Bilderbuchkarriere in Ungarn

- Frank Krause, hier mit Ehefrau Pia und den Kindern Ida und Henk bei einem Ausflug im August vergangenen Jahres, hat sich in seiner neuen Heimat Budapest (im Hintergrund) bestens eingelebt. Foto: privat
Der aus Wesel stammende Frank Krause (44) hat international Karriere gemacht: Für den Mobilfunkriesen Vodafone arbeitet der zweifache Familienvater seit Sommer 2009 als Finanzchef im pulsierenden Budapest.VON KLAUS NIKOLEI in RP vom 29.1.2010
BUDAPEST/WESEL Frank Krause ist zu beneiden. Schaut der aus Wesel stammende Diplom-Kaufmann aus dem Panoramafenster seines Budapester Büros, schweift sein Blick über die derzeit mit riesigen Eisschollen bedeckte Donau hinüber zur berühmten Mathiaskirche, in der 1867 Kaiserin Sissi zur Königin von Ungarn gekrönt wurde. „Das ist wirklich ein beeindruckendes Bild", schwärmt Krause, der seit Juli 2009 bei Vodafone Ungarn als Finanzchef tätig ist. Der 44-Jährige ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit Willen, Können, einer positiven Lebenseinstellung und dem nötigen Quäntchen Glück international Karriere machen kann. Dabei war Frank Krause nach Abschluss seiner Schulzeit am Konrad-Duden-Gymnasium 1985 unschlüssig, welche Laufbahn er einschlagen soll.
„Mit BWL macht man nichts falsch"
Rückblick: Nach einem Einsatz in einem Kibbuz in Israel und während seiner Zeit als Wehrdienstleistender beim Fallschirmjägerbataillon Wildeshausen bei Bremen bekommt er von den Vätern zweier Freunde den Tipp, Betriebswirtschaft zu studieren: „Denn damit machst du nichts falsch." Über die ZVS kommt er nach Gießen, beendet nach neun Semestern im Frühjahr 1992 sein BWL-Studium mit Prädikat. Statt eine sichere Stelle in der Verwaltung des Ruhrorter Haniel-Konzerns anzunehmen, sagt der 26-Jährige bei Mannesmann D2 in Düsseldorf zu. „Mich hat sehr gereizt, in die damals im Aufbau befindliche Mobilfunksparte einzusteigen." In dem expandierenden Unternehmen baut er die Abteilung Controlling mit auf, in dem das Unternehmensgeschehen transparent gemacht wird. Anfang 1999 - Mannesmann, die Deutsche Bank und die Bahn haben die Gemeinschaftfirma Arcor gegründet - steigt Krause zum Bereichsleiter Controlling auf. Mittlerweiler ist er verheiratet, Vater von zwei Kindern. Da Arcor seinen Sitz in Eschborn bei Frankfurt hat, zieht die junge Familie in den Taunus. Zunächst ins noble Königsstein, danach ins benachbarte Kronberg. Schnell leben sich die Krauses in dem schmucken Ort ein. „Als Niederrheiner kommt man fast überall zurecht", lacht Krause. Anfang 2000 gehört er zum Team von Mannesmann-Chef Klaus Esser, der die Übernahme-Abwehrschlacht gegen Vodafone vorbereitet, letztlich aber scheitert. Arcor wird später 100-prozentige Tochter von Vodafone. Mitte 2007 wechselt Frank Krause in die Vodafone-Zentrale nach Düsseldorf, wo er als Hauptabteilungsleiter Controlling Verantwortung für 150 Mitarbeiter übernimmt. Seine Familie, die in Kronberg bleibt, sieht er oft nur an den Wochenenden. Im Sommer 2009 erhält er das Angebot nach Budapest zu gehen - und greift zu. „Mein Sohn wollte sowieso ins Ausland und meine Tochter war im ersten Jahr auf dem Gymnasium und ebenfalls bereit für einen Wechsel. Da war der Zeitpunkt günstig." Ida (11) besucht in der pulsierenden Metropole ein deutsch-ungarisches Gymnasium, Henk (14) eine internationale Schule. Alle sind glücklich. Und Pia Krause, die aus Dinslaken kommt, stemmt jetzt die Familiengeschicke. Gleichwohl haben die Krauses ihr Eigenheim in Kronberg behalten. Dorthin wollen sie in einigen Jahren zurückkehren.
„Ich weiß, dass ich bei vielen Entscheidungen in meinem Leben auch Glück hatte und zur rechten Zeit am rechten Ort war", ist Frank Krause dem Schicksal dankbar. Und seinen Eltern, die ihn zu einem optimistischen und aufgeschlossenen Menschen erzogen haben und die er immer wieder gerne in seiner Heimatstadt Wesel besucht.
Unweit des berühmten ungarischen Parlamentsgebäudes am Ufer der zurzeit vereisten Donau hat Frank Krause sein Büro.
INFO Auslandserfahrung
Jungen Leuten rät Frank Krause, während der Schulzeit oder des Studiums ins Ausland zu gehen. „Wichtig ist auch, dass man stets offen für Neues ist und den Wechsel nicht scheut", sagt er.

