Mit Haken und Ösen - Finn: "Es fällt allen schwerer, sich in dem neuen System zu konzentrieren."

Lokalkompass: 20.04.2021


Dass die Abiturienten sich zurzeit nicht sonderlich wohl fühlen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Viele junge Menschen befürchten, dass die pandemiebedingten Einschränkungen ihnen deutliche Nachteile bei der Jobsuche bescheren könnten.

Auslandsaufenthalte, bis 2019 eine angesagte Variante, um ins Berufsleben einzusteigen, entfallen seit rund einem Jahr komplett. Die Qualität des Homeschoolings findet alles andere als breite Begeisterung. Und bald stehen die Abiturprüfungen an. Die Schüler/innen des Zwölfer-Jahrgangs stecken mitten in den Vorbereitungen.
Mit einer kleinen Reihe von Interviews bieten wir aktuellen Abiturienten aus Wesel, Hamminkeln und Hünxe die Gelegenheit, ihre Empfindungen in dieser besonderen Zeit zu schildern. Nachfolgend lesen Sie die Gedanken von Lilly aus Hamminkeln) und Finn aus (Brünen).

Fragen und Antworten

1) Wie kommst Du zurzeit klar mit der Abi-Vorbereitung?


Lilly: Die Abiturvorbereitungen sind für mich momentan relativ stressig. Ich hatte zwar auch mit so viel Arbeit gerechnet, aber es fehlt nunmal der freizeitliche Ausgleich, durch den man normalerweise Ablenkung vom Lernen hat. So verliert man auch schnell mal die Motivation oder hat das Gefühl, auf nichts hinzuarbeiten, da auch Dinge wie die Mottowoche oder der Abiball eventuell entfallen.
Finn: Ich komme sehr gut mit der Abiturvorbereitung zurecht. Jetzt muss ich nur noch die alten
Themen wiederholen, dann sollte alles rund laufen. Es gibt jedoch manche Fächer, in denen es knapp werden könnte.

2) Wie lief das Homeschooling in den vergangenen Monaten?


Lilly: Das Homeschooling am KDG hat gut geklappt. Einige Lehrer sind zwar leider nicht so technisch versiert, aber mit Hilfe der Schüler oder anderen Lehren klappt das Meiste. Ich habe nicht das Gefühl, großartig Stoff verpasst zu haben, der Unterschied ist nur, dass man vieles im Selbststudium erlernen muss und eben auch hier wieder die sozialen Kontakte aus dem Unterricht fehlen.
Finn: Mein größter Kritikpunkt ist, dass der Online-Unterricht genauso abgehalten wird, wie der
reguläre Unterricht. Häufig schafft man im Unterricht nicht alles, was eigentlich für die Stunde vorgesehen war. Somit wird oftmals die Hälfte der Pause überzogen und es werden viele Hausaufgaben aufgegeben. Einerseits ärgerlich, andererseits habe ich das Gefühl im Unterricht kaum etwas mitzunehmen. Am meisten lerne ich im Moment bei der Bearbeitung der Hausaufgaben und der Absprache mit Mitschülern. Diese werden dann in den Unterrichtsstunden kontrolliert und korrigiert, was wieder neuen Unterrichts-Verzug bedingt.
Für mich persönlich wäre es am besten, wenn man (in der Oberstufe) pro Woche Aufgaben bekommen würde, welche man frei bearbeiten kann. Falls man Fragen zu bestimmten
Themen hat oder etwas nicht versteht, könnte man über die neuen Plattformen während der regulären Schulzeit (in extra eingerichteten Stunden…) fragen. Die Allgemeinheit wünscht sich jedoch im Gegensatz zu mir, wieder in den Präsenzunterricht in die Schule zu gehen. Für die Lehrer sieht das genauso aus. Viele Lehrer beschweren sich darüber, dass fast immer nur die Gleichen den Unterricht tragen. Es fällt allen schwerer, sich in dem neuen System zu konzentrieren.

3) Glaubst Du, dass die Pandemie sich negativ auf deine Zukunftschancen auswirkt?


Lilly: Ich denke, es gibt sicher Menschen die negativ auf den Abiturjahrgang 2020 blicken, da uns oft nachgesagt wird, viele Vorteile gehabt zu haben. Aber an der Stelle sage ich mir, dass ein Arbeitgeber mit einem solchen Blickwinkel dann vielleicht auch einfach nicht der Richtige für mich ist.
Finn: Für mich hat sich die Pandemie noch nicht negativ auf meine Zukunft ausgewirkt. Insgesamt
hat sie aber viele Menschen sehr hart getroffen. Mir wird es vermutlich auch noch weiterhin gut gehen, aber wie sieht es mit den Leuten aus die ihren Lebensunterhalt verlieren, den Kindern und Jugendlichen, die ihren Bildungs-Anschluss verlieren und den Einzelschicksalen, die in den vergangenen Monaten starke Depressionen entwickelt haben?

4) Mit Blick auf die Schule und dein privates Leben: Was ist momentan Dein größter Wunsch?


Lilly: Mein größter Wunsch momentan ist vorrangig, dass alle meine Liebsten erst mal gesund bleiben. Außerdem blicke ich mit Freude auf den Tag, an dem ich mein Abitur in der Hand halte und bestenfalls schon eine Reise in die Sonne mit meinen Freunden gebucht habe :)
Finn: Ich wünsche mir ein Ende der Pandemie, welches uns leichter trifft als erwartet.

5) Wie sind deine konkreten Pläne bezüglich der weiteren Ausbildung - oder gibt's sogar schon eine Zusage?


Lilly: Ich habe vor, mich in Düsseldorf und Köln auf verschiedene Vollzeitstudiengänge zu bewerben, die alle im Medienbereich liegen wie beispielsweise Medienmanagement oder Mediendesign. Bevor ich das mache, möchte ich jedoch noch ein wenig rumreisen oder evtl. sogar eine Zeit als Au Pair antreten.
Finn: Ich habe mich für ein paar duale Studiengänge beworben und überlege, was ich alternativ machen werde.


Quelle: Lokalkompass

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