Elf fahren nach Berlin

Bild 1:Volle Konzentration, damit Berlin eine runde Sache wird.

Der Zirkus Butterfly am Konrad-Duden-Gymnasium probt für das Internationale Deutsche Turnfest in Berlin. Elf Schüler treten in einer Woche sechs Mal auf: Jonglage, Akrobatik und Sightseeing

WESEL. Rechts wirbeln rund zehn Keulen durch die Luft. Links ma­chen zwei junge Mädchen Hand­stand auf den Knien von zwei gro­ßen Jungen. Direkt davor kreuzen gelbe und rote Ringe das Blickfeld: Dominic (19) und Carolin (15) pro­ben für ihre Jonglage. Eigentlich fehlt nur noch ein Clown in der Turnhalle des Konrad-Duden-Gymnasiums, und die Vorstellung könnte beginnen. Doch der Zirkus Butterfly probt nicht für die Mane­ge, sondern für das Internationale Deutsche Turnfest in Berlin.

Schule unterstützt prima Idee

Elf der 30 Zirkus-Schüler fahren vom 14. bis 20. Mai zum Turnfest in die Hauptstadt. Die Idee dazu hatte Lyra Skusa. „Ich habe im Internet darüber gelesen und Herrn Schoch darauf angesprochen", so die 17-jährige Schülerin. Sportlehrer Klaus Schoch fand die Idee prima, stimmte sofort zu. Er kann seine Schüler allerdings nicht nach Berlin begleiten, schließlich findet in der Zeit ganz normaler Unterricht statt. „Ich finde es schön, dass die Schüler das selber in die Hand neh­men. Und dank der Kooperation mit dem Weseler TV steht der Fahrt nichts im Wege", sagt Schoch. Be­gleitet wird die Gruppe von Helga Oesterwind. Die 62-Jährige betreut seit Oktober die Zirkus-AG gemein­sam mit Lehrer Schoch.

In Berlin warten sechs verschie­dene Auftritte auf die Gymnasias­ten. „Natürlich machen wir haupt­sächlich Akrobatik, weil es ja schließlich ein Turnfest ist. Aber wir haben auch eine Ring- und eine Keulenjonglage im Gepäck", erzäh­len Lea Brüx und Lisa Mindthoff.

Stephan Oesterwind wird in der Hauptstadt die Jonglage-Nummern zeigen. „Ich bin aber auch bei den Akrobatik-Nummern dabei", fügt der 16-Jährige stolz schmun­zelnd hinzu.

Die Schüler werden während des Turnfestes in einer Schule unterge­bracht sein. „Wir schlafen mit 50 Leuten in einem Klassenraum. Aber das macht nichts, weil wir ja nur zum Schlafen da sind", sagt Corinna Peraglie, die gemeinsam mit ih­rem Bruder Jan (15) eine Partner­akrobatik eingeübt hat.

Viele neue Erfahrungen

Der erste Programmentwurf von Stephan Oesterwind zeigt die un­terschiedlichen Aktivitäten. Neben den Auftritten wollen die Schüler Workshops besuchen. „Aber wir müssen gucken, was vor Ort noch frei ist. Die Plätze sind begrenzt", so Lisa weiter. „Und sonst schauen wir uns einfach mal die Stadt an", freu­en sich die Schülerinnen. Dort wird bestimmt einiges los sein. Denn man erwartet zum Turnfest rund 100 000 Besucher. Neben Workshops gibt es auch Wettbewerbe in den unterschied­lichsten Sportarten. Die Schüler freuen sich jedenfalls alle auf die Woche voller neuer Erfahrungen. „Von der Schule her gab es kein Pro­blem. Direktor Schott unterstützt die Idee", sagt Lyra und fügt schnell hinzu, dass der Unterrichtsstoff na­türlich nachgeholt werden muss. „Ich bin stolz darauf, dass die Schüler den Pfiff haben, selber Nummern einzuüben und auch die anstehende Fahrt selbstständig in die Hand zu nehmen", sagt Pädago­ge Schoch mit Blick auf die Schüler, die schon wieder Keulen schleu­dern und akrobatische Pyramiden bauen.

 INFO

„Berlin bewegt uns". Das   Internationale   Deutsche Turnfest findet vom 14. bis 20. Mai in Berlin statt. Unter dem Mot­to „Berlin bewegt uns" werden zahlreiche Workshops, Aufführun­gen und Shows sowie verschiede­ne Wettbewerbe veranstaltet. Sportarten wie Trampolinsprin­gen, Faustball, Voltigieren oder Rhönrad fahren versprechen ein vielfältiges Programm. Es werden rund 100000 Turner aus mehr als 30 Ländern erwar­tet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.turnfest.de

VON ELLEN SCHLÜTTER in RP vom 09.05.2005