Erinnerungen an die Schule: "Haus Eder war eine sehr schöne Zeit"
WESEL. "Geschichte durch Geschichten" erzählen RP-Leser immer wieder gern. So gab es bereits umfassend Resonanz auf das Klassenfoto aus der ersten Folge des RP-Sommer-Bilderrätsels 2003 vom Mittwoch. Ein heute in Datteln lebender Weseler, der ungenannt bleiben wollte, Elisabeth Eberhardt (geborene Schnickers), Margret Kötter und Hanne Henrichs schafften es, beinahe alle Namen der jungen Leute zusammenzutragen und was über die Schule(n) in Haus Eder zu sagen.
Zwillinge nicht zu unterscheiden
Der Dattlener Anrufer tippte die Entstehungszeit auf "frühestens 1948, auf jeden Fall nach der Währungsreform". Wegen der Kleidung und wegen des Grüns. Denn unmittelbar nach dem Krieg habe die Jugend wesentlich "abgerissener ausgesehen" und der Umzug ins wieder aufgebaute Gymnasium am Herzogenring (heute Amtsgericht) habe erst 1950 stattgefunden. Dort habe es drumherum auch kein Grün gegeben, nur Schutt. Er selbst war "eine Klasse höher". Elisabeth Eberhardt war in der Parallel-Klasse, die im Gegensatz zur gezeigten gemischten und einer Jungenklasse wie sie selbst sagt "ein reiner Weiberclub" war. Zur Erinnerung: Aus der Trümmerwüste Innenstadt waren beide Gymnasien nach Blumenkamp auf Haus Eder ausgelagert. Laut Eberhardt, die später mit einigen Schülern von dem Foto zusammen in einer Griechisch-Klasse war, müsse es sich um die Quarta von 1948 handeln.
Die RP-Leser entdeckten auf der historischen Aufnahme in der oberen Reihe Dieter Rehorn (4.V.I.), Fritz Uhrmeister, Helmut Scholten, Ernst-Otto Eberhardt, Doris Nübel (7. bis 9.V.I.), Lotte Velroyen (geborene Kirchmann, verwitwete Faßbender), den Lehrer Richter, Gerhard Oppenberg, Ernst Hoppmann (12. bis 15.) und ganz rechts einen der Will-Zwillinge. Martin oder Gotthold; der zweite Zwilling sitze jedenfalls unten links.
In der zweiten Reihe wurden von links Ursula Scholten, Sigrid Tepaß, Christel Kleinrensing (geborene Müller), "Helga Bohnekamp aus Drevenack, die noch als Schülerin bei einem Reitunfall ums Leben kam", Wilma Benning, Brigitte Schmit-Ottlhoff (geborene Dohmeier), Erika de Graef, Anneliese Hautermann, Hannelore van Ackern, Margret Torbitzki, Ingeborg Jansen und Inge.Jansen ausgemacht; Unten sitzen neben besagtem Will-Zwilling Fritz Rahr, Wolfgang Sicking, Dieter von Mallinckrodt, Hans Scholten und Wolfgang Kühn (von links) sowie Dieter Gerding (8.), "ein Höhnke" und ganz rechts Jürgen Leuw.
Hanne Henrichs, damals Sextanerin, berichtete zudem vom Unterrichts-Schichtbetrieb auf Haus Eder: "Viele unserer Lehrer hatten einen Ganztagsjob. Wenn unsere vollgummibereiften Fahrräder mal streikten, mussten wir von der Heresbachstraße zur Grünstraße laufen und von dort auf dem Gepäckträger des Kinderrades der Freundin mit nach Blumenkamp fahren. Oder aber halt laufen." Teurer Luxus als Schlechtwetter-Alternative und zudem oft verspätet sei der klapprige Schulbus gewesen, der an der Ecke Herzogenring / Fluthgrafstraße hielt. Und Henrichs erzählte von einem "nach Schülerart schamlos" ausgenutzten Privileg: "Wenn Inge Jansen aus der Schule kam, sagte sie öfter: Ihr müsst für Frau Grothkamp Mittagessen mitbringen." Die Englisch-Lehrerin wohnte bei Bauer Nissing an der Hamminkelner Landstraße. Der Hof lag am Schulweg. Zuspätkommen ließ sich bestens damit begründen, dass das Essen noch nicht fertig gewesen sei. Hanne Henrichs: "Haus Eder war eine sehr schöne Zeit".
Aus RP vom 26. Juli 2003. RP-Foto aus der Sammlung von Werner Abresch.


