Nun Englisch für Mongolen

- Das Duden-Gymnasium verliert zwei Pädagogen, die der Schule ihre Stempel aufgedrückt haben: Ute Pürschel zieht's jetzt nach Asien, Gert Haala freut sich aufs Reisen, „wenn andere in die Schule gehen müssen". rp-foto: ekkehart malz
Konrad-Duden-Gymnasium verabschiedete Oberstudienrätin Ute Pürschel (63) und Studiendirektor Gert Haala (64) in den Ruhestand. Beide haben große Reisepläne. Und: Ute Pürschel möchte an einer Uni in China unterrichten.
VON MARTHA AGETHEN in RP vom 1.2.2007
WESEL „Game over! Ein neuer Job, ein neues Glück, doch ich bin alt!" Zeilen aus dem Titelsong der letzten Kabarettaufführung im Literaturkurs der Stufe 12, noch begleitet von Oberstudienrätin Ute Pürschel (63), die am Dienstag zum letzten Mal am Weseler Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) vor ihre Schüler trat. Die Sache mit dem neuen Job stimmt, alt dagegen ist sie ganz bestimmt nicht. Ihre Energie, 28 Jahre lang Motor fürs Kreative im KDG, ist ungebrochen. Im Gegenteil, nun fängt das Abenteuer erst so richtig an! Wenn sie im Februar ihrer Tochter in Weimar bei der Geburt ihres vierten Kindes beigestanden hat (sie selbst hatte derer sechs), verlässt sie Europa, um in der Mongolei, unweit ihres Sohnes, die Bevölkerung in Englisch zu unterrichten. Später will sie sich dann an einer chinesischen Uni bewerben.
Dr. Schott im Notenbüchlein
Auch Studiendirektor Gert Haala (64) verlässt nun nach 38 Jahren die Schule. Viele Aktive und Ruheständler erschienen den beiden zu Ehren bei der Feierstunde am Dienstagabend. In Haalas Notenbüchlein steht noch der Primaner Heinzgerd Schott, heute Schulleiter; übrigens auch Schüler Jürgen Berner (AVG). Die Kollegen bescheinigen Haala Ausgeglichenheit und Geradlinigkeit. Der ehemalige Schulleiter Helmut Beckmann, der froh war, 1969 nach drei Jahren endlich wieder einen Bio-Lehrer zu bekommen, lobte den „straffen und anregenden Unterricht". Kristin (18) sagt's spontaner: „Ein unglaublich herzlicher Mensch; lockerer Unterricht mit flotten Sprüchen!" Mit offensichtlicher Vorfreude schmiedet Haala derzeit Reisepläne: „Endlich einmal verreisen, wenn andere in der Schule sind; Ski laufen können, wenn der Schnee schön ist." Nebenher plant er, die Fachwelt wie bisher mit literarischen Beiträgen zu bereichern. Schüler der Oberstufe hatten für Ute Pürschel Besonderes ausgetüftelt. In zahlreichen Bühnenszenen vergangener Jahre galt es Schillers „Räuber", Jarrys „König Ubu" oder Molieres „Der Geizige" zu erkennen. Dies gelang der Pensionärin ganz hervorragend. Ihr Lob für die Schüler: „Ihr habt supertoll gespielt!" Bühne war eben ihr Leben.
Nicht nur bei den literarischen Abenden „Lesebühne". Wer erinnert sich nicht gern ans Unterstufentheater mit vor Fantasie nur so blitzenden Inszenierungen wie „Der Zauberer von Oz" oder „Ronja Räubertochter". „Sie waren der Kick für unsere Kreativabteilung! Ich bin sicher: Ihr Ruhestand wird kein Ruhe-Stand!" so Dr. Schott. Zwei Schülerinnen standen abends noch vorm Lehrerzimmer. „Wir hatten Angst, Sie nicht mehr zu sehen", sagte Maike (14). Nina (15) betonte: „Sie hat sich immer unglaublich für uns eingesetzt!"
INFO: Altersteilzeit genutzt
Gert Haala, seit 1969 Lehrer für Bio und Mathe und renommierter Schulbuchautor, nutzte ebenso wie Deutsch-und Englischlehrerin Ute Pürschel die Freistellungsphase der Altersteilzeit.

