„Du willst den Wodka also gar nicht?“

- „Das Geschäft ist wichtiger als der Jugendschutz“: Diese Schlussfolgerung zogen Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums nach Alkohol-Testkäufen. Erfreulich: Sie seien überall freundlich behandelt worden. RP-Foto: Ekkehart Malz
Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums stellten bei Testkäufen fest: Jugendliche kommen leicht an Alkohol
Von GERD HEIMING
WESEL. Den Partyhit Alcopops, mit Rum, Wodka oder Whisky gemischte süße Limonaden, bekamen Elena und Yma in einem Weseler Getränkemarkt nicht., Die dürfe er erst an Kunden ab 18 weitergeben, so der Verkäufer. Doch sie könnten ja ein Bier / Cola-Mischgetränk nehmen, riet er den 13-jährigen Mädchen.
„Absolut erschreckend" findet Klaus Pünzeler, Lehrer am Konrad-Duden-Gymnasium, diese Art der „Kundenberatung". Aber sie passt ins Bild, das ein Experiment von KDG-Schülern ergab. Sie machten Testkäufe und stellten fest, dass es verblüffend einfach ist, am Jugendschutzgesetz vorbei Alkohol zu kaufen. „Die Schüler hätten genug Wodka und Alcopops kriegen können, um zehn und mehr Leute völlig betrunken zu machen", schimpft Pünzeler.
Soft-Sprit nicht beim Sprit
„Es wird einem ziemlich leicht gemacht", bestätigt Schülersprecher Fabian Imach. Er gehörte zu den volljährigen Schülern, die mit Lehrerin Gisela Wirges und Klaus Pünzeler die Testkäufer aus den Klassen sieben bis elf begleitete. Zwei Stunden waren neun Schüler an einem Tag rund um das Schulzentrum Nord unterwegs.
Ihr Fazit: In Getränkemärkten, bei Discountern und an Tankstellen kamen sie oft ohne große Probleme an alkoholische Getränke. In Lebensmittelgeschäften machten sie sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen. Sehr gut schnitt ein Kiosk ab. Dort kannte man das Jugendschutzgesetz (Bier ab 16, Alcopops und Spirituosen ab 18) und befolgte es konsequent. Das hieß auch: Ausweiskontrolle.
In einem Lebensmittelgeschäft hingegen fanden die Gymnasiasten die Alcopops nicht einmal da, wo sie hingehören: beim Alkohol. Ein Zwölfjähriger bekam anstandslos Bier, die Verkäuferin verzichtete auf eine Ausweiskontrolle. Von den Schülern darauf angesprochen, gelobte die Frau Besserung.
In einem Lebensmittel-Discounter machte ein 17-Jähriger einen Verkäufer darauf aufmerksam, dass er den Wodka gar nicht bekommen könne.
Gegenfrage: „Du willst den also gar nicht?" An einer Tankstelle bekamen 13- und 17-Jährige anstandslos Bier, Alcopops und Wodka, in einem Getränkemarkt wurden den Schülern Bier und Schnaps verweigert, weil sie sich nicht ausweisen konnten. Aber: zwei 16-Jährige erhielten Alcopops. An einer Tankstelle bekamen jüngere Schüler zu hören: Wenn wir euch keinen Alkohol verkaufen, schickt ihr doch sowieso eure älteren Freunde.
Das, räumten KDG-Schüler im RP-Gespräch ein, sei in der Tat üblich. Dennoch: Die „Projektmacher" appellieren mit Blick auf die „tollen Tage" an Geschäftsleute, den Jugendschutz zu beachten. Appellen an ihre Altersgenossen, keinen oder wenig Alkohol zu trinken, geben die Schüler wenig Aussicht auf Erfolg. Neugierde, Gruppenzwang und die Angst, als Außenseiter dazustehen, seien zu groß, sagten die Gymnasiasten.
Aus Rp vom 18.2.2004

