Schreckt Ganztag ab?

- Dr. Heinzgerd Schott, Chef des Konrad-Duden-Gymnasiums RP-F0T0: ARCHIV
INTERVIEW Wie andere Gymnasien im Land, die den verpflichtenden Ganztag einführen, verzeichnet auch das Konrad-Duden-Gymnasium sinkende Anmeldezahlen. Infoabende in Grundschulen sollen den Trend stoppen.
WESEL Im Vergleich zum Vorjahr haben sich deutlich weniger Grundschüler für die Jahrgangsstufe fünf am Konrad-Duden-Gymnasium angemeldet. Über mögliche Gründe und Konsequenzen sprach RP-Redakteur Klaus Nikolei mit KDG-Direktor Dr. Heinzgerd Schott.
Noch vor gut einem Jahr lagen die Anmeldezahlen in beiden Weseler Gymnasien bei rund 140. 14 sind's jetzt beim AVG weniger, 25 bei Ihnen. Haben Sie als künftig vom Land geförderte Ganztagsschule nicht eher mit steigenden Anmeldungen gerechnet?
Dr. Schott: Der Ganztag, mit dem wir ab Sommer 2010 beginnen, ist möglicherweise kein Wettbewerbsvorteil. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch in Moers ab, wo das Gymnasium Rheinkamp schon in diesem Jahr Ganztags-Gymnasium wird. Ich hatte jetzt ein Gespräch mit einem Vertreter der Düsseldorfer Schulaufsicht, die diesen Trend bestätigt. Es sieht so aus, als seien viele Eltern bei diesem Angebot noch verunsichert.
Worauf führen Sie das zurück?
Dr. Schott: Das müssen wir jetzt in Gesprächen mit Eltern herausfinden. Viele haben noch nicht erkannt, dass die Schulzeitverkürzung an Gymnasien - G 8 - in jedem Fall mit Nachmittagsunterricht verbunden ist. Das klassische Halbtagsgymnasium bis 13 Uhr gibt es schon jetzt nicht mehr. Ganztagsschulen bekommen aber 20 Prozent mehr Lehrer. Das ist sicherlich ein deutlicher Vorteil.
Welche Vorteile bietet der verpflichtende Ganztag sonst noch?
Dr. Schott: Wir können mehr individuelle Förderung anbieten. Nicht nur für Kinder, die zusätzliche Hilfen brauchen. Auch die, die mehr lernen möchten, bekommen vielfältige Angebot: Vom Computerschreiben über das Erlernen eines Musikinstrumentes bis zum Sport. Dazu gehen wir Kooperationen ein mit VHS, Musikschule und Sportvereinen.
Und um die Eltern zu erreichen, wollen Sie in den Grundschulen Präsenz zeigen?
Dr. Schott: Ja, das haben wir vor. Wir möchten uns und unser Konzept bei Infoveranstaltungen der Grundschulen vorstellen. Es ist wichtig, dass wir den Eltern alle Möglichkeiten aus erster Hand erklären. Ich persönlich sehe nach wie vor den gebundenen Ganztag als zukunftsweisend an. Offensichüich ist aber der Eindruck entstanden, dass auf die Kinder zusätzliche Belastungen zukommen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.
„20 Prozent mehr Lehrer - das ist sicher ein deutlicher Vorteil"
Nochmal zu den Anmeldezahlen. Die sind, was Seiteneinsteiger in die Oberstufe betrifft, am KDG zwar konstant. Aber im AVG werden sicherlich mehr als doppelt so viele Seiteneinsteiger ihre Schullaufbahn fortsetzen.
Dr. Schott: In unserer Klasse elf haben wir derzeit 20 Seiteneinsteiger -deutlich mehr als früher. Das hängt auch mit der Arbeit unseres neuen Oberstufenkoordinators zusammen. Die ehemaligen Realschüler werden in den Hauptfächern gemeinsam unterrichtet und in Mathematik und Englisch besonders gefördert. Dass sich am Andreas-Vesalius-Gymnasium mehr Seitensteiger angemeldet haben, hängt wohl auch damit zusammen, dass die Realschule Mitte doppelt so viele Schüler hat wie die Duden-Realschule. Deren Schüler nehmen außerdem die Möglichkeit eher wahr, ihre Abitur am Berufskolleg in der Feldmark zu machen.
INFO Anmeldezahlen
Gesamtschule Am Lauerhaas: 215 für Klasse fünf (145 Kinder wurden angenommen), 35 für die Oberstufe.
Realschulen: 92 (Mitte), 51 (Konrad-Duden) Martini-Hauptschule: 52
Gymnasien: Andreas-Vesalius-Gymnasium: 132, Seiteneinsteiger für die Oberstufe: 91; Konrad-Duden-Gymnasium: 117, Seiteneinsteiger für die Oberstufe: 16

