BEGEGNUNG / Schüler und Zeitzeugen unterhielten sich über Erlebnisse im Luftschutzkeller.
"Alle hatten wahnsinnige Angst"
Von MICHAEL TUREK
WESEL. Mit ihren Eltern haben sie nie ausführlich darüber reden können. Über die Erlebnisse im Luftschutzkeller während der Bombenangriffe im Jahre 1945. Mit Schülern des Konrad-Duden-Gymnasiums sind sie gestern ins Gespräch gekommen, bei der letzten Veranstaltung der Reihe "Tage der Begegnung" im Preußen-Museum, die Werner Abresch angeregt und organisiert hatte.
Die damalige Zeit besser begreifen können - das war ein Motiv für Abresch, die beiden Generationen an einen Tisch zu holen. Das erste Mal von den verheerenden Bombenangriffen hat ein Schüler vor einigen Jahren erfahren. Als 1995 der Zerstörung der Stadt Wesel gedacht wurde, habe er in der Schule einen Film gesehen. Ein anderer Schüler erinnerte sich an den Besuch einer Ausstellung über die Zerstörung der Stadt in der Bücherei. Von der Oma hat ein weiterer Schüler von den Bombenangriffen erfahren, "Beim Lippeschlösschen stand ihr Haus, sie waren im Keller als das Haus getroffen wurde", berichtete er. Sie seien verschüttet worden, konnten den Keller wieder verlassen. Ein Sohn seiner Oma habe aber den Angriff nicht überlebt.
Für die Weselerin Elisabeth Eberhardt war die Zeit im Bunker die schlimmste in ihrem Leben. In Wanne-Eickel hat sie mehrere Bombardements in Bunkern miterlebt. "Notbeleuchtung und eine fürchterliche Luft", berichtete sie. Auch die Angriffe auf Wesel hat sie erlebt. Zehn Jahre war sie alt, wohnte mit ihren Eltern und Geschwistern in einem Haus an der Caspar-Baur-Straße. Die Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite hatten bereits bei vorherigen Angriffen Treffer abbekommen. Als am 16. Februar 1945 erneut die Sirenen heulten, kamen auch viele Fremde zu ihnen in den Keller. Unter ihnen auch ein Pfarrer, der pausenlos betete. 20 Minuten dauerte der Angriff. Eine Bombe zerstörte das Haus, dennoch sind alle unverletzt aus dem Keller gekommen. "Der Keller stand noch, die vordere Fassade auch, hinten war alles platt", erzählte Eberhardt.
Zuflucht fand die Familie in der Feldmark, erlebte hier die beiden weiteren Bombenangriffe am 18. und 19. Februar 1945. Danach zog die Familie zu Verwandten nach Wulfen. Aber auch dort holte sie der Krieg ein. Das Haus der Verwandten, bei dem die Weseler Unterschlupf fanden, bekam einen Volltreffer. "Ich war zu diesem Zeitpunkt in der Kirche. Meine Mutter starb, mein Vater wurde schwer verletzt." Danach haben Verwandte in Wanne-Eickel die Zehnjährige aufgenommen. "Als würden große Maschinen den Erdboden durcheinanderbringen", schilderte die Weselerin Arm Maria Kerkhoff ihre Kriegserlebnisse. "Alle hatten wahnsinnige Angst", fügte sie hinzu. Der Kellerraum, den sie bei Alarm aufsuchten, war mit dicken Stempeln abgestützt. Sie stimmte mit den anderen Zeitzeugen überein, dass die Jüngeren die Staatsform der Demokratie schätzen und gestalten sollten. Allerdings sei die Demokratie kein Schutzschild gegen Krieg.
Im Februar 1945 wurde Wesel mehrmals bombardiert. Über diese Erlebnisse unterhielten sich gestern Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums und Zeitzeugen.
Aus: NRZ vom 9. Juli 2003, NRZ-Foto: Johann Ridder

