Ein einziges schrilles Spektakel
WESEL. "Das ist ja alles scheiße hier!", schreit Ernst Gadow in die Aula. "Elisa, Christian, wo bleibt ihr denn?", versucht er seine Hauptdarsteller für das Stück "König Ubu" auf die Bühne zu bekommen. So provokant beginnt das Stück von Alfred Jarry, dem die Theater-AG des Konrad-Duden-Gymnasiums während eines Probenwochenendes den nötigen Feinschliff für die Premiere am Donnerstag verlieh. "Wir wollten etwas auf die Bühne bringen, das ein einziges großes Spektakel ist", erklärt Gadow, der die Spielleitung hat, die Wahl des absurden Werkes. Seit Schuljahresbeginn haben sich die Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler mit der schwierigen Lektüre auseinandergesetzt. "Anfangs standen wir dem Stück skeptisch gegenüber, auch weil es so wenige Haupt- und viele kleine Rollen gibt", sagen Anja Schulte, Elisa Franz und Evelyn Hang. "Aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, und es macht einfach Spaß zu spielen", fügen die Abiturientinnen hinzu. Gewöhnungsbedürftig ist das fünfaktige Drama tatsächlich. Steht doch zu Beginn der französische Dragonerhauptmann am polnischen Hof, Vater Ubu alias Christian Wallis, in Badelatschen, Feinripp-Unterhemd und mit Kissen-Bauch auf der Bühne und ruft unzählige Male "Bei meiner grünen Rotze -Schr(!)eiße noch mal" zu Elisa Franz, die in pinken Radlerhosen, Netzstrümpfen, Lockenwicklern und weißen Highheels Mutter Ubu verkörpert. So projizieren die 26 Rollenträger das 1896 uraufgeführte Stück, das eigentlich "irgendwann und irgendwo" spielt, in eine modernere Zeit. Trotz der Verfremdung bleiben die Hauptaussagen "König Ubus" deutlich.
Die Krone ist von Burger-King
Gerade die Atmosphäre und das dargestellte Milieu unterstreichen nämlich die sarkastische Attacke auf das Bürgertum und die Farce über die Niedrigkeit menschlicher Instinkte. Denn aus dem Bürger Ubu wird ein von habsüchtiger Bestialität besessener Usurpator. Der allerdings - und so bleiben die Schauspieler ihrem Konzept treu - mit einer Burger-King-Krone gekrönt ist.
Witzige Details in den Kostümen sind die Plastiknoppen-Folien-Ritterrüstungen der auf Steckenpferden reitenden Kämpfer und Gewänder aus blauen Müllsäcken, in die sich das neue polnische Königspaar hüllt. Aufgelockert wird das zweieinhalbstündige Schauspiel auch von Lichteffekten und musikalischen Einlagen wie dem Pfahlgeist-Lied, das Steffi Grube (Mutter Ubu im vierten und fünften Akt), Evelyn Hang und Anja Schulte frei nach Edvard Griegs "In der Halle des Bergkönigs" singen. Begleitet werden sie dabei von einer dreiköpfigen Band.
Fast perfekt ist das Drama nach diesem Wochenende. Bis zu den drei Aufführungen am 18., 19. und 22. April jeweils um 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums, müssen nun nur noch winzige Details geprobt werden. Wie zum Beispiel, dass beim Sterben nicht gelacht werden darf.
Von Carolin Reintjes aus: NRZ vom 15.4.2002, Fotos: Markus Weißenfels


