Eine große Chance, Weltbürger zu werden

WESEL. Takahiro Ogawa ist 17 Jahre alt und stammt aus Kobe (Japan). Im September vergangenen Jahres kam er als Austausschüler an das Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) in Wesel. Aufgenommen hat ihn eine Gastfamilie aus Bislich. Da Takahiro erst seit September Deutsch lernt, ist es für ihn nicht leicht, ein ganzes Interview auf Deutsch zu führen. RP-Mitarbeiter Steffen Berner unterhielt sich mit ihm daher auf Englisch. Hier aber kommt natürlich die Übersetzung:

Takahiro, warum hat es dich gerade nach Deutschland gezogen?

Ich habe sehr großes Interesse an deutschen Umweltschutzprogrammen. Wie man weiß, leidet die Erde unter unserer Art zu leben, das muss sich ändern. Deutschland ist in der ganzen Welt dafür bekannt, dass es in dieser Hinsicht große Anstrengungen unternimmt.

Du interessierst dich also für den Umweltschutz?

Ja, sehr. Ich möchte mich später mal beruflich mit Umweltpolitik beschäftigen und mein Wissen für Japan einsetzen.

Kommen wir zu einem anderen Thema. Du hast das deutsche Schulsystem kennengelernt, wie unterscheidet es sich vom japanischen?

An fast allen japanischen Schulen gibt es Schuluniformen. Außerdem dürfen wir nicht so viele Fächer frei wählen, die meisten sind vorgeschrieben. Die Regeln an unseren Schulen sind viel strenger. Moral und Manieren werden hochgehalten. Nach dem Unterricht müssen wir immer unsere Klassenräume sauber machen.

Wie gefällt es dir denn bei uns?

Die Lehrer und Schüler am KDG sind alle sehr freundlich zu mir. So viele Menschen helfen mir hier, ich weiß gar nicht, wie ich ihnen danken soll. Ich würde gerne in Deutschland leben, denn die deutsche Gesellschaft ist viel flexibler als die japanische. Flexibles Denken wird in der Zukunft sehr wichtig sein, da die Welt immer näher zusammenrückt. Ausschließlich japanisches Denken wird nicht akzeptiert. Mein Aufenthalt in Deutschland bietet mir die große Chance, zu einem Weltbürger zu werden.

Gibt es auch Sachen, die du nicht magst?

Mich stört, dass hier so viele Menschen, gerade Schüler, rauchen. In Japan ist das Rauchen erst ab 20 Jahren erlaubt. In der Öffentlichkeit ist es fast überall verboten. Wenn ein Schüler beim rauchen erwischt wird, kann er sogar von der Schule ausgeschlossen werden.

Wann fährst du nach Hause zurück und was wirst du als erstes tun, wenn du in Japan angekommen bist?

Ich fahre im Juni. Zuhause werde ich erstmal einige Dankesbriefe schreiben.

Das Interview. Aus: RP von Freitag, 31.März 2000