Schuld sind die anderen oder selbst ist der Max

WESEL. Sphärische Klänge erfüllen die Aula des Konrad-Duden Gymnasiums. Ein blondgelockter Engel verteilt Popcorn unter den Zuschauern. Im Rahmen der Aktionswoche "Sucht hat immer eine Geschichte" führte die Kölner Theatergruppe "DaS" gestern ihr Stück "Wilder Panther, Keks!" vor Schülern der Duden-Hauptschule und des Gymnasiums aus den Stufen 9 und 10 auf. Erzählt wird die Geschichte des 16-jährigen Max Drögel. Seine Eltern verstehen ihn nicht. In der Schule ist er schlecht und Selbstbewusstsein hat er auch keins. Sein Ausweg aus der Krise: Zigaretten, Alkohol und Pillen. Als er, vollgepumpt mit Drogen, vor der Himmelstür steht und mit drei Engeln noch einmal sein ganzes Leben durchspielt, dämmert ihm, dass er noch eine letzte Chance bekommt. "Das Stücks dreht sich um Fragen, warum man sich von anderen abhängig macht und wer über den eigenen Lebensweg bestimmt", erklärt Haike Aumann, die den Engel Jaza spielt. Zusammen mit Marco Sprinz (Max), Karin Punitzer (Engel Lynneby) und Herbert Bruns (Engel Godwyn) fegt sie über die Bühne und zeigt Szenen eines Schüleralltags. Die kommen den Zuschauern bekannt vor. In mehreren Stationen kann man den Lebensweg des fünfjährigen Mäxchens zu Max Drögel dem Teenager nachvollziehen. Dabei stellt sich dem Zuschauer stets die Frage: Wie würde ich reagieren? Habe ich selbst die Entscheidung oder werde ich von meiner Umgebung beeinflusst? Im Laufe der Geschichte rutscht Max immer tiefer ab in eine Welt voller "Löcher", aus denen er nicht mehr herauskommt. Er raucht, trinkt, "schmeißt Pillen" und fängt an zu dealen. Besonders hart trifft ihn der Verlust seiner ersten Freundin Jessica, die aufgrund seines coolen Gehabes nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Auch in der Schule steht es nicht zum besten: Gnadenlos macht die Musiklehrerin sein Selbstbewusstsein nieder, und nach mehreren miesen Klassenarbeiten fälscht Max einen blauen Brief. Klar, dass seine Eltern Wind davon kriegen und ihm Vorwürfe machen. Von allen Seiten unverstanden und unter Druck gesetzt, verliert Max jegliche Perspektive. Ein Glück für ihn, dass die Engel mit Rat und Tat zur Seite stehen: Sie bringen ihm bei, dass auch er Talente und Fähigkeiten hat und seine Selbstzweifel überwinden kann. Es liegt nun an ihm, das Ruder herum zu reißen.

"Dichte Atmosphäre"

"Man merkte, dass die Atmosphäre heute sehr dicht war. Einige der Schüler haben richtig mitgefiebert", so Schauspielerin Aumann. KDG-Direktor Heinzgerd Schott war ebenfalls begeistert: "Die Zusammenarbeit mit Barbara Lübbehausen und Jörg Kons von der Suchtberatungsstelle hat prima funktioniert." Der tosende Applaus gab ihm und den vier Schauspielern Recht.

Von Grischa Nowak aus: RP vom 2. Juli 2002, RP-Foto Ekkehart Malz