2000 Schüler ziehen durch die Weseler Innenstadt

RP; 03.03.22


Wesel Rund 2000 Kinder und Jugendliche der fünf weiterführenden Schulen haben sich nach einem Sternmarsch am Donnerstagnachmittag am Berliner Tor versammelt, um dort gegen den Krieg in der Ukraine zu demonstrieren. Wie die Veranstaltung ablief.

Von Klaus Nikolei

Redakteur


Auswärtige werden sich gewundert haben, warum in der Weseler Innenstadt am frühen Donnerstagnachmittag mehrere Straßen gesperrt waren. Sie konnten ja nicht wissen, dass gut 2000 Schülerinnen und Schüler der fünf weiterführenden Schulen an diesem herrlichen Vorfrühlingstag zeitversetzt zum Berliner Tor marschieren, um dort gegen den Krieg in der Ukraine ihre Stimme zu erheben und sich mit dem ukrainischen Volk und allen Menschen in Krisengebieten zu solidarisieren.

Es ist kurz vor 14 Uhr. Wohl noch nie zuvor war der Berliner-Tor-Platz so voll wie an diesem denkwürdigen 3. März 2022. Zu den jüngsten Teilnehmern der Kundgebung gehören Jona, Maike, Jonas, Elena und Finja aus der 5a des Andreas-Vesalius-Gymnasiums. Alle sind zehn Jahre alt und haben sich auf die erste Demonstration ihres Lebens gut vorbereitet. Alle halten sie liebevoll gestaltete Pappschilder in den Farben der Ukraine in den Händen – alle versehen mit dem Peace-Zeichen. „Das bedeutet Frieden“, sagt Elena. „Krieg ist keine Lösung!!!“ ist auf den Plakaten von Maike und Jonas zu lesen. Wie wahr. „Wir sind hier, damit die Ukraniner wissen, dass wir an sie denken und auf ihrer Seite sind“, sagt Jana und erzählt, dass sie im Deutsch- und Englisch-Unterricht oft über den Krieg sprechen. „Es ist ein gutes Gefühl, hier zu sein“, sagt Finja.

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„Krieg ist keine Lösung“ finden (v.l.) Jana, Maike, Jonas, Elena und Finja von der 5a des Andreas-Vesalius-Gymnasiums. Foto: Christoph Reichwein (crei)


Punkt 14 Uhr tritt Ulrike Westkamp auf die kleine Bühne. „Als Bürgermeisterin sage ich, dass ich stolz bin auf Euch, dass ihr Eure Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekennt. So wie das am Sonntag mehr als 500 Menschen auf dem Großen Markt getan haben. Aber heute sind wir Tausende.“ Jubel und Beifall. Westkamp wünscht sich, dass es Schülern gelingt, in den sozialen Medien Kontakte zu Schulen in der Ukraine und Russland zu knüpfen, um davon zu berichten, „dass wir etwas gegen den Überfall auf das Brudervolk in der Ukraine haben.“ Erneut bricht Jubel aus, als Westkamp ruft: „Putin, stoppen Sie diesen Krieg. Es lebe die Ukraine.“

Bejubelt werden anschließend auch alle Schülervertreter, die den Sternmarsch innerhalb von zwei Tagen organisiert haben. Zuerst Charlotte vom Konrad-Duden-Gymnasium: „Ich möchte nicht schweigen müssen, wenn mich in 40 Jahren meine Kinder fragen, was ich damals gegen den Krieg in der Ukranie getan habe. Wir müssen uns solidarisieren mit den Menschen in der Ukraine. Aber auch mit den Unterdrückten in Syrien, in Afghanistan und anderswo. Wir schauen nicht weg und wollen diese Nachricht in die Welt tragen.“

Auch Fatima (Andreas-Vesalius-Gymnasium) findet klare Worte und bezeichnet Putin und seine Regierung als Kriegsverbrecher: „Wir hören die Opfer und stehen hinter ihnen.“ Fatima bricht eine Lanze für die Russen, die gegen den Krieg sind. „Auch diese Menschen sehen wir. Dass ihr hier mit uns ein Zeichen für den Frieden setzt, dafür sind wir so dankbar.“

Gleich drei Vertreter der Lauerhaas-Gesamtschule melden sich zu Wort. Robin beklagt, „dass der Krieg in der Ukraine unzählige unnötige Opfer fordert. Ich bin froh, dass wir ein gemeinsames Zeichen für den Frieden setzen“. Kriege könnten keine Konflikte lösen, meint Marufa. Sie sagt: „Wir erleben auch, dass aus Russland stammende Menschen bei uns angefeindet werden. Bitte bleibt fair im Umgang miteinander.“ Und Lisa verkündet, dass man demnächst Medikamente und Spielsachen sammeln werde.

„Wir glauben an den Frieden“, betont Patrizia von der Ida-Noddack-Gesamtschule und spricht damit allen aus der Seele. Philine und Paul von der Duden-Realschule beklagen, dass in der Ukraine unschuldige Menschen alles verlieren und vor allem Kinder die Bilder des Krieges nie mehr aus dem Kopf bekommen werden.

„Fürchterlich“ findet natürlich auch Pfarrer Christoph Kock (Evangelische Kirchengemeinde Wesel) den Krieg Putins und erinnert daran, dass vor 77 Jahren Wesel komplett zerstört wurde. „Damals war für alle klar: Nie wieder Krieg. Heute ist aber Krieg“, sagt er.

Pastoralreferentin Carolin Bösing (Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus) ist froh, dass die EU bereit ist, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen und für sie zu sorgen. Dass Menschen auf die Straße gehen und gegen den Krieg demonstrieren, „ist ein Zeichen, das Hoffnung macht.“ Sie und Kock laden für Sonntag, 18 Uhr, zum ökumenischen Friedensgebet in den Willibrordi-Dom ein. Vielleicht sind ja einige Schüler dabei.


Quelle: RP

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