NRZ, 26.10.2026, von Liv Schwarzer
Wesel. Der Zirkus Butterfly probt für seine große Gala. Im November treten 33 Schülerinnen und Schüler des KDG in Wesel auf. Was das Publikum erwartet.
In der einen Ecke der Sporthalle fliegen die Keulen durch die Luft – und manchmal auch noch auf den Boden. Auf einem höher gelegten Einrad umkreist ein Mädchen die Jonglierenden. Über die gesamte Sporthalle verteilt, proben Schülerinnen und Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums in Wesel akrobatische Hebefiguren, waghalsige Luftartistik oder synchrone Partnerjonglage. Bis Donnerstag, 12. November, müssen die Nummern sitzen. Dort, wo sonst Vereine trainieren und der Sportunterricht abgehalten wird, entsteht an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Manege des Zirkus Butterfly.
Wesel: Intensivtraining des Zirkus Butterfly hat begonnen
Gerade nimmt die Vorbereitung an Intensität zu: In der zweiten Herbstferienwoche proben die jungen Zirkusartistinnen und -artisten täglich etwa sechs Stunden. Im Intensivtraining geht es darum, die Bewegungsabläufe und Choreografien zu verinnerlichen. In gewöhnlichen Schulwochen trifft sich die Zirkusgruppe des KDG einmal für etwa eine Stunde. Florian Bertling betreut das Projekt gemeinsam mit Dorothee Seesing-Kirfel. 2013 übernahm das Duo die „Zirkusleitung“. Mittlerweile blickt der Schul-Zirkus auf eine 35-jährige Tradition zurück. Anfangs vor allem auf Akrobatik ausgerichtet, sei das Repertoire an Programmpunkten immer weiter ausgebaut worden, wie Bertling von seinen Vorgängern weiß.
Vieles habe ich auch erst hier gelernt.
Florian Bertling, Lehrer am KDG Wesel und Leiter des Zirkus Butterfly
Für die kommende Show stehen insgesamt 18 unterschiedliche Nummern an. Darunter diverse Formen der Jonglage, vier verschiedene Arten der Luftakrobatik und das Double-Dutch-Springseil, bei dem zwei Seile zur gleichen Zeit in der Luft schwingen. 33 aktive Mitglieder von der siebten bis zur dreizehnten Klasse sowie einige Ehemalige gestalten den Zirkus Butterfly. Den alters- und klassenübergreifenden, beinahe familiären Zusammenhalt in der Gruppe schätzt Bertling. „Wenn jemand ausfällt, finden sie gemeinsam eine Lösung und vor der Gala nehmen die Älteren den Neuen das Lampenfieber“, beschreibt der Lehrer für Mathematik und Physik das Miteinander.
Dass er den Zirkus leitet, kommt nicht von ungefähr: Der Lehrer aus Rhede lernte vor vielen Jahren in einem Workshop, wie man jongliert – und verlor die Begeisterung bis heute nicht. „Vieles habe ich aber auch erst hier gelernt“, gesteht Bertling, „das haben mir die ehemaligen Schülerinnen und Schüler beigebracht.“
Kostüme nach Maß: Modedesignerin wirkt an Weseler Schul-Zirkus mit
In der Mitte der Halle machen sich die Gruppe der Keulen-Artisten bereit. Zum Rhythmus von Michael Jacksons „Smooth Criminal“ schleudern sie die an Bowling-Pins erinnernden Jongliergeräte zueinander oder in die Luft. Einen Teil ihres Kostüms – weiße Stoffhandschuhe und schwarze oder weiße Hüte – tragen sie dabei bereits, auch wenn es bis zu den General- und Kostümproben noch einige Tage sind. „Das verändert das Sichtfeld und Greifen“, ordnet Bertling ein. Als ausgebildete Modedesignerin trägt Co-Zirkusleiterin Dorothee Seesing-Kirfel die Verantwortung für die Outfits. Die etwa 80 bis 90 Kostüme je Show – für jede Nummer steht ein Wechsel an – schneidert sie auf Maß.
In der Entwicklung der Choreografien und Kunststücke haben die Schülerinnen und Schüler weitestgehend freie Hand. Viel Inspiration stamme heute aus den sozialen Medien. Erste Ideen entwickele man dann weiter, wähle die passende Musik zur Nummer und zum Thema der Show. „Und dann wächst die Nummer eigentlich von selbst“, so der KDG-Lehrer. Merkmale einer „guten Nummer“: Sie sollte unterschiedliche Ideen verbinden, kurzweilig und nicht statisch sein.
Zirkus Butterfly aus Wesel teilte die Bühne mit Flic-Flac-Artisten
So viel Aufwand, Schweiß und Training für drei Galas alle zwei Jahre? Von wegen: „Wir werden immer wieder angefragt“, berichtet Bertling. Dazu zählen schulinterne Veranstaltungen wie der Tag der offenen Tür, aber auch externe Events. So trat der Zirkus Butterfly mit einzelnen Nummern bereits auf Schützenfesten, bei der Weseler Kulturnacht wie auch an Schülerwettbewerben des Landes NRW in Düsseldorf auf. Auch im bekannten Zirkus Flic Flac gastierte der Weseler Schul-Zirkus bereits. Die Herausforderung dabei sei es, Choreografien voriger Nummern weiterhin zu trainieren und gleichzeitig bereits für ein neues Programm zu proben, erklärt Bertling. Sein neues Programm stellt der Zirkus Butterfly erst zur jeweiligen Zirkusgala vor.
Auf die „Expedition ins Unbekannte“, so das diesjährige Motto der Show, können sich Zirkusbegeisterte am 12., 13. Und 14. November mit dem Zirkus Butterfly in der Sporthalle Nord am KDG (Barthel-Bruyn-Weg 52) begeben. Am Donnerstag beginnt die Gala um 18 Uhr, Freitag und Samstag jeweils um 19 Uhr. Tickets sind zur Schulzeit bis etwa 11.45 Uhr in der Cafeteria des Konrad-Duden-Gymnasiums, an der Lottokasse von Edeka Komp in Lackhausen sowie online unter zirkusbutterfly.com erhältlich. Schülerinnen, Schüler und Kinder zahlen acht Euro, Erwachsenen zehn Euro.
