2001 Hagerstown

 
Die Koffer waren gepackt, es konnte losgehen. Da standen wir nun am Bahnhof. Der Weg in die große weite Welt stand uns bevor. Über den großen Teich nach Amerika. Die anfängliche Freude zu den glücklichen Auserwählten zu gehören, wandelte sich spätestens am Bahnhof in ein mulmiges Gefühl. Was würde uns erwarten??? Nach den letzten Umarmungen und Abschiedsworten sowie Zurechtweisungen der Eltern ( "Iss bloß genug und zieh dich immer warm an!!!!!!") konnte es los gehen. In Düsseldorf wartete das Flugzeug, das uns für fast einen Monat in Wesels "Sister City" Hagerstown in Maryland fliegen sollte. Nach neun anstrengenden Stunden befanden wir uns schließlich auf dem Flughafen in Newark, von dem unsere Reise weiter nach Washington DC ging. Todmüde und blau bis grün vor Übelkeit ( Der zweite Flug entpuppte sich wahrscheinlich als Teststrecke werdender Piloten - Yes, many turbulences!!!!!!!), wurden wir von einigen Gasteltern sowie Lehrern abgeholt. Spätestens auf der Fahrt nach Hagerstown nickten wir alle ein , denn der "jetlag" (6 Stunden) machte sich allmählich bemerkbar. Endlich, ca. eine Stunde später, wurden wir von unseren Gastfamilien in Empfang genommen. Jetzt war es an der Zeit, von seinen jahrelang hart erarbeiteten Englischkenntnissen Gebrauch zu machen. Das war im todmüden Zustand zwar nicht allzu einfach, entpuppte sich aber in den folgenden Tagen als immer kleiner werdendes Problem, und nach der ersten Woche ertappte sich so mancher schon mit amerikanischem Slang. Die ersten Tage waren ungewohnt und schnell war klar, dass der amerikanische Alltag doch ein anderer ist als der deutsche. Ungewohnt war vor allem das Essen. Einigen bekamen die hamburgers und fried chicken so gut, dass sie nach einem Monat Amerika nur noch schwer ihre Hosen wieder zu bekamen ( Bei soviel Pizza und MC Donalds!!!!!). Andere setzten sich unfreiwillig auf die totale Diät und praktizierten eher die völlige Nahrungsverweigerung (Was sehnte ich mich nach Mamas Bratkartoffeln zurück!). Nicht nur das Essen, sondern auch der Schulalltag war "very different" von dem unseren. Während wir uns bis ca. 13 Uhr in der Schule quälen, sind die Amerikaner bis 16 Uhr fleißig. Für uns waren manche Unterrichtsinhalte völlig fremd. Besonders amüsant war für die meisten von uns wohl das Fach "Life Skills", in dem Jungen und Mädchen zum Beispiel am "Baby, think it over - Program" teilnehmen müssen, in dem sie eine ganze Nacht eine regelmäßig schreiende Babypuppe beaufsichtigen müssen oder eine Heirat vorspielen. Gegen Mittag wird der Unterricht durch den "lunchbreak" dann unterbrochen. Wer jetzt ein leckeres Mittagessen erwartet hatte, war zumindest in der North High fehl am Platze. Die anfänglich noch gutschmeckende Pizza verlor spätestens nach dem zehnten Tag ihren Reiz. Nach der Schule ging es dann für viele weiter mit schulischen Sportaktivitäten. Baseball, Lacrosse, Leichtathletik und Tennis standen für viele unserer Austauschpartner auf dem Programm. Interessant waren auch die Besuche in diversen Grundschulen. Die 8-9 jährigen Mädchen und Jungs durften uns Fragen über Wesel und Umgebung stellen, die wir nicht ohne ein leichtes Schmunzeln auf den Lippen beantworteten ( Do you have electricity in Germany???????). Fragen wie diese waren keinesfalls eine Seltenheit. Von der Stadt -sprich Bürgermeister und Stadtrat- wurden wir sehr freundlich empfangen. Schon wenige Tage nach unserer Ankunft wurden wir vom Bürgermeister begrüßt, und uns zu Ehren wurde eine Fichte ( immerhin) gepflanzt ( oder besser gesagt die Jungs buddelten sie ein!!!!) und ein Essen spendiert. Dieses fand in einer Kirche statt - was uns eher ungewöhnlich erschien, in Amerika aber angeblich öfter vorkommt-, wo wir dann zwei deutsche Lieder zum Besten gaben ( Philipp O. hat gut Gitarre gespielt, auf Gesang usw. wollen wir an dieser Stelle besser nicht weiter drauf eingehen.). Das wohl größte Ereignis waren für uns die Touren nach New York und Washington DC, zwei imposante Städte. Das Weiße Haus, sämtliche Museen, die wunderbare Aussicht vom World Trade Center oder der Freiheitsstatue (furchtbar enge Stufen, nichts für Leute mit Höhenangst!!!!!!!!!!), der Time Square und der Broadway waren besonders eindrucksvoll. Nach unzähligen kilometerreichen Wanderungen durch die beiden Städte suchten unsere Füße schließlich die wohlverdiente Ruhe in den Betten der Jugendherbergen. Schon bald nach unserem Kurztrip in die beiden Weltstädte neigte sich unserer Amerikaaufenthalt dem Ende zu. Nach dem abschließenden Grillfest verging die Zeit schnell, zu schnell. Nur wenige Tage später mussten wir uns von unseren Gastfamilien leider wieder verabschieden, An dieser Stelle ist unbedingt noch einmal zu sagen, dass wir eine tolle Gruppe waren, mit einem unglaublichen Teamgeist und zwei Superlehrern (Herr Löhl und Frau Wirges), die uns allen sicherlich einen großen Traum erfüllt haben und ohne die solch eine Reise gar nicht möglich gewesen wäre. Und fragt jemand "Hattet ihr nicht Heimweh - solange von Zuhause weg?", lautet die Antwort "Im Gegenteil!!!! - Wir fahren bald wieder hin!!!!!" Julia Schulters

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