2011 Jonathan Hager - Aufbruch

 
 

Eine besondere Begegnung

Irmgard Fuchs-Häger, Nachfahrin von Jonathan Hager, stellte Schülern des Konrad-Duden-Gymnasiums ihr Buch vor

Petra Herzog in NRZ vom 6.4.2011

Wesel. Es war eine ganz besondere Begegnung gestern Mittag im Konrad-Duden-Gymnasium.Und es war für die Schüler eine prima Vorbe­reitung auf die bevorstehende Reise in die Weseler Partner­stadt Hagerstown, die nächste Woche beginnt. Irmgard Fuchs-Häger stellte ihr Buch „Jonathan - Aufbruch in ein fremdes Leben" vor, das in Tei­len von den Schülern selbst vorgelesen wurde. Es geht um den Aufbruch von Jonathan Hager aus Bad Berleburg, der im 18. Jahrhundert nach Ame­rika einschiffte und dort zum Gründer von Hagerstown wurde.

Hager, ein Büchsenmacher, der in ärmlichen Verhältnis­sen lebte, wanderte mit 22 Jah­ren aus. Man schrieb das Jahr 1736, als er sich auf das Segel­schiff „Harle" begab, in der Hoffnung, sich in Übersee ein besseres Leben aufbauen zu können. Nahe der Ostküste, im heutigen Hagerstown, lan­dete Jonathan Hager damals.

Er begann dort Land zu roden und baute mitten in der Wild­nis ein Haus auf zwei Wasser­quellen. Es steht heute noch dort, mittlerweile allerdings im Hagerstowner Stadtpark. „The Hager House" wird es genannt und beherbergt ein Heimatmuseum, das die Weseler Gäste schon häufig besucht haben.

Beim Kirchenbau verunglückt

Hier erfährt man unter anderem, dass Hagerstown zunächst Elisabethtown hieß. Das war der Vorname von Jonathans Frau, ebenfalls eine deutsche Auswanderin, die aus dem hessischen Langenselbold stammte. Doch später erfolgte die Umbenennung, um den wahren Gründer zu würdigen. Der hatte hier offen­bar ein gutes Auskommen, wie seine Nachfahrin Irmgard Fuchs-Häger bei ihren Recher­chen erfuhr. „Father of Washington Country" wurde er genannt, machte politisch Karriere und hatte Führungsqualitäten. Am 6. Juli 1776 ver­unglückte der Bad Berle­burger tödlich, beim Bau der Kirche von Hagerstown.

All dies hat die heute 75-jäh­rige Autorin im Rahmen ihrer Ahnenforschung herausgefun­den. Sie lebt im hessischen Heinebach, einem Ortsteil von Alheim, und war schon immer fasziniert vom Blick zurück in die eigene Familien­geschichte. Außerdem schreibt sie gern - die beste Grundlage für einen Roman also, in dem sie das Leben von Jonathan Hager darstellt. Dass die Handlung fiktiv ist, ver­steht sich von selbst. Dennoch geht die Autorin verschiede­nen Fragen nach. Was mag er gedacht haben, als er seine Heimat verließ? Was hatte er für Erwartungen? Und haben sie sich erfüllt? Irmgard Fuchs-Häger hat eine Geschichte rund um die Aus­wanderung gewoben, wie sie sich vielleicht zugetragen hat. So wie die beschwerliche Überfahrt auf dem stinkenden Zwischendeck des Seglers „Harle", die auch bei der gest-rigen Lesung eine Rolle spiel­te.

Die 75-Jährige suchte in Kir­chenbüchern und besuchte Hagerstown zweimal zusam­men mit Gruppen aus Wesel, schaute sich ganz genau um, hatte viele Begegnungen und war dabei immer auf den Spuren ihres Vorfahren. Auch Handschriftliches entdeckte sie dort, wie einen Brief vom 16. Mai 1773, den Jonathan von Heinrich Wetter aus Deutschland erhalten hatte. Die beiden hatten gemeinsam ihre Büchsenmacherlehre in Bad Berleburg absolviert.

