2002 Butterflies flogen in die Vereinigten Staaten

 
Seit Stunden das gleichmäßige Summen der Düsenmotoren in den Ohren, unter uns eine geschlossene Wolkendecke über dem endlosen Atlantik, im Westen das gleißende Goldorange der untergehenden Sonne - und die gespannte Fröhlichkeit aller in der vierzigköpfigen Weseler Reisegruppe an Bord des Lufthansa-Jumbo von Franfurt nach New York: wir sind unterwegs mit einer Abordnung des Zirkus Butterfly zu den Feiern des Städtepartnerschaftsjubiläums nach Hagerstown. Ein bißchen stolz, dass wir eingeladen worden sind, etwas nervös wegen der angespannten politischen Lage, unsicher, ob unser Programm "Peter Minuit´s Manhattan Shopping Tour" überhaupt ankommt bei den Amis, nach stundenlangem Flug auch müde, aber wieder hellwach, als wir bei Goose Bay den amerikanischen Kontinent erreichen und bald darauf das Lichtermeer von Boston und Providence überfliegen. Nach der Landung auf dem John-F-Kennedy-Flughafen ungläubiges Staunen: vor uns liegt das riesige Lichtermeer von Manhattan gegen das Dunkel der Nacht - ein unbeschreiblicher Anblick. Davon bekommen wir noch mehr in den nächsten beiden Tagen - nur unser Hotel "Belleclaire" erweist sich eher als etwas herbe Schönheit. In strahlendem Sonnenschein präsentiert sich uns New York, gigantisch, mitreißend, atemberaubend besonders vom Empire State Building aus betrachtet. Aber da ist diese Lücke im Bild, diese Wunde, längst nicht verheilt, die sie Ground Zero nennen, auf dessen Anblick uns besonnene Worte von Herby Scheitler vorbereiten. Die geschundene Plastik der Weltkugel, früher zwischen den WTC-Türmen, sehen wir unweit des Peter-Minuit-Denkmals und von hier aus geht das erste Gruppenfoto nach Hause - dank Albrecht Holthuis´ Digitalkamera sieht man es einen Tag später in den Weseler Tageszeitungen - Peter Minuit selbst hatte damals 155 Tage gebraucht. Von dem Käufer Manhattans erzählt unser Programm am Abend der deutschen evangelischen Gemeinde in der St.Pauls-Kirche, die Show läuft noch nicht ganz rund, aber der Beifall ist groß. Auch ein Gospelchor aus Köln ist dabei, Mitarbeiter der Gemeinde berichten von ihrer Arbeit nach dem 11.September, als sie sich um hilfesuchende Touristen und New Yorker Feuerwehrleute kümmerten. Die Metro bringt uns zurück zum Hotel, der erste von vielen unvergesslichen Tagen geht zu Ende. Hagerstown - das ist wieder etwas ganz anderes: Küsse, Umarmungen, Lachen und Fröhlichkeit zur Begrüßung vor dem Women´s Club, Wiedersehensfreude für viele, neue Gesichter für manche - aber immer wieder Spaß und Freude, keine Spur von Verständigungsschwierigkeiten, etwas steif gehts höchstens zu, wenn "Offizielle" reden - aber da zeigen uns die Amerikaner, was Lockerheit heißt und wie man einen saftigen Scherz an der richtigen Stelle anbringt. Peinlich wirds für mich, als sich der für Auftritt Nummer zwei vorgesehene Kindergarten("nursery") als Altenheim ("nursing home") entpuppt - und schwierig für Winnie Rüth, unserem technischen Assistenten, als dort der Kassettenrekorder streikt - aber mit Hilfe eines Reservegerätes wird auch diese Klippe umschifft und in Altenheimen sind wir zu Hause oft genug aufgetreten. Das ist halt die Generalprobe für den Partnerschaftsabend im Elks Club - und da sind wirklich alle topfit. Welch´ eine Show, Winnie bringt volle Power aus der Musikanlage und unser US-erfahrener Chris legt einen Klasse MC (Master of Ceremony) aufs Parkett, Philip und Bastian brechen das Eis mit ihrer Stockpantomime, Mimik und Gestik zum "Piepen" - die benötigten Stöcke haben zwei ältere Hagerstowner Herren gerne zur Verfügung gestellt. Am Ende Riesenbeifall und Olli schafft es, alle Butterflies und einige Gastgeber zu einem gemeinsamen Kegeln zu entführen. Von da an ist unsere Gruppe Hahn im Korb bei vielen, "Your children are in our hearts" ist das schönste Kompliment, das wir tags darauf auf dem großen Bankett zu hören bekommen. Komplimente können wir gar nicht genug zurück geben für die vielen großen und kleinen Gesten der Freundschaft, die wir erleben. Ich freue mich, wie aufmerksam und interessiert meine Schülerinnen und Schüler auf dem Antietam-Battlefield den Erklärungen des Guides lauschen; ob alle Konzertbesucher im Marylandtheater würdigen können, welche liebevollen Vorbereitungen und Leistungen hinter dieser Darbietung von Kompositionen aus unserer Heimat stecken ? Der Abschied kommt unweigerlich, Grußworte ersticken in Tränen, aber aus allem Lärm höre ich Steve Lenharts ansteckendes und lautes Lachen und stolz zeigt er einen Rosenstrauß, den er geschenkt bekommen hat - "Unglaublich !" entfährt es ihm in seinem unnachahmlichen Akzent. Wir hören sein Lachen Tage später noch einmal - er hat es sich nicht nehmen lassen, uns (nachdem wir Tourismus pur in Washington erleben durften, trotz sniper-Gefahr) höchstpersönlich am Dulles-Flughafen zu verabschieden. Sein Lachen schallte durch die Airporthalle: "Sniper-free DC !!!" (Die beiden sind tags zuvor in Frederick unweit Hagerstown verhaftet worden.) Danke Steve, danke Hagerstown ... und Dank an alle, die uns dieses Erlebnis ermöglicht haben. Klaus Schoch

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