Das Ende, das ein Anfang war

- „Das Ende, das ein Anfang war", lautet der Titel des Films, den sich die Schülerinnen und Schüler gestern zum Teil gemeinsam anschauten.
8. MAI 1945 / Vier Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums organisierten Gedenkfeier.
WESEL. „Wir tragen keine Schuld. Aber wir haben eine enorme Verantwortung." Mit diesem Satz brachte es Michael Vos auf den Punkt. Der Zehntklässler des Konrad-Duden-Gymnasiums hatte zusammen mit seinen Klassenkameraden Marc Patzwald, Lena Füting und Jasmin Gundlach gestern Vormittag eine Gedenkfeier zum Kriegsende vor 60 Jahren organisiert. Zusammen mit ihrem Deutschlehrer Peter Fobbe, der auch Geschichte unterrichtet, erarbeiteten die vier Jugendlichen eine Rede, die den Neunt- und Zehntklässlern der Schule das Thema Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg nahe bringen sollte.
„Es ist gar nicht so einfach, Jugendliche für ein Thema zu erwärmen, das für sie genauso weit weg ist wie die Kreuzzüge", sagte Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott. Umso glücklicher waren er und Peter Fobbe darüber, dass der Anstoß zu der Gedenkfeier in der Aula von den vier Schülern selbst gekommen war.
Vor einigen Wochen waren sie im Rahmen eines Schüleraustausches im amerikanischen Hagerstown und wurden dort sehr direkt mit den Vorurteilen konfrontiert, mit denen Deutsche auch 60 Jahre nach Ende des nationalsozialistischen Regimes noch immer zu kämpfen haben. „Wir waren in einer New Yorker U-Bahn unterwegs, als eine Amerikanerin mitbekam, dass wir uns auf Deutsch unterhielten", berichtete Lena Füting. „Sie beschimpfte uns auf Übelste und nannte uns Nazis." Dieses Erlebnis empörte und beschäftigte die Schüler so sehr, dass sie ihrem Lehrer Peter Fobbe davon berichteten und sich gemeinsam dazu entschlossen, ihrer Vergangenheit ins Auge zu sehen.
Da die Klasse gerade das Thema der politischen Rede im Deutschunterricht durchgenommen hatte, lag es für Lena, Marc, Jasmin und Michael nahe, ihren Mitschülern ihre persönlichen Gedanken und Ansichten zum Thema Nationalsozialismus und Schuld durch eine Rede mitzuteilen. Zuvor sahen sich die Schüler gestern Vormittag jedoch alle gemeinsam einen Teil des Films „Das Ende, das ein Anfang war" an.
In diesem Film berichten Zeitzeugen, wie sie das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebten und was das Datum 8. Mai 1945 für sie bedeutete. „Auch wenn wir nichts dafür können, was damals geschehen ist, müssen wir uns trotzdem auch heute noch damit auseinandersetzen und mit der Vergangenheit unseres Landes umzugehen lernen", lautete das Fazit der vier Schüler. Das Wichtigste ist in ihren Augen jedoch, dass die junge Generation von heute alles dafür tut, damit so ein radikales Regime nicht noch einmal an die Macht kommen kann. Den Zuschauern hat die Rede ihrer Mitschüler gefallen. „Es ist wichtig, sich dieses Thema immer wieder vor Augen zu führen", fand Simon Wittkowksi.
GABI SCHULTZE in NRZ vom 10.5.2005

