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Kein Wein von Aldi

Kursfahrt: Fahrradtour an der Mosel. An der Mosel? Kursfahrt? Allgemeines Naserümpfen.
Warum fahren wir nicht an den Gardasee? In die Sonne, schwimmen, nichts tun. Wir hatten die Wahl: Entweder Fahrradtour mit den begeisterten Fahrradfahrern Herrn Herloch und Herrn Bergkemper – oder eben keine Kursfahrt. Da lag die Entscheidung plötzlich auf der Hand und wir interessierten uns nur noch für Fahrradgepäcktaschen, Lenkerkörbe, Regenklamotten und Erste-Hilfe-Sets. Am 29. August starteten wir unsere Tour – an die Mosel! Früh aufgestanden, die letzten Sachen zusammengepackt, mit dem Rad zur Schule (erste Übung mit dem Gepäck zu fahren), erste Panne überstanden, Räder in den Hänger, rein in den Bus – und los ging’s!

Nach der dreistündigen Busfahrt kamen wir in Koblenz an. Ausgeladen, Gepäck aufgeladen, kurze Hosen angezogen, auf den Sattel… und 20m später, die 2. Panne! War ja klar, Fahrradtour an der Mosel, wie soll es auch anders sein?! Als die Panne behoben war und wir weitergefahren sind, stieg die Laune mit der Temperatur. Vor allem, als erste SMS von unseren Stufenkameraden angekommen sind, die immer noch im Bus zum Gardasee saßen. Leichte Schadenfreude machte sich breit, da sie diejenigen waren, die sich vorher über uns und unsere Fahrradtour lustig gemacht hatten:) Lediglich die Frage der Musik sorgte für Meinungsverschiedenheiten. Unseren Lehren missfielen die „Autistenstöpsel“ (Kopfhörer) sowie die Bässe der am Lenker oder Gepäckträger angebrachten Boxen, da sie die Kommunikation und Interaktion innerhalb der Gruppe störten. 40km an der Mosel entlang, wir hatten wir eine herrliche Aussicht! Angekommen in Cochem, einem typischen Touristen-Weinort stand nach dem gemeinsamen Abendessen beim Italiener der Besuch des Weinfestes auf dem Programm, auch eine tolle Erfahrung für uns Weselaner!

Doch früh am nächsten Morgen ging es auch schon weiter: Die härteste Etappe mit 80km stand an! Und dazu kam (angekündigt) der krönende Abschluss: Das Erklimmen (bzw. Hochschieben bzw. Hochschieben-helfen-lassen vom Ritter Wolfgang) des Berganstiegs zur Jugendherberge Bernkastel! Gemächlich gemütlich ging es los, an Weinbergen vorbei, an der Mosel, an Weinbergen, an der Mosel, Schleife um Schleife, Örtchen um Örtchen, nur unterbrochen von der Panne von Anne (und ihrem platten Hinterreifen). Die Gruppe verstand sich immer besser und die verschiedenen Stories des vorangegangenen Abends wurden ausgetauscht. Mittlerweile waren alle heilfroh, die Moseltour mitmachen zu können, weil sie nicht ständig im Bus sitzen wollten und somit das tolle Wetter genießen konnten. Lediglich zur Mittagszeit jenes Tages erlitt die allgemein gute Laune ein „kleines“ Tief. Wir „wollten“ die Marienburg besichtigen, die auf gefühlten 27,3 Höhenkilometern lag! Wir sind fast gestorben, von innen ausgetrocknet, haben Schweißpfützen hinterlassen und haben geflucht (milde ausgedrückt). Oben angekommen half nur noch eine Wasserschlacht gegen die lila angelaufenen Köpfe und Traubenzucker für den Kreislauf. Doch das Beste kam noch: Wir durften den Weg wieder herunterfahren, da eine Wegänderung aufgrund unserer immensen Ausdauerfähigkeit :) anstand (das heißt, wir sind den Weg UMSONST hochgefahren und haben noch mehr geflucht!) Aber die Abfahrt machte einiges wieder wett. Jetzt machte nur noch das „Rollköfferchen“ eines Mitschülers in Pfützen und Schlaglöchern sowie auf Schotterwegen Probleme. Doch auch das konnte die Laune nicht mehr trüben. Mittlerweile sah man schon die Sonnenspuren auf unseren jetzt schon viel strafferen, muskulösen Beinen. Muskelkater hatte keiner, lediglich der Po litt ständig trotz oder vielleicht gerade wegen des Hydro-Gel-Sattels. Kaum hatten wir den Schock „Marienburg“ überstanden, waren wir schon in Bernkastel-Kues, wo wir die angekündigte Jugendherberge schon zu unserem Grauen leicht auf einem Berg, ähnlich dem Mount Everest, erkennen konnten. Neben einer schönen Ritterburg. Der Tipp unseres Lehrers lautete: „Trinkt jetzt noch mal ordentlich. Ihr werdet in der nächsten halben Stunde 1, 5l Wasser ausschwitzen.“ Und er hatte dabei noch untertrieben…
Der Anstieg erschien uns noch viel länger als der zur Marienburg, doch Wolfgang hat den Mädchen als Einziger geholfen und ist damit für uns zum Ritter geschlagen worden. Nach dem gemeinsamen Abend­essen ließen wir den Abend auf dem Berg mit einem wunderschönen Ausblick auf die Mosel ausklingen.

