Ansturm aufs Gymnasium

- Trotz der Belastungen im Zusammenhang mit dem Abi nach zwölf Jahren stehen bei Eltern der Grundschüler die beiden Weseler Gymnasien (hinten Andreas Vesalius) weiter hoch im Kurs. Das belegen die Anmeldezahlen. rp-foto: koster
Schulzahlen mit Überraschungen: Trotz Turbo-Abi bleiben die Anmeldungen für August an AVG und KDG konstant hoch. Martini-Hauptschule: keine Anmeldung türkischer Migranten. Zur Duden-Hauptschule wollen nur 19 Kinder.
VON KLAUS NIKOLEI in RP vom 22.2.2008
WESEL Landesweit verlieren Gymnasien Schüler an die Gesamtschulen, in denen die Kinder nach wie vor erst nach 13 und nicht schon nach zwölf Jahren ihre Reifeprüfung ablegen. Gegen den Trend sind die Anmeldezahlen für das Andreas-Vesalius- und das Konrad-Duden-Gymnasium konstant geblieben. Eltern von 145 Grundschülern (2007:150) haben sich für das AVG entschieden. Im August wird das KDG 144 (2007: 143) neue Fünftklässler begrüßen. Beide Gymnasien bleiben damit fünfzügig und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Uns und dem AVG ist es offenbar gelungen, den Eltern deutlich zu zeigen, dass wir frühzeitig mit dem Ruf nach einer Mensa auf die Belastungen der Schüler durch G 8 reagieren", sagt <personname w:st="on">Dr. Heinzgerd Schott</personname>, Direktor des KDG. Übrigens: Von den angemeldeten Kindern verfügen lediglich 23 (AVG) beziehungsweise 24 (KDG) nur über eine eingeschränkte Empfehlung fürs Gymnasium.
Gesamtschule: Qualität gestiegen
Eine große Überraschung erlebte die Martini-Hauptschule zum Ende der Anmeldewoche. Unter den 24 Neuanmeldungen für den Ganztag gibt es erstmals seit vielen Jahren kein Kind mit türkischem Migrationshintergrund. „Das hat uns sehr verwundert. Wir müssen feststellen, dass sich alle türkischen Eltern aus unserem Einzugsgebiet wohl für die Gesamtschule entschieden haben", glaubt Schulleiter Georg Lössei. Verwunderung über diese Vermutung herrscht im Lauerhaas. „Bei uns sind diese Schüler jedenfalls nicht", erklärt Dirk Timmermann, stellvertretender Leiter der Gesamtschule. Lediglich zehn der 145 neuen Schüler (eine Absage) seien türkischer Herkunft.
Zwar hat sich die Zahl der Neuanmeldungen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 verringert, doch tut das der Gesamtschule nicht weh. Denn: „Die Qualität der Schüler war noch nie so gut. Fast die Hälfte unserer künftigen Fünftklässer hat eine Empfehlung für die Realschule", freut sich Timmermann. Und noch zwei Zahlen aus der Gesamtschule: Für die Oberstufe gibt es 35 externe und 40 interne Anmeldungen. 42 Elftklässer werden benötigt, um die Oberstufe erhalten zu können.
Weniger gehen zur Realschule
Zurück zu den Hauptschulen. Wie in Mitte, so herrscht auch im Schulzentrum Nord der Frust. In der Konrad-Duden-Hauptschule wurden gerade mal 19 Anmeldungen gezählt. Vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 36. „Wir gehen aber davon aus, dass in den nächsten Tagen weitere Anmeldungen kommen", sagt Fachbereichsleiterin Ila Brix-Leusmann im Schulverwaltungsamt.
INFO: Viele werden wechseln
Die Weseler Martini-Hauptschule geht davon, dass sie in den nächsten beiden Jahren wieder zahlreiche Realschüler aufnehmen wird. Die neue Klasse fünf werde in Klasse sieben so groß sein, dass sie geteilt werden muss, heißt es. Die Zahlen für die Realschulen: Zur Realschule Mitte wollen bislang 98 (Vorjahr 103) Kinder gehen, zur Konrad-Duden-Realschule 78 (Vorjahr 87).
KOMMENTAR: Imageschaden
Trotz permanent guter Arbeit laufen den Hauptschulen auch in Wesel die Kinder davon. Da hilft auch der Ganztagesbetrieb nichts, wie das Beispiel Martini-Hauptschule zeigt. Es ist schon sonderbar, warum hier kein türkisches Elternpaar sein Kind in der Innenstadt-Hauptschule angemeldet hat. Zumal an anderen Schulen kein signifikanter Anstieg zu erkennen ist. Hat etwa ein Großteil der Eltern den Anmeldetermin verpasst? Der Frage muss man nachgehen. KLAUS NIKOLEI in RP vom 22.2.2008
289 wollen aufs Gymnasium
NRZ vom 23.2.2008
SEKUNDARSTUFE. Trotz Turbo-Abi registrierten AVG und KDG viele Anmeldungen.
WESEL. Das sichere Ganztagsschul-Angebot, die Mittagessen-Versorgung, die Möglichkeit, alle Schulabschlüsse zu erreichen und die neue Angst vorm Turbo-Abi: Während dies landesweit gute Gründe für Eltern waren, ihr Kind an einer Gesamtschule anzumelden, ticken die Uhren in Wesel anders. Zwar hat auch die Gesamtschule Lauerhaas mit 145 Anmeldungen zehn mehr erhalten als im Vorjahr, aber Spitzenreiter in Eltern-und Schülergunst ist und bleibt das Gymnasium. So wird das Andreas-Vesalius-Gymnasium zum neuen Schuljahr 145 Fünftklässler aufnehmen (Vorjahr 146), das Konrad-Duden-Gymnasium begrüßt 144 Schüler (Vorjahr 143). Beide Schulen bleiben fünfzügig. Für die Oberstufe der Gesamtschule gibt es 35 externe und 40 interne Anmeldungen. 42 Schüler braucht die Schule, um die Oberstufe erhalten zu dürfen.
Rückläufig sind hingegen die Anmeldungen an den Hauptschulen. Zählte die Martini-Schule 2007 noch 41 Fünftklässler, sind es bislang nur 23 Schüler. An der Konrad-Duden-Hauptschule beginnen nach derzeitigem Stand nur 19 Schüler, im Vorjahr waren es 40. Beide Hauptschulen wären damit einzügig, die Erfahrungswerte zeigten jedoch, dass die Zahlen noch zunehmen würden, erklärte Fachbereichsleiter Hans Zache im Schul- und Sportausschuss. Stabil sind auch die Zahlen an den Realschulen. Mitte nimmt 98 Schüler auf (Vorjahr 103), die Konrad-Duden-Realschule 79 Fünftklässler (87 im Vorjahr).
Mehr Räume am KDG benötigt
Erneuten Einspruch legte KDG-Direktor Heinzgerd Schott gegen die im Schulentwicklungsplan festgeschriebenen Zahlen ein, der seiner Schule 110 Anmeldungen prognostizierte. Dass die Zahl der Anmeldungen in diesem Jahr so hoch sei, wirke sich auch auf den Raumbedarf der Schule aus, die bereits in Klassencontainern unterrichtet werden. „Wenn Raumbedarf da ist, muss man auch als Schulzentrum denken", kommentierte der Ausschluss-Vorsitzende Ulrich Richartz dies. Dies könnte bedeuten, dass das KDG etwa auch Räume der Hauptschule nutzen würde, um alle Klassen unterbringen zu können. (mawo)
Braucht Raum für 144 neue Fünftklässler: das KDG. (Foto: Markus Weißen fels)

