"Wir sind gut gestartet"

"Auch für uns eine ganz neue Herausforderung", sagt der Schulleiter des Konrad-Duden-Gymnasiums, Dr. Heinzgerd Schott zur Einführung der ersten Inklusionsklasse an der Schule. Foto: Marc Albers

Am Konrad-Duden-Gymnasium gibt es seit diesem Schuljahr eine Inklusionsklasse

NRZ, 23.10.15 Wesel „Bisher hieß es ja immer: ‘Inklusion, das findet eigentlich nur an Hauptschulen statt’. Aber das ist nicht mehr so“, stellt der Schulleiter des Konrad-Duden-Gymnasiums, Heinzgerd Schott fest. Seit Anfang des Schuljahres gibt es dort eine Inklusionsklasse, in der Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden: „Das ist eine neue Herausforderung, weil wir erstmals Kinder an der Schule haben, die nicht zielgleich unterrichtet werden können“, erklärt Schott. Zielgleich heißt, dass alle Kinder einer Klasse das Ziel Abitur haben.

Dass die mit der Inklusionsklasse verbundenen Aufgaben bisher gut gestemmt werden könnten, liege auch an einer Gruppe engagierter Lehrer, so Schott. Koordiniert werden die Arbeiten von Detlef Sieg, der gleichzeitig Evangelische Religion in der Klasse unterrichtet: „Wir mussten uns da erst einmal schlau machen, haben zum Beispiel das Gymnasium Voerde besucht, an dem es schon lange Inklusionsklassen gibt“, erklärt der Lehrer.

Nach und nach habe das Team dann einen Plan entwickelt: Auch zwei Sonderpädagogen arbeiten jetzt jeweils mit einer halben Stelle an der Schule, um vor allem die Hauptfächer in der Klasse zu begleiten und sich um die Kinder mit Förderbedarf zu kümmern: „Das ist natürlich auch für die ‘normalen’ Lehrer eine Menge Mehrarbeit, einfach weil vieles koordiniert werden muss“, stellt Vera Nielewski fest, die Deutsch- und Biologielehrerin der Klasse. „Hier unterrichten nur Kollegen, die sich das zutrauen und voll hinter dem Projekt stehen“, so Sieg. Zusätzlich habe man sich bemüht, möglichst wenig verschiedene Lehrer einzusetzen: „Die Arbeitsbelastung wird dadurch natürlich für die Beteiligten noch höher.“

Abgesehen von der Mehrarbeit empfinden sie die Klassenkonstellation aber als positiv: „Sobald es geht, machen alle den gleichen Unterricht – und wenn nicht, dann machen die Kinder eben die für sie angepassten Aufgaben“, sagen Sieg und Nielewski. Das sei für die übrigen Schüler der Klasse kein Problem. Das kann Theresa Peters nur unterstreichen: Sie leistet in der Inklusionsklasse ein Freiwilliges Soziales Jahr – und begleitet den ganzen Schultag: „Klar gibt es mal Knatsch, aber nichts, was es nicht auch sonst gäbe“, Dann ist sie häufig die erste Ansprechpartnerin für die Problemchen.

Dass das Lerntempo leide, sei häufig die größte Sorge der Eltern, weiß Schott. „Zumindest für meine Fächer kann ich sagen, dass das Tempo völlig normal ist“, stellt Nielewski fest. Detlef Sieg teilt diese Meinung, da gebe es wirklich keine Probleme.

Dementsprechend zufrieden blickt das Team auf den Beginn des Schuljahres zurück: „Die Kinder mit Förderbedarf sind total zufrieden, sagen: ‘Wer hätte gedacht, dass ich mal an einem Gymnasium lande?’ und genießen den Ganztag mit seinen Angeboten“, erzählt Sarah König, die Sozialarbeiterin der Schule, schmunzelnd. Übermäßig viele Gespräche müsse sie in der Klasse nicht führen – und bestätigt damit den positiven Gesamteindruck: „Es ist auf jeden Fall gut angelaufen – jetzt hoffen wir natürlich, dass es so weitergeht“, so Schulleiter Schott.

Sebastian Brinks

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