RP, 07.07.2026, von Fritz Schubert

Der Abiturjahrgang 1981 ist einer von den ganz besonderen am Konrad-Duden-Gymnasium.

Pünktlich zum Start hatte sich bereits das Gros der Teilnehmer des Abitreffens im Biergarten am Lippehafen auf dem Fusternberg versammelt. Organisatoren waren Rolf Tenhaeff (vorne links), Kirsten Bovenkerk (vorne, 3. V.li.) und Ulrich Gorris (links hinter Bovenkerk). Foto: Fritz Schubert

Wesel Als Kolumbus 1492 auf der Suche nach einem westlichen Seeweg nach Indien versehentlich Amerika entdeckte, blickte das heutige Konrad-Duden-Gymnasium Wesel (KDG) bereits auf eine 150-jährige Geschichte zurück. Denn der älteste erhaltene Beleg aus den Stadtrechnungen von 1342 weist einen „rector scolarum“ in Wesel aus. Das heutige KDG hat mehrere Namenswechsel erlebt. Mal war es beispielsweise „Königliches”, „Staatliches” oder “Städtisches Gymnasium” und nach dem Umzug vom alten Sitz im heutigen Amtsgericht am Herzogenring in die Feldmark „Gymnasium Wesel Nord”. Seit 1985 ist die Schule nach Konrad Duden, ihrem wohl berühmtesten Absolventen, benannt. Jahrhundertelang wurde ausschließlich Jungen eine höhere Bildung geboten. Das ist erst seit vergleichsweise wenigen Jahren anders.

Nicht verschwiegen werden darf an dieser Stelle, dass es vor gut 100 Jahren schon drei Pionierinnen gab, weil ihre einflussreichen Väter (Pfarrer, Kaufmann, Bauunternehmer) auf Aufnahme gedrängt hatten. Drei Absolventinnen des Städtischen Lyzeums kamen laut Chronik zum Beginn des Schuljahres 1922/23 zunächst probeweise und nach einem halben Jahr endgültig in die Obersekunda (Klasse 11). Während Leni Leyens aus der Unterprima abging, gehörten Liselotte Bölitz und Liesel Ziegler 1924 zum zehnköpfigen Abiturjahrgang. Dann kam in Sachen Koedukation jahrzehntelang nichts.

Natürlich gab es immer mal wieder Ausnahmen. Wenn beispielsweise eine Familie nach Wesel zog, deren Tochter anderswo mit Latein in der Sexta (5. Klasse) angefangen hatte. Ebenso hatte das Weseler Mädchengymnasium männlichen Zugang zu verkraften, wenn ein zugezogener Junge mit Englisch gestartet war. Aber es dauerte ewig, bis das üblich wurde, was wir heute kennen: freie Schulwahl für alle.

1972, genau 50 Jahre nach den revolutionären drei Pionierinnen, schlug die Stunde der regulären ersten zehn Mädchen am Jungengymnasium. Die Schule hatte sich dafür geöffnet, konstant Schülerinnen aufzunehmen. Der Jahrgang war mit 150 bis 160 Kindern enorm groß. Es wurden vier Klassen gebildet. Die zehn Mädchen landeten am Herzogenring alle in einer Klasse und wurden eifrig bestaunt.

1981 machte der Jahrgang dann am Standort Feldmark Abitur. Das war den Absolventen jetzt ein Abitreffen zum 45-Jährigen im Biergarten am Lippehafen wert. Von 104 Abiturienten waren 77 eingeladen worden.

Es kamen etwa die Hälfte, womit das Organisationsteam – Kirsten Bovenkerk, Rolf Tenhaeff und Ulrich Gorris – beim nunmehr fünften Treffen sehr zufrieden war. Bisher war man dreimal im Tannenhäuschen und zuletzt 2015 einmal am Weißenstein zusammengekommen. Die weiteste Anreise war jetzt aus der Schweiz zu verzeichnen.

„Das ist es dann wert, sowas zu machen“, sagte Rolf Tenhaeff angesichts der guten Resonanz und der lockeren Stimmung. Wie viel Zeit vergangen ist, lässt sich unter anderem an den Gesprächsthemen ablesen. Man rede bereits über Rentenpunkte und Abfindungen, sagten die Organisatoren. Und natürlich war auch das Thema „erste Mädchen“ manche Erinnerung wert. So hatten diese nicht nur mit konsternierten Lehrkräften zu tun, sondern auch mit „schwierigen“ Situationen.

Etwa im Sportunterricht oder bei den Bundesjugendspielen. Da trafen dann zehn Mädchen auf rund 700 Jungen. In der Unterstufe waren sie ohnehin die Einzigen und „lange konkurrenzlos“. Wobei die halbwegs gleichaltrigen Jungen sie wohl allenfalls „aus der Ferne“ begutachteten.

Nach dem Abitreffen zog Kirsten Bovenkerk ein äußerst positives Fazit: „Es war ein toller Abend, die Rückmeldungen waren durchweg sehr positiv, eigentlich unser schönstes Treffen. Essen, Location, alles sehr rund. Es ging bis tief in die Nacht, keiner wollte sich trennen und einige sind noch ins Quo vadis gegangen.“