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Wonnen des Abiturs

VON  JENS  VOSS in RP vom 21.04.2007

Den Gymnasiallehrern beschert das erste Zen­tralabitur in NRW ungeahnte Wonnen: Sie dürfen erleben, wie sich Kultusbürokraten öf­fentlich blamieren, die es bisher gewohnt waren, Leh­rer zu maßregeln, auch: zu schurigeln. Die Pannen sind nicht so dramatisch, dass man um das gute Ende für die Abiturienten fürchten muss. Sie sind aber auch nicht harmlos. Ein Gedicht falsch zu zitieren, weil man keine wissenschaftliche Ausgabe benutzt - das ist ein Fehler, den man jedem Erstsemester und je­dem Referendar um die Ohren hauen würde.

Es geht bei all dem nicht um Häme. Der Vorgang um die öffentliche Besichtigung der Abi-Pannen zeigt eindrucksvoll, dass im Zentralabitur nicht nur die Qualität von Lehrern und Schülern, sondern auch die Güte unserer Kultusbürokratie öffentlich auf dem Prüfstand steht. Das ist zugleich ein starkes Argument für das Zentralabitur. Das Ziel ist ja ein gu­tes: Es geht darum, Qualitätsstandards durchzuset­zen. Das wird für gute Lehrer kein Problem sein; schwache Lehrer, die im Schutze ihres Klassenraums machten, was sie wollten, werden sich daran gewöh­nen müssen, dass man ihnen genauer auf die Finger schaut. Nun wissen wir: Diese Logik gilt auch für gute und schlechte Kultusbürokraten.

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