Schule - ein großes Abenteuer
WESEL. Die Hitze machte den Schülern nichts aus. Ausgelassen tanzten sie bei der Sister-City-Disco im Konrad-Duden-Gymnasium. So wird halt gefeiert, wenn Schüler der Partnerstädte Hagerstown und Wesel aufeinander treffen. Dabei fiel einem US-Boy auf: "Die Deutschen tanzen ganz anders als wir." Außerdem meinten Brenna Bacon und Leslie Schoeck, dass die Musik älter sei: "Das ist aber nicht schlimm." Dabei hatte DJ Werner Breitscheid alle Top-Ten-Hits aus den USA auf Lager - "die sind aber nix für unser Publikum", fand er.
Solche kleinen Unterschiede zwischen der Heimat und Deutschland sind es, die den Gastschülern aus Maryland auffallen und an die sie sich schnell gewöhnen werden. Das tun sie gerne, schließlich ist die deutsche Schule "viiieeel einfacher", und die Mädchen sind "viiiieeel prittier", wie Andrew Widmeyer meinte.
Und was gefällt den 20 Sophomores and Juniors, also Zehnt- und Elftklässlern, am besten in Wesel? "Beer" und "Kornmarkt" lautet die einhellige Antwort. Auch wenn ihnen das Bier gefällt, gibt es etwas, dass den Ostküstlern gar nicht schmeckt: "You're gonna loose" (Ihr werdet verlieren) prophezeien sie für das WM-Fußballspiel am Freitag. 2:1 lautet die Prognose. Genauso wie bei den deutschen Partnern - nur mit einem anderen Sieger. "Darüber streiten werden wir aber nicht, sondern das Spiel gemeinsam sehen", sagt der 16-jährige Henning Kleem. Als er im letzten Jahr in Hagerstown war, hat ihn der "American way of life" am meisten beeindruckt. Deshalb will er seinem Partner Adam nun die "German friendliness" und das Land zeigen.
Gestern stand der Schulbesuch auf dem Programm. So ein Weseler Schultag ist für den Durchschnittsamerikaner völlig fremd: Mit dem Fahrrad, nicht mit dem Auto zur Schule, dort eine "lockere" Atmosphäre und dann nur bis 13 Uhr... "But it's such a big adventure" ("es ist ein großes Abenteuer"), sagen die Freunde Michael Hess und Chris Remavege.
Von Carolin Reintjes aus NRZ vom 19.6.2002. Foto: Markus Weißenfels


