"Nie wieder Krieg" war das Motto eines Gottesdienstes

NRZ, 16.02.2020


WESEL. Die Erinnerungen derer, die die Bombenangriffe miterlebt haben, sitzen tief. Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums berichteten davon.

„Nie wieder Krieg“, so lautete der Titel des Ökumenischen Gottesdienstes im Willibrordi-Dom in Wesel, der an die völlige Zerstörung der Stadt vor 75 Jahren erinnerte. Die Messfeier war dabei Erinnerung und Mahnung zugleich. Erinnerungen durch Gespräche mit Zeitzeugen erarbeitete der Zusatzkurs der Abiturienten im Fach Geschichte am Konrad-Duden-Gymnasium mit dem Lehrer Ralf Kreuziger.

Die Schülerinnen und Schüler befragten die Seniorinnen und Senioren nach ihren Erlebnissen und welche Auswirkungen der Krieg für sie hatte. „Weil beim Mittagessen die Bomber kamen und ich die toten Menschen sah, kann ich keinen Vanillepudding mit Himbeersoße mehr essen, denn der stand in dem Moment vor mir“, hieß es.

Oder: „Wir haben immer Butterbrote geschmiert für die Gefangenen, die mit Zügen abtransportiert wurden. Der Schock sitzt noch heute tief, wenn ich mich daran erinnere, dass ich damals meinen Onkel auf dem Zug entdeckte.“ Und: „Eines Tages explodierte ein Zug, der beschossen wurde.“ Sogar Spatzensuppe habe man zuhause gegessen, weil die Kinder unterernährt waren. Nach der Bombardierung habe die Stadt wie eine Mondlandschaft ausgesehen.

Betroffene Abiturienten

Als beglückende Situationen hätten die Interviewpartner der Jugendlichen die Momente geschildert, in denen Angehörige aus der Gefangenschaft und aus dem Krieg heimkehrten. Die Abiturienten Luis Jung, Caroline Freund, Zoe Bruns und Vivienne Bastian haben im Gottesdienst nicht nur die Erlebnisse wiedergegeben. Sie zeigten sich auch betroffen. „Das ist für uns unrealistisch und surreal“, sagten sie. Und dass sie vorher nie wirklich untereinander darüber gesprochen haben. Das Resümee der fünf Schülerinnen und Schüler: „Uns ist klar geworden, wie gut wir es haben und nicht immer wegen jeder Kleinigkeit rummeckern sollten. Uns geht es im Vergleich zu den Menschen damals doch wirklich gut.“

DIESE BILDER ZEIGEN DIE ZERSTÖRUNG DER STADT WESEL

Kreisdechant und Pfarrer Stefan Sühling bezeichnete das Wunschdenken der Weselaner vor 75 Jahren als sicherlich berechtigt. Aber im Rückblick wisse man, dass es nie in Erfüllung gegangen sei. „Es wird gebombt und gemordet und das überall auf der Welt“, sagte Sühling. „Selig sind die Friedensstifter“, heiße es in einem Bibelvers und das sei eine realistische Aufforderung für die Menschen. Das bedeute auch Verantwortung für die Erinnerung zu übernehmen und diese in die Zukunft zu tragen.

Sühling betonte: „Verantwortung für die Erinnerung zu übernehmen heißt auch, denen entgegenzutreten, die die Geschichte schön reden und die NS-Zeit als Vogelschiss (für den ausgesprochenen Ausdruck entschuldigte sich Sühling) bezeichnen. Die Weseler müssten alles dafür tun, damit solche Gräueltaten nicht mehr von deutschem Boden ausgehen. „Setzen Sie sich ein für Integration und Fremdenfreundlichkeit“, mahnte er.

Humanität und Toleranz

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp forderte in ihrer Rede die Bürger ebenfalls zu Humanität und Toleranz auf. „Es ist nicht zu verstehen, dass es immer noch Menschen gibt, die Völkerhass und Fremdenfeindlichkeit idealisieren“, sagte sie. Deswegen sei die Erinnerungsarbeit als Mittel gegen rechtsextreme Propaganda wichtig.


Quelle: NRZ

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