NRZ, 20.05.2026, von Julia Marie Braun, Redakteurin

Wesel. Sie sind in einer respektablen Sache unterwegs. Die Klasse 6f des Konrad-Duden-Gymnasiums zieht um die Häuser in Wesel – und es geht um eine Wette.


Die Schülerinnen und Schüler der 6f vom Konrad-Duden-Gymnasium arbeiten Hand in Hand und zeigen ihre Ausbeute.© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Um die Häuser ziehen, weil sie die Nacht durchmachen und feiern wollen: Dafür sind die Sechstklässlerinnen und -klässler des Konrad-Duden-Gymnasiums noch zu jung. Aber die 6f zieht auch aus ganz anderen Gründen „um die Häuser“, wie sie berichtet. Denn gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Lennardt Bömer sammeln die Jugendlichen Elektroschrott, damit die Rohstoffe darin wiederverwendet werden können. Das schont die Umwelt. Und ist Teil eines Wettbewerbs, des sogenannten E-Waste-Races, bei dem andere Klassen aus dem ganzen Kreis Wesel mitmischen. Insgesamt drei Weseler Schulklassen sind dabei.

In einer Kiste aus stabiler Pappe, die die Schülerinnen und Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums auf ihre Tour durch die Schul-Nachbarschaft mitnehmen, platzieren sie den Schrott. Alte Kabel sind darin, sie bekommen eine Spielekonsole und sie bringen einen Laptop mit zurück. „Ist das neues Zeugs?“, fragen die, die auf dem Schulhof an der Sammelstelle die Stellung gehalten haben. Die Jugendlichen, die „um die Häuser gezogen sind“, nicken. „Geil“, hört man die anderen sagen. Sie sammeln seit Ende April Elektroschrott, einen Monat war Zeit, jetzt ist also Endspurt angesagt.

Die Klasse mit Geschichtslehrer Lennardt Bömer (vorne links).
© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Wesel: KDG sammelt Elektroschrott – diese Bedingungen muss er erfüllen

Die Jugendlichen beginnen, die alten Elektroteile zu sortieren. Sie prüfen: Ist das Elektroteil größer als 50 Zentimeter breit oder hoch? Hat es noch eine Batterie oder einen Akku? Ist Quecksilber darin? Diese Fragen sind wichtig, denn Batterie und Co. Müssen getrennt gelagert und vorsichtig behandelt werden, um Brände zu verhindern. Zu große Geräte dürfen nicht im Wettbewerb abgegeben werden, genauso wenig wie Material, das mal einem Unternehmen gehört hat. Verboten sind zudem Leuchtmittel. „Nur Lichterketten dürfen gesammelt werden“, sagen Marie, Lena und Clara. Sie berichten: „Wir testen die Sachen vorher.“ Dann wird katalogisiert.

Jedes Gerät gibt Punkte. So können für Kabel zehn Punkte vergeben werden, für Laptops, Monitore oder Computer sind es 40 Punkte, Telefone und Smartphones geben 30 Punkte. Alles wird in einer Liste eingetragen, abfotografiert, an „Herrn Bömer“ geschickt und dann täglich übermittelt. Die Punkte werden schließlich durch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler geteilt. 24 Kinder sind in der Klasse, die zurzeit mit 175 Punkten auf Platz sieben liegt.

Lennardt Bömer, Lehrer am Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel:

Ich bin überrascht, wie engagiert die Schüler sind, und sehr stolz.

Diese Elektrogeräte wurden am KDG in Wesel gesammelt

Gesammelt haben sie schon einiges: Mikrofone, Kassettenrekorder, Taschenrechner, Fusselrasierer, Schienen einer Modelleisenbahn, einen Toaster oder Feuermelder. Die Auswahl ist groß. Gesammelt wird jeden Morgen zwischen 7.40 Uhr und 8 Uhr auf dem Schulhof. Da stehen dann jeweils Schülerinnen und Schüler der 6f bereit, um Elektroschrott anzunehmen. Dieser Nachmittag, an dem sie „um die Häuser ziehen“, ist eine Ausnahme: Da haben sie für die Familien, Nachbarn und andere auch nach der Schule „geöffnet“ gehabt. Eine Mutter und der kleine Bruder eines Schülers haben das Angebot gleich genutzt, aber sie waren nicht die einzigen.

Das sind unter anderem Geräte, die abgegeben worden sind. Darunter eine Schiene einer Modelleisenbahn.
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„Ich schätze, wir haben da genauso viel gesammelt, wie in den gesamten zwei Wochen zuvor“, berichtet Lennardt Bömer, der Lehrer, der die Aktion mit der Klasse initiiert hat. „Ziel ist es, brauchbaren Elektroschrott zu sammeln“, sagt er. Dafür sind Mats, Felix und noch einmal Mats auch in Wesel-Blumenkamp „um die Häuser gezogen“. Felix berichtet: „Wir haben da Plakate aufgehängt.“ Auf denen haben sie für ihre Sammelaktion geworben. Der Geschichtslehrer am Konrad-Duden-Gymnasium sagt: „Ich bin überrascht, wie engagiert die Schüler sind, und sehr stolz.“ Auch die Schülerinnen und Schüler wirken stolz, wenngleich der erste Platz etwas weiter entfernt ist.

„Gewinnen ist super“, ein anderer Punkt steht aber im Fokus beim E-Waste-Race

auch um etwas anderes. Sie machen das für die Umwelt. Dem stimmt seine Klasse zu, einer seiner Schüler sogar in einem Tagebuch, in das die 6f abwechselnd täglich hineinschreibt. Er sagt darin: „Ich hoffe, dass es weiter so läuft, da wir es nicht nur für uns machen, sondern für die Umwelt und für die anderen Menschen.“

Abgegeben werden muss der Elektroschrott noch spätestens bis Mittwoch, 27. Mai. Dann endet der Wettbewerb. Auch eine Klasse der Ida-Noddack-Gesamtschule und der Gesamtschule Am Lauerhaas in Wesel nehmen am E-Waste-Race teil.