Die besondere Kreuzfahrt

Kreuz-Zeichen an der Rheinpromenade: Dort empfingen Gläubige aus Wesel gestern das Kreuz zum Weltjugendtag. Sie feierten einen Wortgottesdienst, ehe das Kreuz seine Schiffsreise rheinaufwärts fortsetzte.

„Gegen den Strom" ist das Kreuz zum Weltjugendtag per Schiff unterwegs. In Wesel machte es gestern Station und wurde von vielen Gläubigen begrüßt, darunter über 150 Schüler. Im Gottesdienst ging es um das Thema Brücken.

WESEL „Ich muss da hin." So wie Büderichs emeritierter Pfarrer Joseph Storm dachten gestern Morgen vie­le und versammelten sich am Weseler Steiger, um das Weltjugendtagskreuz in Empfang zu nehmen. Es kam mit der „Stadt Rees" über den Rhein aus Xanten, wo es am Tag zu­vor Station gemacht hatte. Das 3,80 Meter hohe und 31 Kilogramm schwere Holzkreuz wurde auf dem Deck des Passagierschiffs transpor­tiert - liegend. „Das muss aus Si­cherheitsgründen so sein", erklärte Kapitän Rainer van Laak.

Zwischen den zwei mächtigen Pfeilern der im Krieg zerstörten Ei­senbahnbrücke feierten die Weseler einen Gottesdienst. Vorbereitet hatten ihn Schüler des Andreas-Vesalius-Gymnasiums, das mit insge­samt 80 jungen Leuten vertreten war. Außerdem nahm die gesamte Stufe neun der Realschule Wesel-Mitte und rund 30 Schüler des Kon­rad-Duden-Gymnasiums teil. Un­ter die Jugend mischten sich „ältere Semester" in beträchtlicher Zahl.

Passend zum Ort des Geschehens ging es während eines Wortgottes­dienstes um das Thema Brücken. Schüler erzählten, wie in ihrem Le­ben Brücken zerbrachen durch den Tod geliebter Menschen, einen Streit oder die zerbrochene Ehe der Eltern. Dem standen positive Erfahrungen gegenüber: Musik als Brücke zum toten Vater und ein „Brückenbauboom" in der EU, aus­gelöst durch den Fall der Mauer.

Den richtigen Ton traf die erst kürzlich gegründete Band „Him­melfahrtskommando", in der Clau­dia Jaehner, Marc Heuken, Markus Zimmermann, Jendrik Böhmer und Christopher Nitsch spielen.

Die Kraft der Tapferkeit

Pastoralreferent Raphael Gün­ther sagte, keiner komme in seinem Leben an Kreuz und Leid vorbei. Da sei es gut, wenn man tapfer sein könne. Tapferkeit gebe die Kraft, zu ändern, was zu ändern ist. So könn­ten leidvolle Erfahrungen wie eine Brücke zu neuen Ufern sein. Kreisdechant Karl-Heinz Mengedodt beschrieb die Wege zu Gott und zu den Menschen als die wichtigsten Richtungen im Leben. „Im Herzen können sich diese Achsen kreu­zen", formulierte der Pfarrer.

Jugendliche sprachen Fürbitten und befestigten sie am Weltjugend­tagskreuz. Das wurde danach auf die „Stadt Rees" zurückgetragen, um seinen Weg den Rhein hinauf fortzusetzen. Weitere Stationen wa­ren gestern Götterswickerhamm, Orsoy und Duisburg-Homberg. Als das Schiff mit knapp 200 überwie­gend jugendlichen Passagieren (auf Antrag gab's schulfrei) ablegte, winkten die Weseler ihm nach. VON GERO HEIMING in RP vom 30.06.2005.

 Seit 1984 unterwegs

Der kürzlich verstorbene Papst Jo­hannes Paul II. hat das Weltju­gendtagskreuz 1984 auf die Reise geschickt. Seitdem war es in über 170 Ländern.

Seit einem Jahr ist es in Deutsch­land unterwegs. Am Wochenende macht es aus Anlass des 1200-jäh­rigen Bistumsjubiläums in Münster Halt. Letzte Station ist der Weltjugendtag, der vom 11. bis 15. August in Köln stattfindet. Den Empfang des Kreuzes in We­sel organisierte der BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Ju­gend) im Kreis Wesel.