Schulen kämpfen fürs Essen

Gestern Mittag: Karen Jahn teilt am KDG Essen aus. Eine richtige Mensa ist dringend nötig, sagen Eltern und Lehrer. rp-foto. ekkehart malz

Das Thema Mensa und die angeblich fehlenden Gelder bewegt Lehrer, Eltern und Politik: Harsche Kritik von AVG, KDG und FDP an Hovest-Vorschlägen. Schulpflegschaften greifen Kämmerin Klug an. Grüne wollen Sponsoring.

VON KLAUS NIKOLEI in RP vom 5.9.2007

WESEL Die Verunsicherung an den Schulen wächst, die Eltern sind sauer und wollen morgen in der Schulausschuss-Sitzung massiv Präsenz zeigen. Denn: die am Mon­tag ausgehandelte Mehrheit von CDU und SPD (RP berichtete) für zwei Mensen an den Gymnasien bröckelt. Die CDU will die Einrich­tungen bauen, die SPD lässt Alter­nativen nachrechnen, die Grünen wollen die Martini-Hauptschule einbeziehen, die FDP das AVG in den Ratskeller schicken (siehe Stimmen unten). Schräg im viel­stimmigen Chor kam zudem der Vorschlag von SPD-Fraktionschef Ludger Hovest an, wegen der feh­lenden Gelder im Stadtsäckel AVG-Schüler mittags zum Kornmarkt zu schicken oder vom Marien-Hospi­tal verköstigen zu lassen sowie in Nord eine Mensalösung für alle drei Duden-Schulen anzustreben.

Dies hat heftige Proteste bei Schulleitern und politischen Kon­trahenten ausgelöst. „Wie soll das gehen? Wir haben eine Aufsichts­pflicht und dürfen die Kinder der Klassen fünf und sechs nicht über die Straße lassen", so AVG-Schulleiter Jürgen Berner. Er wundert sich über Hovest, der im Januar schrift­lich mitgeteilt hatte, die Schule bei ihren Bemühungen um die Mensa zu unterstützten. Diesen Brief will er im Schulausschuss vorlesen.

Für Berner ist die Nutzung des verwaisten Ratskellers weiter eine Option. So könnten Kosten für den Umbau von zwei Klassenräumen zu einer Ausgabeküche - Dezernent Jung spricht von rund 150 000 Euro - eingespart werden. Dass das Men­sa-Problem   schnell   vom   Tisch muss, steht für den AVG-Rektor au­ßer Frage. „Spätestens im neuen Schuljahr werden unsere Sechstklässler ein Mal pro Woche acht Stunden haben. Dann sind wir zu einer einstündigen Mittagspause und warmem Essen verpflichtet."

KDG-Direktor in Rage

Auch Direktor Dr. Heinzgerd Schott (Duden-Gymnasium) setzt darauf, dass SPD und CDU den Mensa-Bau durchsetzen. Beide Parteien hatten Montag dafür plä­diert, Gelder aus der aufgestockten Schulpauschale dafür zu nutzen -gegen die Verwaltung. Auf diesen Punkt angesprochen, gerät der an­sonsten moderate KDG-Chef in Rage. „In der Vorlage zum Aus­schuss wird nicht über den Sach­stand informiert. Man nimmt den politischen Entscheidungsträgern die Möglichkeit zur Diskussion."

Auch er kann die Äußerungen von Hovest nicht verstehen. „Er spricht von Luxus-Lösungen, die wir angeblich wollen. Das stimmt nicht. Wir müssen im nächsten Schuljahr Zehn- bis Zwölfjährige gut betreuen. Da geht es um Ge­sundheit und Lernfähigkeit und nicht um Luxus." (Kommentar)

 INFO: Frage des Geldes

Entschieden über die Mensen wird morgen im Schulausschuss (Ratssaal, 16.30 Uhr). Die Frage ist, ob die Finanzierung aus der sogenannten Schulpau­schale erfolgt. Von Aufschub mangels Geld war bisher nie die Rede.

Werk der Kämmerin ?

WESEL (kwn) Die Elternvertreter der beiden Gymnasien, Andrea Stefanowski (KDG) und Burkhard Lan­ders (AVG), setzen bei der Lösung des Mensa-Problems auf die Schul­politiker von CDU und SPD. Der la­pidare Hinweis der Verwaltung auf fehlende Gelder empört sie. „Da­hinter kann eigentlich nur die Käm­merin stecken", mutmaßen beide. Denn während der Sitzung des „Runden Tisches Mensa", erinnert sich Andrea Stefanowski, habe De­zernent Wolfgang Jung („Wir lassen die Eltern nicht im Regen stehen") immer wieder betont, dass auch die Verwaltung die Mensen wolle. „Wenn der Fachbereich zu wenig Geld hat, dann muss umgeschich­tet werden", fordert Landers. „Wir müssen in die Zukunft unserer Kin­der investieren, sonst werden wir den Krieg, der da draußen geführt wird, nicht gewinnen."