Amok nicht verharmlosen

Das Thema nie verharmlosen
Wer über Amokläufe scherzt, hat nichts verstanden.

NRZ vom 29.11.2007

Amoklauf - ein Wort, das Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen in Angst und Schrecken versetzt. Vielleicht hat nicht viel gefehlt und zwei Jugendliche hätten vor gut ei­ner Woche beinahe Amok zur Realität gemacht. Vielleicht aber auch nicht.
Fragen stellen sich viele: Kündigt man die Tat, die man plant, zuvor im Schülerver­zeichnis an? Sind Armbrüste und Softairwaffen tatsächlich tödliche Waffen? Und war der Selbstmord des 17-jährigen Schülers nötig?
Auf einmal melden sich tausende Experten zu Wort. Die einen sprechen von einem verhinderten Blutbad, die an­deren von einer aufgebauschten Sache. Vorwürfe werden gemacht, an Eltern, Lehrer, Killerspiele, Polizei und neue Medien. Auf einmal scheint jeder zu wissen, wer Schuld hat. Doch eines ist offensicht­lich: Wer es lustig findet, über geplante Amokläufe zu wit­zeln, selbst wenn er sie nicht plant, und wer Amokläufer, ganz gleich ob deutsche oder amerikanische, bewundert und feiert, der sollte nicht die anderen, sondern sich selbst verurteilen. Ein Amoklauf ist niemals harmlos, selbst wenn die Schüler tatsächlich „nur" Armbrüste hatten, Angst und Schrecken hätten sie allemal verbreiten können.

KIRA LATZKE in texter.wesel (at) nrz.de