Machtlos gegen Mangel

Unterrichtsausfälle: Schulen beklagen das Fehlen von Fachlehrern

Von KLAUS NIKOLEIWESEL. Im Idealfall sollen Oberstufenschüler drei Stunden Sport machen, regelmäßig in Kunst und Religion unterrichtet werden. Die Praxis sieht jedoch meist anders aus. Weil Fachlehrer fehlen, bleiben Nebenfächer oft auf der Strecke. Eltern machen in aller Regel die Schulen für den Unterrichtsausfall verantwortlich. Doch die sind machtlos.

Dr. Heinzgerd Schott vom Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) kennt das nur zu gut. Eltern beschweren sich, weil der Kunstunterricht ihrer Kinder ausfällt. Dem Kollegen Jürgen Berner vom Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG) geht's nicht besser. Weil die meisten Oberstufenschüler seiner Schule lediglich zwei statt drei Stunden Sport in der Woche bekommen, ruft das die Schulpflegschaft auf den Plan, die die Gründe kritisch hinterfragt. Doch die Probleme an den beiden Weseler Gymnasien sind keine Einzelfälle, eher der Normalfall. Überall im Lande fehlen für Sport, Kunst und Katholische Religion Fachlehrer. Hinzu kommen krankheitsbedingte Unterrichtsausfälle. "Keine Schule ist so ausgestattet, dass sie alle Fächer anbieten kann", behauptet Jürgen Berner. Kollege Dr. Heinzgerd Schott kann ihm da nur zustimmen. "Wir haben beispielsweise nur zwei Kunstlehrer. Das ist auch der Schulaufsicht bekannt und wurde mit dem Schulaufsichtsbeamten bereits diskutiert", sagt der Schulleiter. "Nur kann sich der Beamte einen Kunstlehrer natürlich auch nicht aus den Rippen schneiden." Weil Dr. Schott großen Wert darauf legt, dass alle schriftlichen Hauptfächer (Deutsch, Mathematik, Englisch) vollständig erteilt werden, musste zuletzt der Kunst- und der Katholische Religionsunterricht stark beschnitten werden.

Doch seit Ostern hat sich die Situation am KDG verbessert. Dr. Schott: "Die Lehrer der Abi-Klassen haben seitdem zusätzlichen Unterricht gegeben. Sozusagen eine Arbeitszeiterhöhung auf kaltem Weg." Gerade in Zeiten der großen Pisa-Diskussionen habe man sich bemüht, das zu tun, was schulintern möglich sei.

Was Dr. Schott Sorgen bereitet ist der Vorschlag des Finanzministeriums, Beamte in NRW künftig 41, also eine Stunde länger arbeiten zu lassen. Der KDG-Schulleiter, an dessen Schule 1,5 Stellen derzeit nicht besetzt sind, rechnet vor: "Wir haben 55 Stellen. Wenn jeder eine Stunde mehr unterrichten würde, wären das 55 Stunden. Dann hätten wir zwei Stellen .geschaffen, lägen also über der Lehrerbesetzung von 100 Prozent." Die Folge: Kein neuer Lehrer würde eingestellt, die Mangelfächer könnten auch weiterhin nicht unterrichtet werden. "Für den Außenstehenden und natürlich für die Masse der Eltern ist nur sehr schwer nachvollziehbar, wo die Probleme liegen", weiß Dr. Schott.

Mit einer Unterschriftenaktion während des AVG-Schulfestes am 27. Juli will die Schulpflegschaft die Bemühungen der Landeselternschaft NRW unterstützten. Die fordert unter anderem die "Beseitigung des fachspezifischen Lehrermangels" und eine "Sicherstellung des Bildungsauftrages durch eine ausreichende Lehrerversorguhg" - sprich: zusätzliche Stellen.

RP vom 28.Juni 2003