2008 Hagerstowner wild auf Fußball

 


17 Austauschschüler am Konrad-Duden-Gymnasium: Die jungen Leute aus Wesels US-Partnerstadt staunen über kleine Autos und enge Straßen, lieben Schoko-Croissants und freuen sich mit ihren Gastgebern auf EM-Spiele.
von Fritz Schubert in RP vom 12. Juni 2008
WESEL/HAMMINKELN/SCHERMBECK
Ganz gleich, wie die deutsche Elf in den Alpen abschneidet: Für junge Leute aus den USA wiederholt sich das Sommermärchen auf jeden Fall. Vor zwei Jahren erlebten Gäste aus Wesels Partnerstadt Hagers­town im US-Bundesstaat Maryland die begeisternde Fußball-WM mit. Seit gestern sind wieder 17 Aus­tauschschüler am Konrad-Duden-Gymnasium. Und sie freuen sich sehr auf die Spiele, wollen die Stim­mung unter anderem beim Public Viewing in Oberhausen miterleben.

Verwundert über die Mittelstraße

Beispiel Maria Bergan: Die 17-Jährige ist zum ersten Mal hier und spricht noch fast gar kein Deutsch. Das wird sich schon bald durch Gespräche beim „Soccer" (Fußball) und in der Cafeteria-Theke ändern. Maria ist, wie viele ihrer Mitschüler, schon ganz verrückt nach Schoko-Croissants. Unterge­bracht ist sie in der Familie von Tan­ja Grupp in Schermbeck, wo sie über die Einpark-Künste von Tanjas Mutter auf der Mittelstraße staunte. Tanja ist mit Maria schon seit einem Jahr gut befreundet und in E-Mail-Kontakt, denn 2007 war sie zum Hagerstown-Austausch in der Familie Bergan.

„Die Leute, das Essen, die Stra­ßen, die Autos, die Häuser - alles ist anders", schildert auch Rachel Amalfitano (17) ihre ersten Eindrü­cke. Die Amerikanerin mit italieni­schem Vater ist zu Gast bei der Fa­milie von KDG-Schülerin Insa Holl in Wesel.

Auf Stadion-Atmosphäre ist un­ter anderem Jordan Morris (16) wild, dessen Deutsch-Kenntnisse schon etwas besser sind. Er ist in der Familie von Lukas Grinewitschus in Hamminkeln unterge­bracht. Und er freut sich auf die Ausflüge.

An das dichte Besuchsprogramm (Xanten, Paddeln auf der Lippe, Weimar, Berlin, Buchenwald, Ro­thenburg, Ulm, Füssen, Rüdesheim mit Rheinfahrt) denkt Jay Nase mit gemischten Gefühlen. Denn wieder einmal „muss" der Deutschlehrer aus Hagerstown nach Neuschwan­stein. „Das habe ich schon 22 Mal gesehen", sagt er. Aber so sei das eben. Ein Muss für US-Amerikaner auf Deutschlandtour. Dennoch ist Nase, der mit seiner Frau Carol und Mark Crilly die Gruppe begleitet, si­cher, dass die US-Schüler am Mon­tag, 30. Juni, ein umfassendes Bild mit nach Hause nehmen. „Sie wis­sen schon, dass Deutschland nicht nur aus Bayern und Lederhosen be­steht", sagt Nase. Dafür sorge schon der Aufenthalt in Wesel.

Die Stadt wird heute mit einer Rallye erkundet. Außerdem gibt's einen Empfang im Rathaus. Mor­gen steht ein Sommerfest mit der Partnerschaftsvereinigung Wesel-Hagerstown auf dem Programm. Am KDG kümmern sich die Lehre­rinnen Silke Ostermann und Mar­lies Kleinschmidt um die Gäste.

INFO: Unterricht und Touren

Die 17 jungen US-Amerikaner sind Dienstag in Wesel eingetroffen. Seit gestern nehmen sie im KDG am Unterricht teil. Ihre Rundreise durch Deutsch­land startet am Mittwoch, 18. Juni. Nach der Rückkehr am Donners­tag, 26. Juni, bleiben sie noch ein paar Tage in ihren Gastfamilien und reisen am Montag, 30. Juni wieder ab.
VON FRITZ SCHUBERT in RP vom 12. Juni 2008

 

AUSTAUSCH. Seit Dienstag sind Jugendliche aus Hagerstown/USA in Wesel zu Gast. GABI SCHULTZE in NRZ vom 12. Juni 2008

WESEL. Während viele Wese­ler traurig darüber sind, dass es nach einem sommerlichen Wo­chenanfang nun wieder ein paar Grad kühler geworden ist, findet Mariel Beachley das ein­fach toll. Die 16-jährige Ameri­kanerin ist gemeinsam mit 19 anderen Jugendlichen und Be­gleitern aus Wesels Partner­stadt Hagerstown seit Dienstag am Niederrhein zu Gast und genießt es richtig, mal durchat­men zu können. „Es ist im Mo­ment so furchtbar heiß im Amerika", sagt Mariel und ern­tet neidvolle Blicke ihrer Aus­tauschpartnerin Julia Appels (16). „Ich finde das Wetter hier viel angenehmer."

Doch nicht nur das Weseler Klima genießt die junge Ameri­kanerin. Die Schülerin findet es vor allem toll, endlich in Deutschland zu sein - ein Erlebnis, auf das sie sich schon sehr lange gefreut hat, wie sie an ihrem ersten Schultag am Konrad-Duden-Gymnasium gestern erzählte. Und was fin­det sie an „good old Germany" am besten? „Dass ich Julia wie­dersehe", sagt Mariel strah­lend.

Die Amerikanerin und ihre Weseler Partnerin verstehen sich blendend. „Schon vor un­serem ersten Treffen wussten wir eigentlich alles voneinan­der", berichtete Julia. Die KDG-Schülerin und ihre ame­rikanische Freundin hatten un­zählige E-Mails über den gro­ßen Teich hin und her ge­schickt und sich gegenseitig vieles von sich und ihrer Hei­matstadt erzählt. Als Julia Ap­pels dann in den Osterferien 2007 bei Mariel in Hagerstown zu Gast war, verstanden die beiden sich auch persönlich auf Anhieb gut und hatten jede Menge Spaß miteinander.

Den wollen sie in der kom­menden Woche auch in Wesel haben. Den Auesee und die Nachbarstadt Hamminkeln hat Julia Mariel schon gezeigt. Die Amerikanerin findet alles einfach nur „cute". „Bei uns da­heim ist alles viel größer als hier", erzählte sie. „Die Häuser, die Autos, einfach alles." Das stört die 16-Jährige aber nicht -im Gegenteil: „Ich finde es richtig klasse hier." Schon jetzt fürchten sich Mariel und Julia vor dem Moment, in dem sie Abschied voneinander nehmen müssen. Aber beide sind überzeugt, dass sie sich wieder­sehen werden.

PROGRAMM
Alle zwei Jahre organisieren die Partnerschaftsvereinigung Wesel-Hagerstown und das Konrad-Duden-Gymnasium den Austausch. Die amerika­nischen Gäste lernen nicht nur Wesel und Umgebung, sondern ganz Deutschland kennen. Vom 18. bis 26. Juni unternehmen sie eine Rund­reise und sehen Städte wie Weimar oder München. Heute erkunden sie aber erstmal per Stadtrallye Wesel; anschlie­ßend werden sie von der Bür­germeisterin empfangen.

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