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Konrad, hilf

- die Schulwahl droht!

Die Zeit der Entscheidung naht. Für manchen keine leichte Phase. Collage: dibo

Eine ganz spezielle Nutzung der Weihnachtspause: Nachdenken über die passende Penne. Dirk Bohlen in DER WESELER vom 19.12.2007, S. 17.

Kreis Wesel. Au weia, für unseren Prinzen ist die Grund­schule bald passe. Vor kurzem war Tag der offenen Tür an der weiterführenden Schule. Der hat uns mit sowas von gemischten Gefühlen zurückgelassen. Da bleibt einem die Spucke weg.

Wie soll ein zarter Zehnjähri­ger hier bloß überleben, frisch entlassen aus der wohlbehüteten Dorfschule mit 200 Kindern? Wie soll sich der arme Kerl zu­recht finden unter knapp 1300 Mitbewerbern um die wirklich geilen Jobs. Unter 70 Lehrern auf einem augenscheinlich meh­rere Quadratkilometer großen Terrain in einer ihm völlig frem­den Stadt. Konrad Duden hilf -ich habe Schiss!

Die drei Stunden der offenen Tür verlaufen angenehm. Vorab die Einführung der Eltern durch einen freundlich und ausge­glichen wirkenden Direx. Mit butterweichen Worten erklärt er dem Auditorium, wie sich die Kids ab der Klasse 5 durch ihre gefühlten 48 Wochenstunden ar­beiten sollen.

Mein Sitznachbar schaut mich des Öfteren betroffen an. Er hat genauso viel Muffe wie ich.

Nämlich davor, dass sein holder Sprössling ab August 2008 vor lauter Hausaufgaben, Schul-AGs, Busfahren und Klausur-Vorbereitung in den nachfol­genden acht Jahren keine Zeit mehr hat, in Ruhe aufs Klo zu gehen. Geschweige denn für Fußball und Freunde. Und als der Direx da vorne sagt, wenn das so komme, dann laufe etwas nicht richtig, kann uns das auch irgendwie nicht beruhigen.

Die anschließende Führung entlang der Infrastruktur des Gebäudes beeindruckt alle Erst­besucher mächtig. Sogar jene, die sich hier selber vor über 30 Jahren anquälen mussten, sind positiv überrascht von Angebot und Ausstattung. Erinnerungen malträtieren plötzlich meine Gehirnwindungen. Szenen vom Unterricht in der Kindheit. Ge­sichter von doofen, klugen, un­gerechten und coolen Lehrern ziehen an meinem geistigen Au­ge vorbei.

Ich verstehe längst nicht alles, was von der Frau da vorne (die Stellvertreterin vom Direx) über Erprobungsstufe, Stundentafel, „CertiLingua" und „allgemein­bildende Profile" gesagt wird. Bloß gut, dass sich bei einigen meiner Bekannten, die ich hier treffe, ebenfalls die grauen Wei­ten eines leergefegten Verständ­nis-Bahnhofs offenbaren.

Kurz darauf, von allen Seiten das unvermeidliche „UND?". Ein halbseidenes ,,Is' schon toll hier" entfleucht meiner trocke­nen Kehle. Hab' ich das wirklich so gemeint? Post-informative Lethargie macht sich breit. Was ist jetzt eigentlich Am­bach? Der Wunsch unseres Prinzen, mit möglichst vielen Klassenkameraden auf dieselbe Schule zu gehen? Oder die Re­putation der Einrichtung unserer Wahl, die womöglich der erste Schritt in Richtung der eingangs erwähnten geilen Jobs sein könnte?

Mannomann, wie geht's jetzt weiter? Fragen über Fragen. Ach, wir verschaffen uns erstmal ein Entscheidungs-Alibi und be­suchen einen weiteren Tag der offenen Tür. Nach Bocholt? Holla, die Waldfee, is' das weit weg. Da verkümmern wir in der nächsten Dekade doch zum Chauffeur - oder?!! Aber is' eigentlich auch egal. Irgendwie tendiert man ja eh' zur Heimat. Mal sehen, was sich bis zum Meldetermin noch so ergibt. Wann ist der überhaupt? Kurz nach Karneval? Echt närrisch! Wo ist überhaupt unser Prinz?

Falls Sie nach diesem Artikel nicht schlauer sind als zuvor -herzlichen Glückwunsch! Dann geht es Ihnen nämlich genau so wie mir.