel. Stichwort Kornmarkt. Zu Blühmi? „Nichts für uns“, glaubt Lennart. Dann vielleicht eher ins „Extrablatt“ oder zu „Burger Nerds“. Und in der Niederrheinhalle gibt’s auch nur ab und an Veranstaltungen für junge Leute wie den Abiball. Und das Jugendzentrum Karo? „Na ja, das ist eher etwas für die Jüngeren“, lautet der einhellige Tenor.

Busanbindung in Wesel nicht optimal

Das schnelle Abitur nach acht Jahren bedeutet gleichzeitig, dass so gut wie keiner schon den Führerschein hat. Hier kommt also der öffentliche Nahverkehr ins Spiel. Außen top, innen ziemlich mies: Die Verbindung ins Centro sei perfekt, während die Busanbindung in Wesel schlecht getaktet sei, finden die Jugendlichen. „Wären wir schon während der Schulzeit 18, wäre alles einfacher“, betont Charlotte Albrecht. „Als unter 18-Jähriger bist du ein bisschen gefangen hier in Wesel. Und musst hoffen, dass jemand bald 18 wird.“Sieht Ann-Kathrin Krämer, die im vergangenen Jahr ihr Abitur am KDG machte und ab Oktober Jura studieren möchte, ganz ähnlich. „Wenn man in eine größere Stadt wie Düsseldorf oder Köln fährt, kommt man sich vor wie ein Dorfkind. Da ist man plötzlich in einem anderen Leben.“

Treffpunkt Nummer 1 ist der Auesee

Doch ganz so schwarz malen wollen die Schüler die Situation dann doch nicht, es gibt positive Noten beispielsweise für das Sportangebot in der Stadt. „Das ist ganz gut“, sagt Caroline, „vor allem im Breitensportbereich.“ Die Schulstunden bis in den Nachmittag hinein wirken sich indes kaum aus auf die Freizeitgestaltung. „An sich ist noch genügend Zeit, wenn man Zeit haben will“, findet Ann-Kathrin.

Ihren Freizeit-Favoriten in Wesel haben die Schüler ohnehin längst gekürt: Treffpunkt Nummer 1 ist und bleibt der Auesee: Hier kann man Beachvolleyball spielen, Schwimmen, Tauchen oder mit Freunden einen schönen Tag verbringen. Den Abend dann in der Disco ausklingen zu lassen, wird aber wohl auch in den nächsten Jahren ein Wunschtraum bleiben…..


Quelle: NRZ

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