Ausgefranste Stäbe als Pinsel

- Manuela Reske stellt ihre Akte zurzeit in der KDG-Aula aus. rp-foto: malz
WESEL Die Aula des Konrad-Duden-Gymnasiums (KDG) wechselt immer wieder ihren Wandschmuck: Künstlern wird die Möglichkeit geboten, ihre Werke auszustellen. Die Vernissage der aktuellen Ausstellung fand am Freitagabend statt. Jetzt zieren verschiedene Aktmalereien von Manuela Reske aus Flüren die Aulawände. Zu provokant für eine Schule? Nein, findet Rektor Dr. Heinzgerd Schott. „Die Schule gibt sich ja auch offen, warum also nicht einmal einen Akt?" Zugegeben, im ersten Augenblick habe er gezweifelt. Doch: „Ein Akt strahlt immer eine gewisse Erotik aus, die jedoch vom plumpen, flachen Niveau weit entfernt ist."
„Nackt und Akt" ein Unterschied
Dieser Unterschied zwischen „Nackt und Akt" solle den Schülern an Reskes Werken verdeutlicht werden. Als „eine Mischung aus Abstraktion und Realismus" bezeichnet die 40-Jährige ihre Werke. Die meisten skizzenartigen Bilder der Künstlerin sind in schwarz-weiß gehalten, so dass die einzelnen Arbeiten in Rot, Orange oder Ocker einen starken Kontrast bilden. Mit wenigen Pinselzügen bringt Reske es fertig, menschliche Körper auf Papier zu bannen. Sie legt ihren Schwerpunkt dabei auf die Konturen des Körpers.
Die Leichtigkeit ihrer Werke wird sicherlich auch durch das unkonventionelle Werkzeug geschaffen: Reske benutzt hauptsächlich Bambusstäbe. „Pinsel waren mir zu weich. Die Bambusstäbe stutze ich mir zurecht, die Enden sind ausgefranst und man kann die Farbe nicht exakt verteilen, doch genau das ist das spannende an der Sache." Inge Eich-Bückmann, Kunstlehrerin am KDG, lobte Reskes Werke: „Sie kann wirklich etwas. Besonders gut stellt sie Spannungen in verschiedenen Körperhaltungen her." Durch den niederrheinischen Künstler Kuno Lange ist Reske zur Aktmalerei gekommen. Sie fing mit realistischen Darstellungen an und fand dann ihren eigenen Stil.
INFO: Als Kind schon gemalt
Manuela Reske malt seit ihrer Kindheit. Eigentlich wollte sie ihre Fähigkeiten auch im Beruf anwenden, doch dann ist sie Versicherungskauffrau geworden.
VON MICHAELA BASTIAN in RP vom 16.1.2007
Faszination Mensch

- Manuela Reske mit einem ihrer Aktbilder. (Foto: Markus Joosten)
VERNISSAGE. Manuela H. Reske liebt es, Aktbilder zu malen. 40 Werke hängen in der Aula des Konrad-Duden-Gymnasiums.
WESEL. Die „beiden Felixe", Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums (KDG), stimmten am Freitagabend musikalisch auf eine ungewöhnliche Ausstellung in der KDG-Aula ein: Die Flürener Künstlerin Manuela H. Reske (40) zeigt dort etwa 40 Aktbilder.
Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott berichtete bei seiner Begrüßung des überwiegend aus Schülern, Eltern und Lehrern bestehenden Publikums, die Förderkreis-Vorsitzende Antje Imach habe zuerst vorsichtig angefragt, ob eine Akt-Ausstellung in der KDG-Aula überhaupt denkbar sei. Schott gab zu, auch einen Moment darüber nachgedacht zu haben. „Eine solche Vielzahl von Aktbildern haben wir hier bisher noch nicht gehabt. In der Aula werden normalerweise Klausuren geschrieben. Ich empfehle den Schülerinnen und Schülern dann oft, sich von den sie umgebenden Bildern für ihre Arbeit inspirieren zu lassen."
Die Entscheidung ist positiv ausgefallen, und Schott sah sich nach einer ersten Sichtung der Exponate bestätigt: „Die Bilder vermitteln natürlich Erotik, aber auf keinen Fall irgendetwas Anstößiges." Er empfahl den Ausstellungs-Besuchern: „Man muss sehr gut hinsehen, sehr nahe dran sein." Das hat teilweise mit der Größe der Zeichnungen zu tun. Einige der meistens schwarz-weißen Tuschezeichnungen sind nur 20 mal 30 oder 30 mal 40 Zentimeter groß. Die Acrylbilder sind größer, bis zu 90 mal 120 Zentimeter. Und Sie sind farbiger, Rot- und Gelbtöne dominieren.
Für Manuela H. Reske stand nach dem Abi und ihrer Ausbildung zur Versicherungskauffrau fest, dass sie sich intensiver mit der Malerei beschäftigen wollte. 1998 kam sie durch den Künstler Kuno Lange zur Aktmalerei, die bis heute Schwerpunkt ihrer Arbeit geblieben ist. „Von dem menschlichen Körper geht für mich eine immer neue Faszination aus."
Anfangs fielen die Zeichnungen und Bilder sehr gegenständlich, realistisch aus. Nach und nach wurden sie deutlich abstrakter. Dazu hat die Künstlerin eine ganz eigene Technik entwickelt: Sie arbeitet mit Bambusstöckchen, mit denen die Konturen ungleichmäßiger ausfallen als mit einem Pinsel. Auch bei den Acrylbilden bestimmt sie die Konturen mit Bambus und Tusche. (fb) in NRZ vom 15.1.2007