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Ihn zieht's in den Schnee, sie in die Mongolei

- Blumiger Abschied für Ute Pürschel und Gert Haala. Schulleiter Heinzgerd Schott sagte den beiden Pädagogen „Auf Wiedersehen". (Foto: Johann Ridder)
ABSCHIED. Die beiden Pädagogen Ute Pürschel und Gert Haala sagen „Adieu, KDG".
WESEL. Von Lehrern erwartet man, dass sie vorbildlich sind. Manche sind es auch für ihre Kollegen. Zwei von ihnen haben jahrzehntelang am Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) in Wesel unterrichtet. Ute Pürschel und Gert Haala verabschiedeten sich während einer Feierstunde am Dienstagabend von ihrem Kollegium.
Mit „Artaban" fängt alles an
Lesebühne, Kabarett, Unterstufentheater - das sind einige der Angebote, die Ute Pürschel in 28 Jahren am KDG ins Leben gerufen hat. Generationen von Schülerinnen und Schülern bleibt weniger die Einschulung am KDG in Erinnerung als vielmehr die ersten zittrigen Gehversuche auf der Bühne. „Artaban" - an dem deutsch-englischen Theaterstück kommt kein Fünftklässler vorbei. „Das wird vorerst auch so bleiben", versicherte Schulleiter Heinzgerd Schott. „Das Stück ist Kult".
Ernst Gadow sprach anerkennende Worte, warum Ute Pürschel für das Lehrerkollegium am KDG Vorbild ist: „Sie korrigierte gerne Klausuren, weil sie sich immer wieder von der Kreativität und den Gedanken der Schüler überraschen lässt." Und: „Sie bewegte Dinge oder ließ sie ruhen. Am Ende kam schon etwas Gutes dabei heraus", sagte Gadow zum Abschied.
Ein gespieltes Theaterquiz für und mit der beliebten Lehrerin bestand sie mit Bravour. Sophokles' Antigone oder Brechts kaukasischer Kreidekreis: „Das hätte doch jeder erraten". Vielleicht lag es auch an den guten Darstellern der Jahrgangstufen 12 und 13, die dieses Medley aus neun klassischen Literaturwerken vorbereitet hatten.
Beide scheidenden Lehrer befinden sich nun in der passiven Phase der Altersteilzeit. Unruheständler wäre die passendere Bezeichnung für die beiden Vollblutlehrer. „Endlich mal in Urlaub fahren, wenn Schule ist", schwärmte Gert Haala: „Im Februar geht es in den Schnee". Als Fachleiter bildete er 32 Jahre lang Referendare aus. Schulleiter Schott hatte bei dem heute 64-Jährigen noch Biologie-Unterricht. Eigentlich wollte der Lehrer für Bio und Mathe gar nicht nach Wesel: „Mein Referendariat in Dinslaken fand ich so toll - da hätte ich bleiben wollen." Doch auch das Lehrerkollegium in Wesel beschrieb der Studiendirektor als angenehm homogen: „Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen." Bei seinem Beginn am damaligen „Staatlichen Jungengymnasium Wesel" im Sommer 1969 seien zehn Prozent der Lehrkräfte über siebzig gewesen. Eine Wiederkehr zum KDG mit 70 Jahren schloss Haala scherzeshalber nicht aus.
Weit weg geht es für Deutsch- und Englischlehrerin Pürschel: „Ich ziehe zu meinem Sohn in die innere Mongolei." Die 63-jährige Oberstudienrätin will auch in der Ferne die Kreide nicht fallen lassen. Sie möchte in Baotou, einer chinesischen Millionenstadt, der Bevölkerung Englischunterricht erteilen. „Später hoffe ich, dort an der Universität Deutsch unterrichten zu dürfen".
Gestern hielten die beiden Lehrer ihre letzte Schulstunde am KDG ab. „Ganz normal nach Plan" - davon gingen sie am Dienstagabend aus. Ob Studiendirektor Haala seine Ankündigung, dann noch Hausaufgaben zu verteilen, wahr gemacht hat? Schulleiter Schott würdigte ihn als „ausgeglichen, geradlinig und bei den Kollegen beliebt", (sts) NRZ vom 1.2.2007

