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Harte Nuss

Die Auflösung: Nur 42 von 170 Befragten erkannten „Fens-ter“ als falsche Trennung. Zwei Drittel wussten, dass „unerlässlich“ nicht mehr zulässig ist.

Harte Nuss: Fens-ter

Rechtschreibreform: 175 Jahre nach Konrad Dudens Geburt in Wesel feierten seine „Ahnen“ am KDG einen vollen Erfolg. Gut 170 Menschen machten beim Test mit. Nur 42 bissen sich am Fens-ter nicht die Zähne aus.

Von FRITZ SCHUBERT

WESEL. Begeistert zogen gut 20 Pennäler der Stufen 8 bis 12 gestern Morgen mit ihrem Chef Dr. Heinzgerd Schott am Konrad-Duden-Gymnasi-um Bilanz. Ihr Versuch, auf den Spuren des Namenspatrons und Rechtschreibpapstes zu wandeln, war ein voller Erfolg. Natürlich gab es am Samstag einige Leute, die schroff reagierten, schnell das Weite suchten oder den Test ergebnislos abbrachen. Aber gut 170 unterzogen sich in der Fußgängerzone gern der Übung. Manche sogar sehr gern. Die KDG-Schüler berichteten, dass sich in vielen Familien ein sportlicher Ehrgeiz entwickelt hatte, um die zehn im Text versteckten falschen (nach alter Regel richtigen) Schreibweisen zu entdecken. Einige hatten vorab schon intensiv gesucht, brachten das in der RP gezeigte Original korrigiert mit.

„Danke Wesel! Toll mitgemacht"

Auf 170 Bögen hätten 1700 gefundene Fehler das Optimum bedeutet. Schott kam nach der Auswertung auf 875 beziehungsweise 51,5 Prozent. „Gar nicht so schlecht", befand der Oberstudiendirektor. „Danke Wesel! Die Leute haben toll mitgemacht." Erstaunt hat ihn, dass gut zwei Drittel zum Beispiel „unerlässlich" und „dass" sowie „Betttuch" verinnerlicht haben. Nicht richtig verankert indes sei weiterhin der jeweilige Gebrauch von „das" und „dass". Schott sah seine These bestätigt, dass das Reförmchen nicht weit genug gegangen sei, man am besten aufs zweite s am „das" hätte verzichten sollen. In der Auswertung der als falsch erkannten, aber richtigen Schreibweisen fielen Unsicherheiten auf, ob es „feststellen" oder „fest stellen" heißen muss. Schott: „Hier wurden alte Unklarheiten durch neue ersetzt."

Die härteste Nuss war die Trennung „Fen-ster", die nur von einem Viertel der Befragten als falsch wahrgenommen wurde. Übrigens fanden nur etwa zehn Prüflinge alle zehn Fehler. Auch die ehemalige Grundschullehrerin eines nun fragenden Pennälers kam „nur" auf neun. Erste Anrufe von Ratsuchenden waren der Veröffentlichung des Testtextes in der vergangenen Woche auf dem Fuße gefolgt. Aus Büros zweier Weseler Betriebe kamen Hinweise, dass die Rechtschreibhilfen verschiedener PC-Programme eben auch nicht alles finden können. Und, dass ein „euch" im Brief von der Chefin keinesfalls akzeptiert würde. „Weil sie das unhöflicher findet als das große ,Euch'", schilderte Schott.

Das große Interesse an ihrer Aktion hat den KDG-Schülern viel Spaß gemacht. Gelernt haben sie offenbar nicht nur mehr über den Umgang mit Sprache, sondern auch etwas über den Umgang mit Menschen. Fragetechniken änderten sich nach Misserfolgen bei der Ansprache. Das abschreckende Wörtchen „Rechtschreibtest" brachten die Teams dann erst zum Schluss ins Spiel.

Richtiges für falsch gehalten

 

 

hinzusehen (getrennt) 

24

das (dass)

15

durchliest (getrennt oder ß)

12

feststellen (getrennt)

10

gar nicht (zusammen)

9

 

 

 

 

  Aus RP vom 17..2.2004