Komponist im Musikunterricht

"Und wie fängt man an?"

12.02.2016 NRZ Der Komponist Thomas Blomenkamp übernahm gestern den Musikunterricht für die Oberstufe des Konrad-Duden-Gymnasiums. Eine Aktion des Musikvereins Wesel

Normalerweise trifft man den Komponisten Thomas Blomenkamp in Konzertsälen und Kirchen an. Hier präsentiert er seine Werke, die landauf, landab gefeiert werden. Doch gestern lief alles anders. Auf Einladung des Städtischen Musikvereins Wesel kehrte der Düsseldorfer für eine Doppelstunde in die Schule zurück. Sein Publikum: rund 30 Oberstufenschüler und Lehrer des Konrad-Duden-Gymnasiums, die wie gebannt an seinen Lippen hingen. Einen renommierten Komponisten erlebt man halt nicht alle Tage.

Wer gestern am Raum 010 vorbeikam, hätte meinen können, hier fände eine Prüfung statt. Derart ruhig war es im Klassenzimmer. Das registrierte auch Blomenkamp zwischen zwei Musikbeispielen, die er via PC vorspielte. „Vielen Dank für die Stille und Aufmerksamkeit!“

Eigentlich hätten die Oberstufenschüler Musikunterricht bei Hans-Günther Bothe gehabt, doch der hielt sich gestern völlig ‘raus. Blomenkamp übernahm - hochkonzentriert, verbindlich, nett und locker. So erfuhren die Zuhörer einiges aus dem Leben eines Berufsmusikers - das sich so sehr von dem anderer Menschen gar nicht unterscheidet.

Lektion 1: Ein Komponist sieht ganz normal aus: groß, schlank, Sakko, Bart, graues Haar. Lektion 2: Auch das Klischee vom weltfremden Sonderling trifft nicht zu. „Ich bin Tagarbeiter“, verriet Blomenkamp. „Ich laufe nicht nachts durch den Wald und suche nach einer Idee.“ Sein Job verlaufe ähnlich strukturiert wie in einem Büro. „Ich stehe zeitig auf und beginne mit der Arbeit.“ Rund 80 Werke der Neuen Musik hat er auf diese Art und Weise verfasst - Auftragsarbeiten und freie Kompositionen, darunter viel Kammermusik, aber auch Chorwerke und Opern.

„Wenn man stundenlang versucht, etwas zu komponieren, geht da nicht die Inspiration verloren?“, wollte ein Schüler wissen. Blomenkamp verneinte. In Deutschland lebten rund 50 000 Komponisten, sagte er: „Da gibt es die unterschiedlichsten Typen.“ Mozart etwa schrieb die Musik einfach auf, die er vorher im Kopf komponiert hatte - Franz Schubert verfasste in seinem kurzen Leben allein 600 Lieder und neun Sinfonien. „Das sind Genies. Bei mir läuft das anders: Ich habe eine Klangvorstellung, die ich am Klavier verfeinere.“ Einer Schülerin reichte das nicht: „Und wie fängt man an?“ Blomenkamp: „Ich taste mich heran. Manchmal fällt mir auch gar nichts ein oder alles fliegt gleich in den Papierkorb.“

Anders bei seiner „Barkarole“, die er 1988 verfasste und die von der Kritik als „Musik-Tsunami“ gefeiert wurde. Eine Kostprobe führte er den Schülern vor. Ein peitschendes, mitreißendes Klavierwerk, unfassbar schwer zu spielen und komponiert wie im Rausch. „Hinterher war ich so kaputt, das ich erstmal Urlaub gebucht habe.“

Info: Zur Zeit komponiert Thomas Blomenkamp ein Werk für einen gemischten Chor, das am 9. April 2017 im Willibrordi-Dom die Uraufführung feiert. Vortragende sind die Sängerinnen und Sänger des Städtischen Musikvereins Wesel. Die Textgrundlage ist Psalm 22.

Petra Kuiper

Quelle

Musikunterricht mit einem Komponisten

12.02.2016, RP Wesel. Thomas Blomenkamp gibt am KDG Oberstufenschülern einen Einblick in seine Arbeit. Musikverein macht's möglich.

Der einsame Pianist am Bechstein-Flügel ist ganz Konzentration, so vollständig, dass er mit äußerlich unbewegtem Gesicht auf eine Notenseite sieht, die ein ebenso konzentrierter Umblätterer in der genau richtigen Sekunde wendet. Der Bildausschnitt auf der großen Leinwand zeigt im Wechsel die äußerst sensiblen Finger, die im stetig sich beschleunigenden Tempo von der Mitte der Tastatur ausgehend allmählich rechts und links die Tastenreihen bis zu deren Ende erobern. Die Musik kommt von einer CD: Barcarole von Thomas Blomenkamp, komponiert 1988. Der Komponist ist anwesend, hier im Musikraum des Konrad-Duden-Gymnasiums (KDG), gestern Morgen.

