Oft hilft schon das Händchenhalten

Wieder vorn: Schulsanitäter des Konrad-Duden-Gymnasiums gewannen den JRK-Landeswettbewerb

WESEL. Der Achtklässler hat sich überschätzt. Beim Abschwung vom Barren war er zu stürmisch und hat sich den Fuß verknackst. Der Knöchel wird dick. Für ihn ist der Sportunterricht gelaufen. Ein Fall für die Schulsanitäter vom Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) Wesel.

Glücklicherweise kommt das nicht jeden Tag vor. Aber drei- bis viermal in der Woche müssen die Sanis schon ran. Von kleinen Schürfwunden bis zu plötzlichen Schwächeanfällen reicht die Palette der Einsätze: Wo rund 1000 Menschen lernen und arbeiten, da passiert eben auch was. "Oft ist es mit Ausruhen, einem Pflaster und etwas Händchenhalten getan", sagt der Lehrer Franz Herloch, der die Sanitäts-AG zusammen mit seiner Kollegin Gisela Wirges leitet.

Der Raum der Sanitäter im KDG ist nicht gerade das, was man aus Serien wie "Emergency Room" kennt. Ein Tisch, ein paar Stühle, die obligatorische Liege und ein Schrank mit Verbandszeug. Die Mittel sind beschränkt, die Schule, die Stadt und das Land müssen sparen.

"Eleganter wäre ein Pieper"

Verborgen bleibt die erste Hilfe nicht. Die ganze Schule bekommt es mit, wenn was passiert ist. Die ehren-amtlichen Sanitäter werden per Lautsprecher zum Dienst gerufen. "Eleganter wäre ja ein Pieper, aber das können wir uns nicht leisten", sagt Herloch.

Der Mangel an Ausrüstung wird mit Freundlichkeit, Verständnis und Fachkunde wieder wett gemacht. Die Schüler wissen, wie es ist, wenn man da auf der Liege liegt. Ein paar nette Worte können viel helfen. Und wenn wirklich erste Hilfe geleistet werden muss, kennen sie sich aus. Nach dem 16-stündigen Sanitäts-Grundkurs haben viele beim Roten Kreuz eine freiwillige Weiterbildung gemacht.

Ins Leben gerufen hat die Gruppe seinerzeit Hans-Jörg Liman. Vor zwölf Jahren war er selber in der Oberstufe des KDG. Jetzt ist er beim Roten Kreuz und unterstützt die Schul-Sanis. "Erstaunlich viele ehemalige Schüler, die in der Gruppe mitgemacht haben, sind danach auch in den Beruf gegangen, haben Medizin studiert", erinnert sich Franz Herloch.

Pokale und Urkunden

Die Arbeit und die Kooperation mit dem Roten Kreuz zahlte sich schon wiederholt aus. Vor einer Woche gewann die Schulgruppe unter der Leitung von Anika Schulze (17) den ersten Preis in der Gesamtwertung beim Jugendrotkreuz-Landeswettbewerb in Bad-Münstereifel. Klar vor den Kollegen aus Krefeld und Goch. Erste Plätze hatte das Weseler Team in den Disziplinen "musisch-kulturell" und "sozial" belegt, den dritten in erster Hilfe. 15 Gruppen aus 13 DRK-Kreisverbänden hatten teilgenommen.

Die Pokale und Urkunden stehen jetzt in der Vitrine des Konrad-Duden-Gymnasiums Wesel.

Von Olaf Scholten aus RP vom Samstag, 6.10.2001