INFORMATION: Auch in der Stadtbücherei erhältlich

Die 20 Schülerinnen und Schü­ler der neunten und zehnten Klasse am Konrad-Duden-Gymnasium fliegen am 14. April über den großen Teich. Bis zum 7. Mai werden sie Wesels Part­nerstadt Hagerstown besuchen und dort in Familien unterge­bracht sein. Außerdem steht ein dreitägiger New York-Trip an, und in die US-amerikani­sche Hauptstadt Washington, die nicht allzu weit weg von Hagerstown liegt, geht es auch.

Das Buch von Irmgard Fuchs-Häger ist 2009 im Alheimer Verlag erschienen. Es kostet zwölf Euro und beinhaltet rund 200 Seiten, jeweils 100 in deutscher und 100 in engli­scher Sprache. Die englische Fassung von „Jonathan - Auf­bruch in ein fremdes Leben" heißt „Starting a New Life". Das Werk kann auch in der Stadtbücherei Wesel ausgelie­hen werden. Die gestrige Veranstaltung wur­de vom Förderverein des KDG organisiert. Er stattete die Schüler mit dem Roman aus und lud die Autorin nach Wesel ein.

 

Ein Roman über den Mann, der Hagerstown (USA) gründete

VON ISABELL HÜLSER in RP vom 6.4.2011

WESEL Nur noch gut eine Woche, dann ist es soweit: Jedes Jahr, immer im Wechsel, hält ein Schüleraustausch zwischen Hagerstown (USA) und Wesel die Städte-Partnerschaft über den "großen Teich" hin lebendig. Diesmal reisen Schüler des KDG nach Amerika. Klar, dass die Vorfreude bei den 20 Schülern aus der neunten und zehnten Klasse groß ist. Gestern gab's einen ganz besonderen Vorgeschmack auf die Partnerstadt in den USA: ein Roman von Irmgard Fuchs-Häger, die gestern zu einer Lesung ins KDG gekommen war.

Der Gast aus Hessen ist, wie der Mädchenname Hager verrät, auf besondere Weise mit Wesels Partnerstadt verbunden. "Der Gründer von Hagerstown, Jonathan Hager, ist ein Verwandter aus der Nebenlinie meines Vaters", erklärt die 75-jährige Autorin. Rund zwei Jahre hat die Ahnenforscherin gebraucht, um das Puzzle um ihre Wurzeln zusammenzusetzen. Mit der Partnerschaftsvereinigung reiste Irmgard Fuchs-Häger 2002 und 2007 nach Amerika, um vor Ort weiter zu recherchieren. Herausgekommen ist ein "biografisch-fiktiver Roman", so Petra Hegmann vom Förderverein, der die Lesung ermöglichte.

Erzählt wird die Geschichte des jungen Büchsenmachers Jonathan aus Bad Berleburg, der sich 1736 nach Amerika aufmacht. Hier gründet er Hagerstown, das ursprünglich "Elizabethtown" hieß. "Nach seiner Frau, einer deutschen Auswanderin", so Irmgard Fuchs-Häger. 1776 verunglückte Jonathan beim Bau einer Kirche tödlich. Seine Geschichte, in einer deutschen und einer englischen Version, wurden 2009 von Irmgard Fuchs-Häger im Buch "Starting a new life" zusammengefasst.

Ausgabe in der Stadtbücherei

Aufmerksam geworden war der Förderverein durch Wolfgang Berg, Leiter der Stadtbücherei. In den Regalen der Bücherei findet sich eine Ausgabe des Romans. Die Schüler machen sich nun für drei Wochen auf den Weg nach Hagerstown, wo sie sich auch das Gründerhaus von Jonathan ansehen werden - mittlerweile ein Heimatmuseum.

Die Reise per Flieger wird zweifelsohne komfortabler sein als die des Romanhelden im Zwischendeck, die Irmgard Fuchs-Häger anschaulich beschreibt. Die Autorin wird im kommenden Jahr wieder nach Hagerstown reisen - zum 60-Jährigen der Partnerschaftsvereinigung.

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