NRZ, 10.06.2026, von Hannah Klimek

Wesel. Die Klasse 7e des KDG hat ihre Heimat am Niederrhein neu entdeckt und zeigt die Ergebnisse in einer besonderen Ausstellung im Niederrheinmuseum.

Die Klasse 7e des Konrad-Duden-Gymnasiums hat am Montag ihre Ausstellung „Wir am Niederrhein“ im LVR-Niederrheinmuseum eröffnet.
© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Ein Podcast über die alte Eisenbahnbrücke, eine Doku über Fische im Rhein, ein Film über die Luftangriffe auf Wesel: Was die Klasse 7e des Konrad-Duden-Gymnasiums in den vergangenen Monaten zusammengetragen hat, füllt seit einigen Tagen die Sonderausstellungsfläche im LVR-Niederrheinmuseum. Unter dem Titel „Wir am Niederrhein“ zeigen 33 Schülerinnen und Schüler noch bis zum 28. Juni, was sie an ihrer Heimat fasziniert.

Begonnen hat alles mit einer Idee von Lehrerin Svenja Begall. Im Erdkundeunterricht der siebten Klasse stehen sonst Klimazonen auf dem Lehrplan – Tropen, Polargebiete und so weiter. „Für die eigene Region ist in der Schule oft keine Zeit“, sagt Begall. Mit Rückendeckung der Schulleitung zwackte sie eine Stunde aus dem Kernlehrplan ab.

Vom Lehrplan in die Sonderausstellung

Viele, die von dem Projekt erfuhren, boten sich für Exkursionen an. Den Anfang machte eine Inputphase mit klassischem Unterricht zu Geschichte, Geologie und Kultur des Niederrheins. „Dafür haben wir dann auch die entsprechenden Experten da gehabt. Wie zum Beispiel von Hülskens für wirtschaftliche Themen“, so Begall. Anschließend besuchte die Klasse passende Orte, unter anderem Deltaport. „Rund um die Weihnachtsferien hatten wir eigentlich alles gesehen und die Schülerinnen und Schüler haben sich dann Schwerpunkte überlegt, die sie am meisten interessiert haben.“

Elena Arnemann (12) hat sich für das Projekt mit bekannten Gebäude am Rhein beschäftigt.
© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Ausstellung „Wir am Niederrhein“


Die Sonderausstellung der Klasse 7e des Konrad-Duden-Gymnasiums Wesel mit Postern, Dioramen, Filmen, Podcasts und Mitmach-Stationen rund um Geschichte, Geografie, Wirtschaft, Natur und Kultur des Niederrheins ist noch bis zum 28. Juni besuchbar. Das LVR-Niederrheinmuseum (An der Zitadelle 14–20, 46483 Wesel) hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Alle Informationen finden sich unter www.niederrheinmuseum-wesel.lvr.de


Schüler gestalten Ausstellung mit Kreativität und KI-Einsatz


So unterschiedlich wie die Themen ist auch ihre Aufbereitung: Poster, Dioramen, Filme, Podcasts oder Gegenstände zum Anfassen. Für die Poster nutzten die Jugendlichen Canva, einige entwickelten interaktive Rätsel, andere bauten mit dem Hausmeister Ausstellungsstücke aus Holz. Teile der Ausstellung sind per Künstlicher Intelligenz auf Niederländisch übersetzt, Filme teilweise auf Englisch synchronisiert. „Das ist zukunftsorientiertes Lernen, auch mal weg vom Lehrbuch“, so Begall. „Was mich am meisten freut, ist, dass sie so viel Methodik und Selbstbewusstsein mitnehmen können. Das macht auch was mit der Klasse und dem Zusammenhalt.“

Mieke Doll (12) mit ihrem Werk zum Thema „Der Rhein im 2. Weltkrieg“.
© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Henry (12) hat sich mit Fischen im Rhein beschäftigt. „Weil ich Fische sehr interessant finde und man deren Welt noch nicht so gut kennt“, erklärt er. „Für mein Projekt habe ich viele Dokus geschaut und mich am Schluss dazu entschieden, auch eine Doku zu machen, weil man das über ein Plakat nicht so gut rüberbringen konnte.“ Das Material hat er sich online zusammengesucht und die Texte selbst verfasst und eingesprochen. Der Zwölfjährige ist sichtlich stolz auf das Ergebnis seiner Arbeit, das auf einem Bildschirm auf der Ausstellungsfläche zu sehen ist.

(v.l.) Lehrerin Svenja Begall, Paul Meier-Frank (13), Titus Schruff (13) und Henry Phil Lohmeyer (12) vor der Eröffnung der Schüler-Ausstellung „Wir am Niederrhein“ im LVR-Niederrheinmuseum.
© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Originalaufnahmen aus dem Bundesarchiv


Titus (13) hat sich mit den Luftangriffen auf Wesel, Rees und Dinslaken befasst. „Weil ich mich generell für Geschichte interessiere. Besonders für geschichtliche Avionik.“ Das heißt Luftfahrttechnik. Für sein Video stellte er beim Bundesarchiv einen Antrag und erhielt zehn Minuten Originalmaterial. „Schwierig war, jedes einzelne Gesicht aus rechtlichen Gründen herauszuschneiden.“ So lernte er auch gleich den Umgang mit Datenschutz kennen. „Und ich kann mit meinem Wissen im Geschichtsunterricht prahlen.“

Wer sich für die alte Eisenbahnbrücke in Wesel interessiert, der kann sich im Museum den Podcast von Paul (13) anhören. Aufgenommen hat er ihn gemeinsam mit seinem Freund Titus. „Mein Vater und ich gehen oft an der Brücke vorbei und deshalb ist mir das direkt als Thema eingefallen“, erinnert er sich. Was das Format angeht, hat er sich von anderen Podcasts inspirieren lassen. Entstanden sind die Aufnahmen am heimischen PC über die Desktop-Software „Audacity“. „Das geht ganz einfach und man kann darüber auch leicht schneiden.“ Und weil ihm das so viel Spaß gemacht hat, kann sich Paul gut vorstellen, in Zukunft einen eigenen Podcast auf die Beine zu stellen – ganz abseits der Schule.