Klar Schiff: KDG bricht auf

WESEL. Sauber, hell, frisch möbliert und mit der Welt verbunden präsentiert sich ein neuer Aufenthaltsraum im Konrad-Duden-Gymnasium: Mit vergleichsweise wenig Aufwand entstand aus ehemaliger Lehrerbibliothek und Sprachlabor ein Selbstlernzentrum. Mit ihm will das KDG einen Standortnachteil ausgleichen. In der Innenstadt beheimatete Schüler können die Stadtbücherei nutzen. Aber wer in der Feldmark eine Freistunde hatte, drehte in der Regel Däumchen. Bislang. Jetzt gibt es elf PC-Plätze an großen Tischen mit je drei Stühlen, was auch der Gruppenarbeit dient.

Homepage AG startet heute

Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott freut sich, dass Schulamt und Gebäuderservice das Vorhaben gefördert haben. Die Richtfunkstrecke zum Server der Uni Duisburg steht längst. Jetzt können die Schüler unmittelbar in den damit vernetzten Datenbanken und Katalogen stöbern, zu jedem Fachgebiet was finden. Matthias Bröcheler und Philipp Awater aus der 13 freuen sich noch aus anderem Grund. Sie gründen heute eine Homepage AG, deren Beitrag - inklusive Schülerzeitung - der bestehenden Adresse kdg-wesel.de zugefügt wird. Willkommen sind alle Altersstufen, besonders aber Elfer und Zwölfer, weil die angehenden Abiturienten ihr Werk weiterreichen wollen.

Apropos weiterreichen: Wie Dr. Schott berichtet, haben Schüler, Eltern und Lehrer ein neues Sauberkeitsziel verabredet. Jede Klasse will demnach am Ende eines Schuljahres dafür sorgen, dass der "Nachmieter" wieder einen ordentlichen Raum vorfindet. Wenn nötig auch mit Farbe und Pinsel. Jeder soll sich sein Arbeitsumfeld so gestalten wie er möchte, aber auch dafür verantwortlich fühlen. Vor den Klassentüren, auf den Fluren, ist Gemeinschaftsland. Besonders im Obergeschoss des KDG sieht es wüst aus. Erheblichen Anteil haben die dünnen Gipswände. Was beim Einzug vor 24 Jahren als Nonplusultra galt, hat sich untauglich erwiesen. Um eine Macke zu erzeugen, braucht es keiner bösen Absicht oder rangelnder Schüler. Es reicht, die Tische etwas unsanfter zu rangieren.

Nicht mehr zeitgemäß sind laut Dr. Schott zudem in den Fluren die individuellen, teils künstlerischen Hinterlassenschaften längst entschwundener Schüler-Generationen. Drum wünscht sich das KDG nach einer Auswahl der erhaltenswerten Bilder ein Konzept zur Gestaltung. "Dafür brauchen wir wohl die Hilfe der Stadt", sagte Schott.

Zum Tag der offenen Tür am Samstag, 16. November, wird sich das KDG noch nicht klar Schiff präsentieren. Eine langfristige Gemeinschaftsarbeit ist gefragt, zu der ein Sinneswandel vieler gehört. Schott: "Es geht auch um Einstellungen zu fremdem Eigentum. Eltern müssen mithelfen und Maßstäbe deutlicher machen."

Von Fritz Schubert aus RP vom 8.11.2002