"Das ganze Werk erscheint mir wie ein Konstrukt", heißt es nachher aus der Zuhörergemeinde. "Ist es ja auch", bejaht Blomenkamp. "Das Handwerk ist wie in jedem Schaffensprozess die Grundlage. Ohne diese wird alles nichts." Die Emotion gebiert oft den Grundgedanken, auf jeden Fall formt sie den Zusammenhalt des Ganzen und bindet, wenn intuitiv spürbar, die Hörer ein - so wird es klar. Denn die meisten Hörer erleben Musik direkt auf der Gefühlsebene. Der Rhythmus teilt das inhaltlich zu Sagende mit, das klangliche Farbspiel weckt das immanente Erregungspotenzial, der große Atem des Tonsetzers wird als mitgestaltendes Element erlebt.

Hans-Günther Bothe, einer der drei Musiklehrer des KDG, zudem der künstlerische Leiter des Chors des Städtischen Musikvereins, hat für die drei Grundkurse der Oberstufe das Treffen eingefädelt: zum Hören, Nachdenken und hoffentlich Verinnerlichen. "Wir wohnen ziemlich nah beieinander und kennen uns gut. Frau Blomenkamp hat schon öfter die Soli in unseren Konzerten gesungen", verrät Bothe. Und: "Für das Musikvereins-Konzert am 9. April 2017 im Willibrordi-Dom ist ein Kompositionsauftrag an Thomas Blomenkamp vergeben. Wir können uns hier schon ein wenig mit seinem Stil vertraut machen."

Modern ist seine Musik sicherlich, wenn man darunter versteht, dass sie nicht in ausgetretenen Pfaden weiterläuft. Sie ist auch melodisch, zumindest phasenweit, genau dann, wenn die Melodie Essentielles zu vermelden hat, und das kann sehr wohl etwas überraschend Neues sein. Aber er vermeidet gewaltsam Aufdrängendes, vulgo nervenzerrender Krach. Das bewiesen zwei folgende Musikbeispiele: "Kassandra" (2013), ein Chorwerk mit "karger Instrumentallandschaft" mit Pauken und verschiedenen Metallinstrumenten, fast ein A-cappella-Werk", so der Komponist. "Der Chor hat keine instrumentale Stütze, muss also ganz sicher sein. Ein Laienchor kann das in der Regel nicht leisten." Das war dem Profichor auf der CD anzuhören. Der sang ja das Seine, das spezielle Orchester spielte seine eigene Geschichte, beides war an wichtigen Stellen miteinander verbunden.

Keine Angst, für den Musikverein wird quasi passgenau die Vertonung des Psalms 22 entworfen in steter Rücksprache mit seinem Dirigenten. Auftragswerke zu komponieren bedeutet, vorher Rahmenbedingungen klären. Zum Thema oder Motto sicherlich, auch zu finanziellen Möglichkeiten.

Weiter sind da etliche Daten zur Leistungsfähigkeit von Sängern und Instrumentalisten zu benennen, der oder die Aufführungsorte mit ihren Besonderheiten zu bedenken und - immer wieder - dem Publikum soll es gefallen. Also die handwerkliche Basis muss rundherum stimmen.

"Das Handwerk habe ich bei einem sehr guten Kompositionslehrer in Köln gelernt, bei Jürg Baur. Für so etwas gibt es Einzelunterricht. Es geht zum Beispiel darum, wie eine Komposition aufzubauen ist, welche Instrumente zu welchen Klangreden passen, welche Instrumente zueinander passen und zu Singstimmen, wie lange sie einzusetzen sind." Blomenkamp liebt die Bogen- oder Brückenform eines Werkes, mit dem Höhepunkt in der Mitte, vom ausgehend eine symmetrische Gestaltung. Die soll dann auch zu hören sein. Sie war zu hören in dem Klavierstück zu Anfang der fast zweistündigen Informationsrunde im KDG, in der Barcarole. Es werden immer nur zwei Töne gleichzeitig angeschlagen, aber immer schneller, immer um ein Winziges versetzt, extrem schwierig, aber überaus faszinierend. Als drittes Beispiel waren circa sechs Minuten aus einer Sinfonie für großes Orchester zu hören, Auftrag der Düsseldorfer Sinfoniker 2007. Tradierte Form von fünf Sätzen und charakteristische Blomenkamp-Brückenform mit sinntransportierender Mitte. "Krieg", ruft es aus dem Klassenraum. "Ja, es gibt brutale Stellen bei mir, aber ich versuche eine Auflösung", gesteht der Komponist. "Und ich wollte in diesem Werk für ein Riesenorchester möglichst alle verfügbaren Instrumente zu Wort kommen lassen, ein jedes mit einer längeren Passage. Das wurde mir von den Musikern und dem Publikum bedankt."

Wie er zu seinem Beruf kam? Mit zehn Jahren in einer bildungsbeflissenen Familie eigentlich etwas spät zum Klavierunterricht geschickt, die jüngeren Geschwister zum Geige- und Cellospiel; es entstand also ein häusliches Trio. Klavierstudium mit künstlerischer Reife abgeschlossen. Einsamer Mensch auf dem Podium? Lieber in und für die Kommunikation schaffen. Bitte den 9. April 2017 im Gedächtnis vormerken.

Von Hanne Buschmann

Quelle

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