Mädchen mit Willenskraft

- Ein Schlag, ein Schrei - schon ist der „Durchbruch" geschafft. Die Mädchen ringsum hatten Vertrauen in die Lehrmeisterin wie in die Mitschülerin und sind kaum erstaunt. (Foto: Gerd Hermann)
PROJEKT / Schule mal ganz anders: Wie man lernt, sich selbst zu vertrauen.
WESEL. „Ha!" Ein kurzer Schrei, die Hand saust herunter, und das Brett, das eben noch zwei Getränkekisten überbrückte, bricht entzwei. Gnadenlos zerschlagen - nicht etwa von einem Träger des schwarzen Gürtels, sondern von der elfjährigen Vanessa Bienert. „Das geht nur mit Spannung und Willenskraft", sagt Heilpädagogin Angela Wieser, die mit Sechstklässlerinnen des Konrad-Duden-Gymnasiums am Wochenende das Selbstbehauptungsprojekt „Mädchen wie wir" durchführte.
„Sich trauen" und vor allem „sich selbst vertrauen", sind für Angela Wieser die zentralen Erfahrungen des Projekts, bei dem die elf- und zwölfjährigen Mädchen nicht nur Bretter zerschlagen, sondern auch das Boxen und in Rollenspielen lernen, sich im Alltag zu behaupten.
Aus Alltagsproblemen, die die Teilnehmerinnen selbst erlebt haben, leitet Angela Wieser ihre Übungen ab. Eines der Mädchen ist im Bus beschimpft worden. In der Gruppe soll nun eine Lösung erarbeitet werden, was in einer solchen Situation zu tun ist. Auf dem Programm in der Sporthalle Nord stehen aber auch sogenannte Vertrauensübungen. Da müssen die Mädchen von einem Podest springen und sich blind auf die Partnerinnen verlassen.
Weiterhin will Angela Wieser „die soziale Kompetenz fördern". Jedes der Mädchen absolviert die Übungen mit verschiedenen Partnern. „So bauen sie Vorurteile ab". Nach der letzten Übung findet die Heilpädagogin: „Die Mädchen sind als Gruppe zusammengewachsen."
Und Spaß macht es auch noch
Den Teilnehmerinnen macht das Seminar großen Spaß. Das Bretter Zerschlagen ist für die beiden zwölfjährigen Mädchen Tamara Eigener und Hannah Schüller das Highlight. „Gar nicht schwer", finden sie. „Man muss sich nur konzentrieren."
„Selbstbehauptung fängt im Kopf an", weiß auch Leiterin Angela Wieser. „Es nützt die beste Technik nichts, wenn der Kopf nicht frei ist." Die stellvertretende Schulleiterin Renate Brützel zieht ein positives Fazit des Selbstbehauptungsprojektes am Konrad-Duden-Gymnasium. Wegen des großen Interesses habe die Schule mit Sponsor Gelsenwasser in diesem Jahr gleich zwei Projekte für Mädchen veranstalten können. Eine Woche zuvor haben bereits die Jungen der Jahrgangsstufe sechs ihr Seminar abgehalten. Sozialpädagoge Sven Kaldenberg legte das Gewicht dabei vor allem auf das Vermeiden von Gewalt.
MANUEL FREUTEN in NRZ vom 7. März 2005