Gut ausgeruht und immer noch ohne Muskelkater ging es am dritten Tag wieder auf dem Sattel weiter. Das heutige und endgültige Ziel für unsere Fahrradtour war nach 65km Trier. Nachdem wir an Weinbergen, weiteren Orten mit Weinfesten und der idyllischen Mosellandschaft, die uns nun schon zu genüge vertraut waren, schon ein drittes Mal vorbeigefahren sind, war es sehr schön die alten Stadtmauern von Trier zu sehen. Außerdem erschien es schon luxuriös, die Gepäcktaschen auspacken zu können und für drei Nächte an einem Ort zu bleiben. Nun lag es an Herrn Herloch, dem gebürtigen Trierer, uns die besten Plätze, die schönsten Ecken, die leckerste Dönerbude und die berühmt-berüchtigte Studentenkneipe „Astarix“ zu zeigen, wo wir unter anderem unsere Abende verbrachten.

Am nächsten Tag nahmen die meisten von uns nach der Domführung und dem Besuch der Katakomben eine weitere Steigung auf sich. Dieses Mal ging es zur Mariensäule (der Name und die Steigung riefen Erinnerungen wach), wo der Ausblick und der „Viez“ (ein moseltypischer Apfelwein), ausgegeben von Herrn Herloch, uns für die erneute Mühe entschädigten. Die anschließende Abfahrt toppte die bisherigen Gefälle, was leider auch zu Pannen, hervorgerufen durch heiße Bremsen, und zu abgenutzten Reifen führte. Der Rest beobachtete das Spektakel mit Gelächter und Schadenfreude.

Der folgende Tag (Freitag) war wohl der Höhepunkt für unseren Lehrer und Weinkenner/-liebhaber: der Besuch bei seinem Lieblingswinzer Biedinger. Nachdem wir zum ersten Mal IN einem Weinberg waren, ging es anschließend in den Weinkeller. Abgerundet wurde dies von einer Weinprobe, die allgemein guten Anklang fand. Auf dem Weg zurück zum Kolpinghaus wurde uns plötzlich bewusst, dass der letzte Abend schon kurz bevorstand: Diese fünf Tage vergingen wie im Fluge und alle hätten gerne noch mal die Zeit drangehängt. Zum Abschluss trafen wir uns im Schlosspark, bei dem der Aldi-Wein für 1,59€ mit Schraubverschluss dem Biedinger-Riesling Konkurrenz machte. (Herr Herloch konnte überhaupt nicht verstehen, wie man in solch einem bekannten Weingebiet so einen „Mist“ trinken kann.) Die Nacht war entsprechend kurz und am nächsten Morgen fuhren wir leider schon wieder Richtung Wesel. Auf der Busfahrt wurde fehlender Schlaf nachgeholt und es war ein komisches Gefühl, das Wochenende ohne die Mathefreaks verbringen zu müssen. Seit der Kursfahrt ruft das Wort „Mosel“ schöne Gefühle und Erinnerungen bei uns hervor, die wir uns vorher nicht hätten vorstellen können. Es war eine unvergessliche Kursfahrt, was sich direkt in der nächsten Matheklausur bemerkbar machte. Denn was waren wohl die Lösungswörter der Verschlüsselungsmatrix?

TRIER    BIEDINGER    RIESLING :)

Vielen Dank, Herr Herloch! Vielen Dank, Herr Bergkemper!

Für KDG INFORMIERT: Regina Wallis und Janna Goedecke, 13