100 Jahre KDG verabschiedet

KDG-Chef Dr. Heinzgerd Schott verabschiedete Walter Lohmann und Dr. Bernd Ahlfaenger (v.l.). Theo Löhl fehlte beim Kollegenfest. rp-foto: koster

Zwei Pioniere des bilingualen Unterrichts und einer der ersten Quereinsteiger gehen in den Ruhestand: Theo Löhl, Walter Lohmann und Dr. Heinz-Bernd Ahlfaenger

VON CORNELIA KRSAK

WESEL Abschied von drei Urgestei­nen: Zusammen haben sie 100 Jah­re am Konrad-Duden-Gymnasium unterrichtet. Jetzt gehen Studiendi­rektor Theo Löhl, Oberstudienrat Walter Lohmann und Studienrat Dr. Heinz-Bernd Ahlfaenger in den Ruhestand. Beim Kollegiumsfest zum Ende des Schuljahres wurden die drei Lehrer offiziell verabschie­det. Theo Löhl, der bei der Feier fehlte, hat am längsten am KDG un­terrichtet. Am 1. Februar 1972 trat er an. Genau ein Jahr später folgte Walter Lohmann. Der promovierte Chemiker Dr. Heinz-Bernd Ahlfa­enger kam am 1. August 1977 als ei­ner der ersten Quereinsteiger ans Gymnasium.

Zeit der Umbrüche

Löhl und Lohmann unterrichte­ten die Fächer Englisch und Ge­schichte. „Sie waren Pioniere des bilingualen Unterrichts", betonte Dr. Heinzgerd Schott. Der Schullei­ter erinnerte in seiner Festanspra­che an die politischen und gesell­schaftlichen Umbrüche in den 70er Jahren, die auch vor dem Schulbe­trieb nicht Halt machten. Früher sei die Schule vor allem durch die klas­sische Philologie geprägt worden.

Die Fächerkombination Englisch und Geschichte habe einen neuen Schwerpunkt gesetzt. „Theo Löhl hat damals auch als erster Lehrer an unserer Schule Sozialwissenschaf­ten unterrichtet", erzählte Schott. Auch stilistisch habe es Verände­rungen gegeben, so der Schulleiter. Während Löhl schon mal über Ak­tiengeschäfte und Pferderennsport diskutierte, spielte Lohmann jeden Samstag mit den Schülern Karten.

Theo Löhl, der kurzfristig erkrankt war, wurde bei der Abschiedsfeier schmerzlich vermisst. „Er ist be­kannt für seine köstlichen Anekdo­ten", verriet Schott. Außerdem habe Löhl sich sehr dafür einge­setzt, die Städtepartnerschaft Wesel-Hagerstown auf die Schulebene zu übertragen. Lohmann und Ahl­faenger wurden auch von ihren Fachkollegen mit Abschiedsgrüßen und Geschenken bedacht. Von Lohmanns legendären Einsätzen bei Klassen- und Kursfahrten bis zu Ahlfaengers Leidenschaft für das Kanufahren blieb keine Besonder­heit unerwähnt.

Von Langeweile wird wohl keiner der Pensionäre geplagt werden. „Es gibt noch viele Bücher zu lesen und CDs zu hören", so Lohmann (63). Außerdem will er sich mit Rad fit halten, an Kochkursen teilnehmen und Italienisch lernen. „Die Schü­ler werde ich am meisten vermis­sen", sagte Lohmann. Seine Dop­pelkopfkreise will er weiterführen. Dr. Ahlfaenger (62) freut sich auf, mehr Zeit für sein Enkelkind und fürs Paddeln: „Jetzt kann man auch mal andere Jahreszeiten nutzen."

INFO: Kleine Präsente

Der als Klassikfan bekannte Wal­ter Lohmann erhielt ein Schnupper-Abo des Musikvereins. Felix Raupp und Peter Palberg (Jahr­gangstufe 12) spielten für ihn ein Stück von Fernando Carulli auf der Gitarre.

Dr. Heinz-Bernd Ahlfaenger wurde mit spanischem Rotwein über­rascht.

 

Walter Lohmann (Mitte) und Bernd Ahlfaenger (rechts) wurden von Schulleiter Heinzgerd Schott von der Penne verabschiedet. (Foto: Johann Ridder in NRZ vom 21.6.2007)

100 Lehrerjahre

ABSCHIED. Theo Löhl, Walter Lohmann und Bernd Ahlfaenger vom Konrad-Duden-Gymnasium sind nun im Ruhestand.

WESEL. 100 Lehrerjahre am Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) sind Geschichte. Denn auch Pauker müssen ihre Schu­le irgendwann verlassen. Theo Löhl, Walter Lohmann und Dr. Bernd Ahlfaenger lehrten zu­sammen ein Jahrhundert lang am KDG. Gestern klemmten sie zum letzten Mal ihre Schul­tasche unter den Arm. Bereits am Dienstag verabschiedete das Kollegium die Lehrer.

„Überhaupt waren die 70er Jahre für das damals noch Staatliche Gymnasium am Herzogenring eine Zeit des Umbruchs", erinnert sich Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott. Nicht nur, dass sich der Ton zwischen Lehrern und Schülern merklich entspannte, Theo Löhl wurde der erste Leh­rer für Sozialwissenschaften am KDG. Zusammen mit Wal­ter Lohmann gab er Ge­schichtsunterricht in Englisch, damals eine Revolution.

Jetzt will Oberstudienrat Lohmann sein Italienisch, Spa­nisch und Französisch aufbes­sern. Oder einem Fahrradclub beitreten, vielleicht einen Kochkurs besuchen, sich lie­gen gebliebener CDs und DVDs widmen. „Langweilig wird mir nicht werden", weiß der Klassikfreund. Zwei seiner Schüler spielten zum Abschied klassische Musik. Felix Raupp und Peter Palberg griffen in die Gitarrensaiten. „Ich wollte es besser machen als meine Leh­rer", beschrieb Walter Loh­mann seine Motivation, den Lehrerberuf zu ergreifen. Gut für die vielen Schüler, die er auf unzähligen Klassenfahrten ger­ne begleitete. Um sich selbst den Abschied zu erleichtern, spielt er seit einigen Jahren mit ehemaligen Schülern und Ab­iturienten Doppelkopf.

Genau 30 Jahre unterrichte­te Bernd Ahlfaenger Chemie. Unüblich ist sein Anfang, er war als promovierter Wissen­schaftler, der erste Seiteneins­teiger am KDG. In seiner Frei­zeit ist er begeisterter Paddler, jahrelang leitete der Studienrat die Kanu-AG. Drei seiner Schüler paddelten später sogar als WM-Teilnehmer im Kanu. Für Tochter und Enkelkind in Bayern hat Ahlfänger nun end­lich mehr Zeit, der Schulgong holt ihn weder aus dem Kanu noch von den Skiern.

Theo Löhl konnte an der Fei­erstunde aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen, „er erzählte so wunderbare Ge­schichten", weiß Schott. Ver­dient gemacht hat sich der Stu­diendirektor um die Schulpart­nerschaft mit Hagerstown. Der Austausch ist so beliebt, dass in diesem Jahr nur ein Drittel der angemeldeten Schüler mitfah­ren konnte. (sts)

EHEMALIGE LEHRER

Mit dabei waren auch einige ehemalige Lehrer des Kon­rad-Duden-Gymnasiums, wie beispielsweise Ute Pürschel. Die Oberstudienrätin lebt mittlerweile im chinesichen Peking. Im Zuge der Vorberei­tungen für die Olympischen Spiele sei sie schon oft von Chinesen gefragt worden, was Deutsche mögen, berichtete sie.